Okt 162018
 

Aktuelle Musikillustrierte

[aus: »Pop. Kultur und Kritik«, Heft 13, Herbst 2018, S. 85-90]

Nach der Einstellung der Gratis- bzw. Anzeigenmagazine »Intro« und »New Musical Express« (»NME«) ist es an der Zeit, in der Pressekolumne einen Blick auf andere ältere Musikzeitschriften zu werfen – wer weiß, wie lange es sie noch gibt [Nachtrag v. 19.10.2018: Im Falle von »Spex« nicht sehr lang, die Zeitschrift hat mittlerweile angekündigt, ihr Heft Ende 2018 einzustellen]. Keine von ihnen kann zwar auf die Tradition des britischen »NME« zurückblicken, der 66 Jahre lang gedruckt erschien (davon über 60 als käufliches Wochenblatt), aber einige Jahrzehnte kommen bei vielen von ihnen auch in Deutschland zusammen. Falls sie demnächst ihre Aktivitäten ebenfalls ganz ins Netz verlagern sollten (der »NME« z.B. tritt nun ausschließlich als nme.com auf), wären nur noch die üblichen Nekrologe zu verfassen. In ihnen soll bekanntlich nichts Kritisches zur Sprache kommen, aber auch die Analyse steht in musikjournalistischen Rückblicken zumeist nicht an erster Stelle, es überwiegt fast immer Wohlwollen und Bedauern. Überhaupt gewinnt man im Bereich der ›Kultur‹ den Eindruck, alles sei wertvoll und bewahrenswert, was mit diesem Begriff versehen wird.

Von den Abschiedsworten der Zeitschriften darf man natürlich erst recht nichts anderes erwarten, dennoch fällt auf, in welch hohem Maße ihr Personal von sich selbst und seiner Leistungskraft begeistert ist. Auf der Facebook-Seite von »Intro« lässt sich Chefredakteur Daniel Koch am 26. Juni so zitieren: »Intro war Haltung und Nerdwissen, enthielt Massen an Texten und geile Bilder mit mutigem Layout, Witz. Intro war eine Instanz im Popjournalismus.« Auch das Magazin »De:Bug« verrät in seiner letzten Ausgabe 181 im April 2014 hohen Anspruch; unter der Zwischenüberschrift »Schnittstelle zum Glück« steht: »Ihr wisst schon, Grenzen überschreiben, oder richtiger: überschreiten, Zusammenhänge finden, wo keine waren, weil früher oder später läuft eh alles zusammen. Ästhetik, Technik, Drogen, Musik, Theorie, Politik, Absurditäten, Geld, kein Geld … Wenn es eine Welt der Zukunft geben soll, dann sicherlich eine, in der nichts mehr nicht zusammenhängt.« Ungebrochenes Selbstlob vermeidet man, streicht aber die existentielle, außergewöhnliche Dimension der eigenen journalistischen Arbeit heraus: »Denn Scheitern muss dabei sein, weil Fehler oft lustig sind und manchmal auch nur einfach schön, aber auch weil ohne Einsatz alles nichts wert ist.« Kurz davor im selben Artikel »Fazit Masterplan«: »Eine Zeitung machen ist aber wohl im besten Fall sowieso wie ein Schwebezustand. Etwas aushalten, das eigentlich nicht auszuhalten ist und das auch noch gerne«. Nach Lektüre solcher letzten Sätze wundert es einen kaum mehr, weshalb nicht nur in politisch engagierten linken, sondern auch in diesen Szenen so oft der ›Neoliberalismus‹, das ›unternehmerische Selbst‹ bzw. die ›Selbstoptimierung‹ kritisch betrachtet werden: Nach außen wird negativ projiziert, was man sich selbst in höchsten Tönen zubilligt. Den Unterschied macht mitunter wohl nur der geringe eigene ökonomische Erfolg aus – und die Praxis, innerhalb der meritokratischen und kapitalistischen Historie der letzten Jahrzehnte bedeutende Zäsuren erkennen und theoretisch fixieren zu wollen. Wenn schon keine monetäre oder politische Macht, soll zumindest Periodisierungs- und Begriffsmacht erlangt werden.

