Mrz 192018
 

Konjunkturen und Varianten rechter Kulturvorstellungen

Seit dem letzten Jahr hat sich unter Zeitdiagnostikern und vielen Politikern eine Deutung durchgesetzt, mit der die zuletzt stark angewachsene Popularität neurechter Parteien erklärt werden soll: Zulauf bekämen sie, weil ihre Anhänger zu den Globalisierungsverlierern gehörten, deshalb protestierten sie gegen die liberalen Eliten, die Globalisierungsgewinner.

Diese Diagnose ist aus zwei Gründen zu bezweifeln: Erstens bringen Deutschland, Frankreich, Österreich, USA, Holland etc. innerhalb der ‚Konkurrenzen‘, die ihre Einwohner fast alle durchlaufen müssen, auch ohne den seit den 1990er Jahren noch einmal verstärkten internationalen Handel bereits seit vielen Jahrzehnten systematisch ‚Gewinner‘ und ‚Verlierer‘ hervor – zum einen in Schule und Universität beim Erwerb von Bildungszertifikaten, die oftmals über den Berufseinstieg entscheiden, zum anderen beim Wettbewerb auf dem Berufs-, Güter-, Wohnungs- und Kapitalmarkt. Der momentane beachtliche Anstieg der Popularität rechter Bewegungen und Parteien muss also (mindestens auch) andere Gründe haben.

Zweitens kann an dem Argument nicht vollständig die Pointe überzeugen, neurechte Ausrichtung exklusiv bei ‚sozial Abgehängten‘ und ‚Bildungsfernen‘ zu verorten. Der Versuch, eine neurechte Hegemonie über die liberalkonservative ‚westliche‘ Position hinaus zu gewinnen, ist zu wichtigen Teilen auch ein Projekt von Akademikern, Offizieren, mittelständischen Unternehmern etc.

Das zweite Argument kann aber insofern viel stärker als das erste überzeugen, als hier in der historischen Tiefendimension tatsächlich ein beachtlicher Unterschied zu verzeichnen ist. Die Kritik an der westlichen Zivilisation und am Kosmopolitismus, das Bedauern über den Verlust von ‚Heimat‘, ‚Gemeinschaft‘, ‚Brauchtum‘, ‚Anstand und Sitte‘ und ‚gewachsener Kultur‘ ist in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Professoren, Studenten, Parteipolitikern, hohen Beamten, Klerikern, Verbändevertretern etc. noch viel weiter verbreitet und für viele von ihnen von zentraler Bedeutung gewesen. Besonders in Deutschland ist die Entgegensetzung von (deutscher) ‚Kultur‘ und (vor allem französischer, zu Teilen auch englischer) ‚Zivilisation‘ lange Zeit ein Gemeinplatz. Dieser weltanschauliche Grundzug, der sich später auch in der Abwehr US-amerikanischer ‚Massen- und Kommerzkultur‘ zeigte, steht heute nicht mehr durchgängig im Mittelpunkt rechter Projekte.

Woran dies liegt – und ob die teilweise geschwundene Bedeutung solcher Kulturkritik an ‚westlich-liberaler Zivilisation‘ vielleicht nur ein Zwischenstadium darstellt – soll in diesem Aufsatz erörtert werden. Ebenfalls soll dabei dargelegt werden, welche Elemente der Kulturkritik unverändert bedeutsam für rechte Überzeugungen sind. Dazu wird zuerst die Tradition der Kulturkritik erläutert; im zweiten Schritt soll das Verhältnis von Pop-Anschauungen zur  Kulturkritik kurz dargestellt werden; abschließend dann Anmerkungen zum Verhältnis von Kulturkritik und neurechten Anschauungen.

