Dez 262016
 

Bilanz

Die Mode-Rubrik wird im neuen Jahr in veränderter Form mit aktuellen Überblicken erscheinen, dann einmal im Quartal oder Halbjahr. Eine gute Gelegenheit, um auf die ersten Jahre dieser Rubrik zurückzublicken und eine kleine Bilanz der bisherigen monatlichen Artikel zu ziehen.

Die Berichterstattung über Kleidermoden ist in Deutschland fest in Hand der werbetreibenden Firmen. Artikel (bekanntermaßen oft auch auf Blog-Internetseiten) bilden den Zierrat oder den Ausgangspunkt für Anzeigen oder Promotion. Auch die Illustrierten-Beilagen der Zeitungen der sog. Qualitätspresse (Faz, Die Zeit etc.) sind lediglich Vehikel, um Modefirmen das passende Werbeumfeld zur Verfügung zu stellen.

Eine feuilletonistische Tradition der Modereflexion hat sich in Deutschland bis heute nicht einmal ansatzweise entwickelt, eine universitäre ebenfalls nicht. Unter unseren Autor*innen waren deshalb vorwiegend jüngere Leute zu finden, die an Mode-Akademien einen Abschluss erworben haben oder an Universitäten zu Mode-Themen promovieren. Dazu kamen einige teilweise ältere Dozent*innen von Akademien und relativ jungen Universitäten.

Nicht überraschend war für mich, dass eine ganze Reihe gerade der jüngeren Autor*innen ihre Artikel mit gesellschaftskritischem, anti-kommerziellem Anspruch schrieben. Aus Gesprächen mit sehr vielen Mode-Schüler*innen in den letzten Jahren war mir gut bekannt, dass sie fast alle einen äußerst pessimistischen Blick auf die gegenwärtige Lage (noch vor Trump) werfen: Konformismus, sozialer Druck durch Social Media, Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage, Verlust kultureller Vielfalt, kapitalistische Zwänge – davon scheint ihnen die Gegenwart auf schlechte Weise geprägt, und für die Zukunft erwarten sie keine Besserung, im Gegenteil.

Dennoch kämen sie nie auf die Idee, dass sie mit diesen Ansichten in der Modebranche sehr schlecht aufgehoben sind. Auch die kulturwissenschaftlichen Beiträger*innen scheint der Gedanke, dass ihre zumindest teilweise Modebegeisterung sich nicht gut mit ihren anti-kommerziellen und linksalternativen Haltungen vertragen könnte, kaum oder gar nicht umzutreiben.

Irgendwie sehen sie offenkundig eine Möglichkeit, dass ihre Weltsicht sich mit dem Inbegriff ruhelosen Kapitalumschlags, der Mode, verbinden lasse. Vielleicht ist es der nach wie vor häufig anzutreffende Glaube an die alles lösende Macht und Bedeutung der Kreativität, der dies bewirkt. (Man darf wohl auch prognostizieren, dass sie, wenn sie in der Modeindustrie unter den bekanntermaßen oftmals miserablen Arbeitsbedingungen eine Beschäftigung finden sollten, sicherlich nicht versuchen werden, sich gewerkschaftlich zu organisieren; auch da machen sich die Originalitäts- und Kreativitätsgedanken bemerkbar.)

Ein anderer Punkt, der mir bei der Lektüre der Artikel unserer Mode-Rubrik aufgefallen ist, hat mich in größerem Maße überrascht. Die Konzentration auf bekannte Designernamen war sehr stark ausgeprägt, seien es die alten Häuser (Chanel etc.) in den neuen Luxusgüterkonzernen (LVMH etc.), seien es die gerade jeweils angesagten kleineren Firmen, die man für besonders kreativ, experimentell und – aus dieser Perspektive: – hoffentlich Trend-setzend hielt.

Der Gebrauch der Kleidung – wie etwas tatsächlich getragen und kombiniert wird – und die Shopping-Mall-Geschäft- und Kaufhaus-Kleidung spielte folgerichtig als Thema kaum eine oder gar keine Rolle. Auch das nun allgegenwärtige Social-Media-Marketing und die Alltagskommunikation via Instagram blieb weitgehend unerörtert. Stattdessen gab es folgende Themen – hier die Link-Liste früherer Beiträge:

Themen früherer Mode-Kolumnen:
Kurzlebige Mode? (November 2016)
See Now Buy Now (Oktober 2016)
Fashionable Feminism?/Riot Grrrl Retro (September 2016)
Alles Rose! Über Susanne Bisovsky (Juli 2016)
Metalliclook (Juni 2016)
Chanel-Schauen (Mai 2016)
Sneaker-Kult (April 2016)
Western Boots (März 2016)
Skinny Jeans/Culotte (Februar 2016)
Daunenjacke (Januar 2016)
Körpertrends (Dezember 2015)
Model- und Musikstars (November 2015)
Vorgaben individualisierter Mode (Oktober 2015)
Militärisches in der Männermode (September 2015)
Alexander McQueen-Retrospektive (August 2015)
Berluti (Juli 2015)
Monokel (Juni 2015)
Winter 15/16 Frauen (Mai 2015)
Health Goth (März 2015)
Sportswear Männer (Februar 2015)
Normcore (Januar 2015)
Schirme (Dezember 2014)
Designer-Kollaborationen H&M (November 2014)
Mode und Politik (Oktober 2014)
Anthropomorphe Mode (September 2014)
Winter 14/15 Frauen (August 2014)
Hosen Männer (Juli 2014)

 

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