Es bleiben aber zumindest noch einige Zeitschriften aus dieser Richtung des ›anspruchsvollen Musikjournalismus‹ übrig, die aus selten oder gar nicht offengelegten Gründen über hinreichend Geldquellen oder niedrige Kosten verfügen, um weitere Hefte zu veröffentlichen. Mit ›anspruchsvollem Musikjournalismus‹ ist hier der öffentlich bekundete Anspruch der Journalisten an sich selbst gemeint. Ein weiterer Beleg dafür ist ein jüngstes »Spex«-Editorial: Das Magazin stehe für »Qualität« und »Niveau«, sein »extrem« hoher »Anspruch« sei »in der deutschsprachigen Musikpresse einzigartig«, lautet der redaktionelle Leitsatz (Ausgabe Mai/Juni 2018).

Wie soll man (unabhängig von solchen ›Hochkultur‹-Zuschreibungen) diese Popmusikzeitschriften sonst kategorisieren – gerade im Kontrast zu Magazinen wie »Popcorn« oder »Bravo«, die trotz der für sie nun obligatorischen Berichte über Influencer und YouTuber immer noch eine ganze Reihe an Artikeln rund um Teeniestars, die auch Musik machen, ins Heft nehmen und darum ebenfalls als Musikillustrierte gelten können? Unter der Internetkonkurrenz zu leiden haben sie ohne Unterschied; bei »Bravo« gingen in den letzten zehn Jahren die verkauften Exemplare sogar überproportional von 442.967 auf 98.849 zurück, obwohl das Heft heute nur noch zweiwöchentlich an den Kiosk gelangt; damit verglichen, konnten »Spex« und »Rolling Stone« ihre Auflage (wenn auch auf niedrigerem Niveau) viel besser halten.

Aktuell und an der jüngsten Produktion orientiert sind ebenfalls alle Musikzeitschriften mit einer größeren Leserschaft. Quantitativ gesehen, präsentier(t)en gerade »Spex«, »Intro«, »De:Bug«, »Rolling Stone« etc. eine beinahe unübersichtliche Fülle an Gruppen und Tonträgern, begleitet von Artikeln über einige aktuelle Bücher und Filme, Kleidungsstücke und technische Geräte, Computerspiele und TV-Serien bzw. deren Urheber, flankiert von entsprechenden (spärlicher werdenden) Anzeigen. Sind die Künstler schon in Rente, tot, seit langer Zeit aktiv oder die käuflichen Objekte vor längerer Zeit erstmalig auf den Markt gekommen, handelt es sich eben um Neuauflagen, Neuabmischungen, Neuzusammenstellungen oder bislang (meist aus guten Gründen) unveröffentlichtes Material, Outtakes, Alternative Versions, Bootlegs, Radiomitschnitte etc. Ganz so viele redaktionelle Hinweise auf einzelne Waren findet man in »Bravo« nicht, identisch ist aber der starke Gegenwartsbezug, wenn er sich auch bei »Bravo« weniger auf neue Produkte generell, sondern fast ausschließlich auf die Angebote aktueller Interpreten richtet. Die Differenz liegt hier bloß darin, dass die Sänger und Musiker etwa in »Spex« und »Bravo« zumeist verschiedenen aktuellen Marktsegmenten bzw. Genres entstammen.