Definitionen und historische Ausprägungen der Kulturkritik

In seiner „Geschichte der Kulturkritik“ hält Georg Bollenbeck fest: Unter Kulturkritik verstehe man gewöhnlich „Klagen über den allgemeinen Verfall der Sitten und der Gesellschaft, über Entfremdung und Rationalisierung, über die unheilvolle Herrschaft des Geldes, der Technik oder der Medien.“[1]

Wenn man heute noch von ‚Kulturkritik‘ spricht, redet man überwiegend weiterhin von Bestrebungen, die moderne Gesellschaft insgesamt zu kritisieren, um ihrer Tendenz zu ‚materialistischen‘ Einstellungen, zur ‚Vermassung‘, ‚Spezialisierung‘ usf. ein besonderes Idealbild entgegenzusetzen, das sich stark aus angenommenen Vorzügen der Bereiche ‚gemeinsinniger‘, ‚echter‘ Bildung und volksmäßiger Kultur ergibt.

Die stark fixierte Bedeutung des Begriffs lässt sich auch unschwer daran erkennen, dass er im angloamerikanischen Sprachraum mitunter unübersetzt verwendet wird. Das neutrale ‚cultural criticism‘ kann vieles bedeuten, ‚Kulturkritik‘ nicht. Terry Eagleton z.B. benutzt in „The Idea of Culture“ den deutschen Ausdruck, um nicht nur bei Spengler, sondern auch bei Matthew Arnold und F.R. Leavis den Widerstand gegen die Moderne („abstract, alienated, fragmented, mechanistic, utilitarian, in thrall to a crass faith in material progress“) herauszustellen.[2]

In zwei (leider heutzutage nicht mehr viel gelesenen) Büchern sind die kulturkritischen deutschen Anläufe materialreich und scharfsichtig untersucht worden: in Fritz Sterns „The Politics of Cultural Despair“ aus dem Jahr 1961 (dt. Übersetzung 1963 unter dem Titel „Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland“) und vor allem in Fritz K. Ringers im gleichen Jahrzehnt, 1969, veröffentlichter Abhandlung „The Decline of the German Mandarins. The German Academic Community, 1890-1933“ (die Übersetzung ins Deutsche erfolgte 1983 unter dem Titel „Die Gelehrten. Der Niedergang der deutschen Mandarine 1890-1933“).

Ringer und Stern zählen zu den Grundzügen der Kulturkritik: die Kritik an der „Kommerzialisierung“, „Verstädterung“, „Verweltlichung“, an der „Vorherrschaft von Vernunft und Routine“, an „Liberalismus“ und „Parlamentarismus“, „Parteiwesen“ und „Mangel an politischer Führung“, am Verlust „frühere[r] völkische[r] Einheit“, an den „nivellierenden Tendenzen der Massengesellschaft“,[3] an materialistischer Einstellung, „egoistischem Utilitarismus“, „Pragmatismus“, unheldischem Komfort, am Niedergang ganzheitlicher und interesseloser Bildung und an der Mechanisierung der Künste.[4]

Mit den eigenen Worten der sogenannten ‚Kulturkritiker‘ vom Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts (die selber den Begriff nicht gebrauchen): Die „deutsche Geselligkeit“ habe sich „veräußerlicht“, bedauert Julius Langbehn 1890 in „Rembrandt als Erzieher“; „man verlangt materiell weit mehr und leistet ideell weit weniger als noch vor vierzig Jahren“, „Vergnügungssucht“ überwiege. Trotz dieser betrüblichen Diagnose setzt Langbehn unentwegt darauf, dass „dem kosmopolitischen Materialismus, Skeptizismus, Demokratismus“ der „deutsche Idealismus, der deutsche Glaube, der deutsche Aristokratismus“ mit seinem völkischen Kontinuum vom Bauer zum Adel erfolgreich entgegenwirken werde. Langbehn ruht im Wissen, dass bei den Deutschen „Wahrhaftigkeit“ und „Wehrhaftigkeit“ eng beieinander liegen.[5]

