Apr 122018
 

»Celebrity, the cerebral and ›pseudo-academic mumbo jumbo‹?«

2010 erschien die erste Ausgabe der »Celebrity Studies«. Das Vorwort ist eine Rechtfertigung des Untersuchungsfeldes, das, wie die beiden Herausgeber Su Holmes und Sean Redmond berichten, bereits vor der Veröffentlichung der Zeitschrift in der britischen Presse vielfach kritisiert wurde. Legitimiert eine solche Publikation nicht die Abwendung von Studierenden von »ernsteren« und »würdigeren« Themen und eine Zuwendung zu solchen, die ihnen Vergnügen bereiten? Und führe das nicht zu einer »Verdummung« der Wissenschaft im Allgemeinen? Ist die Zeitschrift also Ausdruck einer populistischen Wissenschaft?

Die Kritik weisen die Herausgeber freilich zurück, insbesondere mit der Feststellung, dass Publikationen wie die ihrige unbeirrt in der Celebrity-Kultur positioniert werden, sprich: der Gegenstand und die Wissenschaft über ihn gleichgesetzt – gleichermaßen herabgewürdigt – werden. Holmes und Redmond verpassen es auch nicht, die Debatte im Jahr 2010 als anachronistisch darzustellen, sind doch wissenschaftliche Untersuchungen von Stars und Prominenten seit der Veröffentlichung von Richard Dyers »Stars« aus dem Jahr 1979 zunehmend als akzeptierter Teil des akademischen Betriebs anzusehen.

Schließlich thematisieren sie auch eine Frage, die für die wissenschaftliche Untersuchung durchaus relevant ist: Nämlich inwiefern Wissenschaftler auch Fans sein können und dürfen. Welchen Stellenwert muss Objektivität (intellectual ›objectivity‹) für die Celebrity Studies haben? Und da es in der Zeitschrift nicht nur um die Untersuchung einzelner Prominenter und von Prominenz als solcher geht, sondern auch darum, auf welche Art und Weise diese untersucht werden kann und soll, bleibt die Frage konsequenterweise unbeantwortet.

Die einmal jährlich erscheinende Zeitschrift hat bisher 9 Ausgaben herausgebracht, von denen allerdings nur die erste kostenfrei zugänglich ist. Alle anderen sind kostenpflichtig, es wird aber wie üblich für jeden Text ein kurzes Abstract zur Verfügung gestellt, mit dem ein guter Einblick gegeben wird. Es gibt vier Rubriken: »Original Articles«, »Forum«, »Cultural Report« und »Book Reviews«. In der erstgenannten werden längere Essays veröffentlicht, die sich zum Teil speziellen historischen wie zeitgenössischen Phänomenen (interessant etwa »Womens’s language in female celebrity chef cookbooks« von 2018) oder einzelnen Prominenten widmen, aber auch solche, die allgemeine theoretische oder methodische Ansätze zur Untersuchung von Prominenz entwickeln (online vollständig verfügbar ist etwa »Approaching celebrity studies« von Graeme Turner).

Interessant erscheint die Rubrik »Forum«, in der kurze, aktuelle, provokative Statements und Kommentare (»think pieces«) zu zeitgenössischen (aber auch historischen) Themen der Promi-Kultur erscheinen, die zum Austausch anregen und Debatten fördern sollen. Außerdem werden im »Forum« Antworten auf frühere Forumsbeiträge veröffentlicht, um den Dialog aufrecht zu erhalten und neueste Entwicklungen miteinzubeziehen. 

Unregelmäßig gibt es zudem Special Issues, die von Gästen ediert werden. Zuletzt (vor vier Jahren) »Ageing and Female Celebrity«, herausgegeben von Deborah Jermyn, die am Department of Media, Culture and Language an der University of Roehampton über u. a. Feminismus, Popkultur und Hollywood forscht und lehrt. 

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