Vielleicht ist es darum ein guter Ausgangspunkt, einfach auf die Textlänge zu schauen, sie macht ganz offensichtlich einen gravierenden Unterschied aus. Die Zeichenzahl liegt bei den anspruchsvollen Magazinen hoch, die Typografie bietet nur Kurzsichtigen Freude, im Rezensionsteil fallen die Buchstaben manchmal noch kleiner aus (der Mikro-Preis gebührte hier »De:Bug«, heute wäre »testcard« zu nennen, die aber wegen ihrer zuletzt unregelmäßigen, bloß noch zwei- oder dreijährigen Erscheinungsweise nicht mehr in die Zeitschriften-Rubrik gehört); in einem Heft des »Rolling Stone« könnte man wahrscheinlich eine Quartalsproduktion »Bravo«-Texte unterbringen. Dies liegt u.a. an den umfangreichen Essays, die diese Zeitschriften gegenwärtig wie Nachrichtenmagazine oder politische Illustrierte auch abdrucken. Im Unterschied zu »Spiegel« oder »Cicero«, die gelegentlich Soziologie- oder Geschichtsprofessoren damit betreuen, gilt bei »Spex« und »Rolling Stone« die Regel des Unakademischen. Diese Regel lässt lediglich Varianten bei der Auswahl der Autoren und Interviewpartner zu: Hören bei den zahlungskräftigen Nachrichtenmagazinen jene Intellektuellen, die weit überwiegend außerhalb wissenschaftlicher Fachpublikationen Anerkennung finden, häufig auf Namen wie Precht, Sloterdijk, Safranski, beauftragen die anspruchsvollen Musikmagazine gelegentlich kritische Geister wie Theweleit (68er: »brodelnde Affektbündel«) oder Distelmeyer (Absage an »zeitgeschmäcklerische Formatradio-Erwartungen«). In der »Bravo« setzt man im politisch-kulturkritischen Bereich hingegen nicht auf Autorenprominenz, sondern z.B. auf gutaussehende Umweltaktivisten, die sich aufmachen, »unsere Ozeane« vor Plastikmüll zu »retten« (Heft 16, 2018).

Relativ lang fallen in »Spex« und »Rolling Stone« auch und gerade die musikalischen Hauptartikel und Besprechungen aus. Für sie gilt ebenfalls der Vorrang des Unakademischen. Fachsprache ist weitgehend verpönt, es sei denn, sie bleibt völlig unbestimmt oder gewährt das Gefühl einer gewissen Vertrautheit: Beat, barocke Arrangements, Riff (diese und alle folgenden Beispielworte stammen aus den »Spex«- und »Rolling Stone«-Heften des ersten Halbjahres 2018). Stattdessen dominieren Metaphern (bratzen, anschwellen, verhuscht, ausgefranst, fleischiger) und Metonymien, die vermutete Wirkungen in den Klang verlegen (schwermütige Töne, herzerweichende Songs, psychedelische Gitarren). Obwohl die Leserschaft sich in erster Linie aus Gymnasialabsolventen und Leuten, die selbst ein Instrument spielen, zusammensetzt, beschränken sich die musikologischen Hinweise auf Genreangaben: Doom Metal, Bluegrass, Yachtrock – solche Rubrifizierungen finden sich fast in jedem Artikel, recht häufig noch Bezüge auf bekanntere Bands (klingt wie …, erinnert an …) und auf frühere Produkte derselben Gruppe, seltener Angaben zu Instrumenten (Violinbogen, Oboe, Synthies).

Bliebe es dabei, wären die Artikel nach wenigen Zeilen beendet. Auch die pflichtgemäße Angabe, wie der Autor die vorgestellten Künstler und ihr Produkt qualitativ beurteilt, würde daran nichts ändern. Diese Einschätzung wird aber nicht nur durch explizite Wertungen (›x ist schlecht, y exzellent‹) vorgenommen, sondern soll wie im Feuilleton auch in vielen deskriptiven, oft metaphorisch oder metonymisch gewendeten Formulierungen zur Geltung kommen; solche Angaben (mit größter Seele, unaufdringlich, unspannend, Popkrawall, unverfälscht, wummernde Vielseitigkeit) beziehen sich auf die Musik oder den Musiker oder beide zugleich. Es wäre eine umfangreiche linguistische Aufgabe, diese Worte einmal aufzulisten und zu katalogisieren. Jede zufällig aufgeschlagene Seite, die Songs oder Tracks zum Gegenstand hat, bietet eine Fülle an Beispielen (etwa »Spex«, H. 380, S. 99: klingt energisch, würden in Liam Gallaghers Regenjacke passen, Iceage-Version eines Liebeslieds, unperverse Ballade, alte sonische Bekannte, Waldsinfonie; »Rolling Stone«, H. 281, S. 102: klanglich erfrischend, zerhackte Samples, Stottern der Maschine, wimmelnde Vielfalt, süffige Wohlfühlharmonien, sanft schwebende Orchestersamples). Für die »Bravo« hingegen benötigt man kein langwieriges Forschungsprojekt, die entsprechende Zählung innerhalb der Ausgabe vom 18.7.2018 ergibt exakt null Worte. Bloß »Hammer« ist zu verzeichnen, das jedoch bezieht sich nicht auf einen Rhythmus, sondern lediglich auf die Klasse der Stücke: »Zurzeit schallt aus jedem Lautsprecher die Musik von Capital Bra (23)! Kein Wunder – ›Nur noch Gucci‹, ›Neymar‹ oder ›One Night Stand‹ sind einfach Hammer-Songs!«