Kulturkämpferisch gesinnt ist auch Werner Sombart. Er stellt den Gegensatz von „Händlern und Helden“ nicht zufällig zu Beginn des Ersten Weltkriegs auf. Sombart verurteilt das „hundsgemeine“ Ideal der englischen Händler-Utilitaristen „‚vom Glück der größten Anzahl‘“, um die deutschen „Helden“ zu feiern und ins Recht zu setzen. Die unmilitärische Orientierung an der „Kommerzialisierung“ verachtet Sombart an den Engländern: „‚Glück‘ ist Behagen in Ehrbarkeit; Comfort mit Respectability: Apple-pie und Sonntagsheiligung, Friedfertigkeit und Foot-ball, Geldverdienen und Muße für irgendein hobby“. Da solch ein bequemes „kleines, bißchen Leben“ im Grunde „das Tote“ sei, ist der Krieg der deutschen Helden also recht besehen eine lebensspendende Mission, in jedem Fall als Feldzug gegen „Materialismus“ und „Komfortismus“ ein Einsatz für jene „wahre“ Kunst und „geistige“ Kultur, die den Engländern fehlt. Eine Gefahr stellt dieser Kampf nicht dar, denn gegen das unorganische, individuell differenzierte England kann das nicht nur im Krieg, aber besonders durch den Krieg vereinte deutsche „Volk“ nur gewinnen.[6]

Am Ende des Ersten Weltkriegs, die Niederlage vor Augen, verwendet Thomas Mann in den „Betrachtungen eines Unpolitischen“ weiterhin solche gut eingeführten kulturkritischen Gegensatzpaare, um die Schlacht gegen den „Westen“ grundsätzlich zu legitimieren,[7] etwa wenn er die „Masse“ gegen das „Volk“ stellt. Solche Gegensatzpaare werden nie rein deskriptiv verwendet, sondern besitzen stets einen starken Wertungsakzent. Auch Thomas Mann liefert die übliche völkische Pointe, demokratische Abstimmungen können für ihn keine wertvollen Ergebnisse hervorbringen: „Ist ein Volk ‚mehr als die Summe seiner Teile‘, so hat das Volk nicht gesprochen, wenn man die Teile einzeln abgefragt hat.“ Der „Wille eines Volkes“ sei keineswegs identisch mit dem der „‚Summe‘, der Masse“.[8] Nach diesem Muster werden ebenfalls geschieden: „Individuum und Persönlichkeit“, „soziales und metaphysisches Leben“, „Zivilisation und Kultur“. Kulturkritik bedeutet also, folgt man Thomas Mann und anderen Deutschen, nicht: Kritik an der Kultur, sondern Kritik im Namen der Kultur an der Zivilisation. Der zivilisatorischen „Nützlichkeitskultur“, die sich an individuellen Interessen, rationalen Erwägungen und sozialen Reformen orientiert, wird harsch die Kultur einer höheren Gemeinschaft, die Kultur des „höhern geistigen Lebens der Nation“ entgegengehalten.[9]

Weitere Gegensatzpaare lauten „Seele und Gesellschaft“, „Freiheit und Stimmrecht“, deutscher „Bürger“ und internationaler „Bourgeois“.[10] Den jeweils ersten Begriff schlägt Mann positiv der Seite der Kultur, den zweiten negativ der Seite der westlichen Zivilisation zu. Kulturkritik bedeutet grundsätzlich, von der Warte der Kultur (und nicht zuletzt der romantischen Musik) die zivilisatorische Politik zu kritisieren. Falls den Erzeugnissen und Verhaltensformen der modernen Welt überhaupt ein kultureller Status zugestanden wird, dann ein niedriger. Diagnostiziert wird allenthalben ein Kulturverfall; um den Niedergang aufzuhalten, wird eine Rückbesinnung auf ältere oder allein wahrhafte Formen der Kultur anempfohlen. Hebt Thomas Mann recht originell in seinen „Betrachtungen“ während des Ersten Weltkriegs besonders jene Kunst hervor, die ohne soziales Engagement, ohne Botschaften auskommt, gehört es zum Charakteristikum der übrigen Kulturkritiker über die Jahrzehnte hinweg, unter Kultur ein ‚organisches‘ Gebilde zu verstehen, das von völkischer Substanz oder (abseits spezialisierter Wissenschaft, technisch-bürokratischen Fachmenschentums) von übergreifender, werthaltiger, idealistischer Bildung erfüllt ist.