Solche Aussagesätze (›x ist vorzüglich, y miserabel‹) verstehen sich hinsichtlich der Wertung beinahe von selbst (die Fälle, dass ›bad‹ gut ist, ›Hammer‹ schlecht oder ›gut‹ langweilig, einmal ausgeklammert). Die Attribute aber, die in »Spex« und »Rolling Stone« so häufig gebraucht werden (synapsentraktierend, umgewidmeter Elektroschrott, plump, vibrierende Klangflächen, schillernde Klangflächen, giftig), bleiben im Zuge moderner ästhetischer Regellosigkeit allein für sich ambivalent: Schrott kann nun sehr guter Trash oder schlechter kommerzieller Abfall sein, das Plumpe interessant oder langweilig, in jedem Fall ist ausgeschlossen, dass bloß das Schöne, Harmonische, Edle einen positiven Wert besitzt. Deshalb ist eine gewisse Redundanz notwendig, um den Standpunkt zu verdeutlichen; so gewinnt der Text an Länge.

Meistens reicht aber auch Redundanz nicht aus. Zur Probe: Ist das – Hängemattenexistenz, offensiv herausgestellte Gitarren-Licks, kraftvoller als bisher, schulterzuckende Leichtigkeit des Sounds, delirisch-kindlicher Gesang, beruhigend trivial – nun gut oder schlecht? In solchen Fällen hilft es, wenn zur ästhetischen noch eine politisch-moralische Dimension hinzukommt. Sie sorgt nicht etwa für mehr Komplexität oder für Unentschiedenheit, sondern hilft, die Bewertung zu erfassen; im vorliegenden Fall schafft der Hinweis, die besprochene Musik stehe für eine Kultur abseits gegenwärtiger neoliberaler Anstrengung, ein hohes Maß an Eindeutigkeit.

Dennoch kann immer noch zurecht eingewendet werden, eine unbefangene Lektüre wäre nicht in der Lage, aus den Sätzen über die triviale, unangestrengte, wiewohl verrückte Leichtigkeit in Musik und Arbeitswelt zweifelsfrei auf eine Zustimmung oder Ablehnung seitens der Autorinstanz zu schließen. Deshalb ist es sinnvoll, dass die Zeitschriften für jeweils eine bestimmte Haltung nicht nur ästhetischer Art einstehen; ist die politisch-moralische Richtung oft genug auch explizit angegeben worden, erleichtert ihre Kenntnis die Aufschlüsselung und Einordnung all der impliziten Wertungen und besonderen Konnotationen. Interne Widersprüche vermögen das nicht aufzuheben: Wenn auch beträchtliche Teile der Leserschaft z.B. Cover mit Frauen als Musikerinnen wenig schätzen und darum mal auf den Kauf des Magazins verzichten – oder wenn auch Szenen, in denen experimentelle, unkonventionelle oder ekstatische Musik hoch angesehen ist, oftmals wenig libertär organisiert sind –, der schwarz auf weiß niedergelegten weltanschaulichen und semantischen (linksalternativen oder urban-liberalen) Orientierungsfunktion muss dies keinen Abbruch tun.

Der Einordnung dienen auch die vielen Aussagen der Musiker selbst. Hält man sich an Musikzeitschriften wie »Spex« und »Rolling Stone«, ist Pop- und Rockmusik keineswegs eine ›unbürgerliche‹ Kultur. In Interviews werden ausgesuchte Schöpfer und Repräsentanten wieder und wieder nach Motiven, Herkünften und Interpretationen gefragt. Genauso wie im Feuilleton und in Promotion-Artikeln bleibt das jeweilige Produkt als Ergebnis des Zusammenspiels verschiedenster Instanzen unterbelichtet. Darum kommen selbst die (sehr seltenen) Artikel über Szenen und Events, über vielschichtige Praktiken einer ›art world‹ und ihre hochgradig arbeitsteiligen Produktionen kaum einmal ohne lange Passagen zu einzelnen (vereinzelten) Schöpfergestalten und deren bedeutungsvollen, kommentarbedürftigen Werken aus.