Stehen sich diese beiden Ausprägungen manchmal teilweise feindlich gegenüber, treffen sie sich doch regelmäßig u.a. bei der tiefen Abneigung gegen die mechanisierte, standardisierte, sinnlich aufreizende oder amüsant-oberflächliche Kultur bzw. – aus ihrer Sicht – Unkultur. In politischer Hinsicht stimmen sie bei der Ablehnung von Partei- und Interessenpolitik, Internationalismus, Liberalismus ebenfalls zuverlässig überein.

Unpolitisch im allgemeinen Sinne sind sie natürlich beide nicht. Ihre gemeinsame Bevorzugung ständischer Ordnung, völkischen Geistes, von Obrigkeits- und Führerstaat, nationaler Sitte und konservativer Beharrung ist sogar hochgradig politisch. Kulturkritik zeichnet allerdings aus, dass sie ihre Vorstellungen, wie Nation und Staat geprägt sein sollten, kaum auf dem Wege institutionalisierter Verfahren erreichen will. Auch geht es ihr nicht um politische Änderungsvorschläge im engeren Sinne. Sie appelliert stattdessen an Ordnungssinn und Gemeinschaftsgefühl, versucht Werte zu stiften, ruft kanonische Werkschöpfer auf, erinnert an vormoderne Traditionen, ergeht sich in vorgeblich reiner Anschauung, beschwört den Volksgeist, feiert wissenschaftlichen Idealismus und Ganzheitssinn, warnt vor Barbaren, sucht mit organischer Kunst und Bildung Tapferkeit und Volkstum zu heben.

An der Aufzählung wird unmittelbar deutlich, dass es bei den politischen Zielen (über die ungeachtet der ‚unpolitischen‘ Grundhaltung nicht wenige Kulturkritiker mindestens implizit verfügen) keine Generallinie der Kulturkritik geben kann. Verfechter des Kulturstaats (die sich mit der Garantie humanistischer, zweckfreier Bildung unter der Führung von Philosophie und Altphilologie zufrieden geben), Konservative (die den Ständestaat restaurieren möchten), Nationalisten (die ihr Volk reinigen und in neue Schlachten führen wollen) finden zwar angesichts ihrer modernen Gegner und des jenen zugeschriebenen Kulturverfalls manchmal zusammen, entdecken aber spätestens im Augenblick des Erfolgs wieder ihre Unterschiede.

So sehr auch radikale Nationalisten in die Kritik von Dekadenz und Zersetzung, von atomisierter Gesellschaft und grenzübersteigender Nivellierung, von Bequemlichkeit, Nützlichkeitsdenken, Ehrlosigkeit einstimmen, für den Vorrang interesseloser Bildung, asketisch-elitärer Strenge oder selbstgenügsamer, traditionsverpflichteter Gemeinschaft treten sie, falls sie Macht erlangen, im Regelfall ebenso wenig ein, wie sie zuvor bei ihren Anstrengungen, an die Macht zu kommen, auf die Mobilisierung und populistische Ansprache der Massen verzichten. Nur diejenigen konservativen Bildungsbürger, die ihre Vorstellungen vom Kulturstaat und der Bildungselite in hohem Maße an völkische, rassistische und imperialistische Ideen binden, können sich dem Siegeszug chauvinistischer Bewegungen auf längere Zeit ohne wachsende Distanz anschließen.