Eine weniger schöpfer- oder werkzentrierte Berichterstattung ist auch deshalb selten anzutreffen, weil die Autoren der Artikel selbst als Schöpfer gelten wollen. Der Platz, den neben den zumeist als unabdingbar erachteten Musikeräußerungen etwa Fan-Dokumente einnehmen könnten – oder auch Berichte über Produktionsabläufe und Distributionsbedingungen sowie über konkrete alltägliche Rezeptionen und Verknüpfungen –, wird in den aktuellen Musikzeitschriften mit Anspruch von den Deutungen, Anmerkungen und Wertungsakten der Journalisten eingenommen. Den einzigen Unterschied zu entsprechenden Feuilletonartikeln bilden manchmal Schilderungen der Reise zum Gesprächsort und der Interviewszenerie; selten erstrecken sich die autobiografischen Passagen aber auf die eigenen Aneignungen und täglichen Gebrauchsweisen der Musik und Musiker-Images.

Selbst in den Fotostrecken dieser Zeitschriften bleibt das Prinzip gegenwärtig gewahrt. Auf ihnen gelangen zwar die Journalisten nicht mit ins Bild, aber auch sonst kaum jemand: Die Musiker bleiben zumeist für sich, sie stehen allein oder in Kleingruppen vor kahlen Wänden oder werden auf dem (viel seltener gezeigten) Konzertfoto vor diffusem Hintergrund isoliert, der Ausschnitt holt Oberkörper oder Gesicht nah heran, Persönlichkeit soll sichtbar werden, nicht professionelle Zusammenarbeit und Vorbereitung, nicht die anderen Beteiligten am Event, nicht jene Verkettungen von Musik, Mode, Habitus, Körper, Maschinen, Deko-Objekten, Freizeitgestaltung, Social Media, die alltäglich Raum greifen. Ließe man dies unter Popmusik fallen, handelte es sich bei Zeitschriften wie »Spex« und »Rolling Stone« nur in einem eingeschränkten Sinn um Popmusikmagazine.

Andersherum gilt das auch für Zeitschriften wie »Bravo«; zwar verfügen sie über einige Ansätze, die in den Alltag weisen: neben Postern, Tipps zum Umgestalten von Sneakers und Aufforderungen, eigene Bilder von Stars zu zeichnen und YouTube-Videos anzufertigen, hauptsächlich sozial-didaktische Anweisungen, wie gemäß der Vorbilder zu lieben und leben sei; mitunter fallen diese Hinweise auch ambivalent genug aus, um etwas Freiraum zu bieten (»Bravo« über den Rapper Capital Bra: »In der neunten Klasse hat er keinen Bock mehr auf Schule und bricht sie einfach ab. Eine Entscheidung, die er heute bereut. ›Ich war jung und dumm‹, sagt er in einem Interview. ›Es ist echt scheiße, wenn man keinen Abschluss hat.‹ Doch trotz Schulabbruch hat es der Berliner geschafft, richtig erfolgreich zu werden«); die Musik spielt bei diesen Geschichten und Weiterführungen der Starimages aber kaum keine Rolle, über sie wird häufig kein einziges Wort verloren. Wahrscheinlich dokumentiert die Redaktion deshalb sogar den scheiternden Versuch, einem Sänger zumindest indirekt eine musikalische Erinnerung zu entlocken. Frage »Bravo«: Was war die erste CD, die du dir gekauft hast? Antwort Richard (von den »Latin-Megastars« CNCO): »Ehrlich gesagt habe ich mir nie eine CD gekauft.«

 

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Transcript Verlags. Hinweise und Links zu Heft 13 der »Pop«-Zeitschrift hier. Blick ins Heft hier.

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