Eine Deckungsgleichheit von „Kulturpessimismus“ und nationalsozialistischer Anschauung behaupten darum selbst die schärfsten Widersacher der Kulturkritik nicht. Dennoch mag es angesichts der Nähe kulturkritisch-völkischer zu nationalsozialistischen Positionen verwundern, dass ausgerechnet nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1960er Jahre hinein besonders die Kritik an der Massengesellschaft und Massenkultur zu den hervorragendsten Anliegen der deutschen Feuilletonisten, Professoren und Schriftsteller gehört.[11]

Es gibt aber verständliche Gründe für die Fortführung dieses kulturkritischen Topos. Zu den wichtigsten zählen: Die kulturkritische Rede ermöglicht es den Intellektuellen der Nachkriegsjahre erstens, mit der deutschen nationalsozialistischen Vergangenheit auf eine Weise zu brechen, die elementare Selbstkritik ausspart, weil viele von ihnen so zu konservativen Ansichten zurückkehren können, die sie bereits in den 1920er Jahren geäußert haben (sie verweisen seltener oder gar nicht auf den Anteil der Kulturkritik am nationalsozialistischen Aufstieg, sondern darauf, mit ihrer Kritik am Massenmenschen, die etwa in den 1920er Jahren ein wichtiger Topos bei Carl Schmitt und Martin Heidegger gewesen ist, einen wichtigen Grundzug des Nationalsozialismus vorab kritisiert zu haben). Zweitens trägt die kulturkritische Ablehnung von Standardisierung und Nivellierung zur Streuung der Aufmerksamkeit bei; von vornherein steht nicht nur die Analyse und Aufarbeitung nationalsozialistischer Herrschaft im Mittelpunkt; im Namen der Massen-Kritik rückt sogleich die sowjetische Alternative zum Nationalsozialismus in den kritischen Blick. Drittens kann im Namen einer Kritik an der Massenkultur Distanz gegenüber der amerikanischen Besatzungsmacht signalisiert werden, ohne sie politisch direkt anzugreifen.

Immer wieder wird Ende der 1940er Jahre und in den 1950er Jahren in äußerst kritischer Manier darauf hingewiesen, dass der moderne, nivellierte Mensch seine moralische und kulturelle Identität, seinen festen Platz in einer geordneten Gemeinschaft verloren habe. Nun erlägen alle innerhalb der amerikanisierten, kapitalistischen Welt dem Imperativ des Konsums. In großer Zahl produzierte Waren und Medienangebote uniformieren in Sicht der Bildungsbürger den Rest der Bevölkerung zu einer bloßen Masse. Auf dem Felde der Kultur kann man so auch mehr oder minder unterschwellig seine Abneigung gegen die bestehende Demokratie zum Ausdruck bringen. Konservative Kräfte fordern eine stärkere Beschneidung der Wahl- und Mitspracherechte, sie bestehen auf dem Vorrecht einer (Bildungs-)Elite.

Dies muss aber nicht die alleinige Konsequenz entsprechender Kulturdiagnosen bleiben. Der vierte wichtige Grund für die Fortführung kulturkritischer Reden nach dem Zweiten Weltkrieg liegt darin, dass sie unterschiedlichen politischen Positionen zugänglich sind. Auch bildungsbürgerliche Liberale und Kommunitaristen sehen die moderne Bindungslosigkeit mit großer Sorge. Im Rahmen der Totalitarismustheorie befürchten Liberale, dass die aus ständischen und sittlichen Bezügen herausgelösten menschlichen ‚Atome‘ leicht von Führern manipuliert und in der Akklamation für sie auf missliche Art und Weise neu versammelt werden könnten. Zu solchen ‚Führern‘ zählt man nicht nur ‚populistische Demagogen‘ und Sozialideologien, sondern ebenfalls ‚reißerische‘ und schlichte Entertainmentangebote. Ihnen wird dann von den bildungsbürgerlichen Liberalen nicht unbedingt im Namen elitärer Kunst, aber erweiterter Erziehung, öffentlich-rechtlicher Programme, gehobener Unterhaltung und aufklärerischer Kunst abgesagt.

Auch neulinke Intellektuelle bezweifeln, dass es sich bei Meinungen und Vorlieben der Mehrheit um das Ergebnis freier einzelner, sinnvoller Entscheidungen handelt, weil sie ebenso wie die Konservativen von der verderblichen Macht der modernen Medien- und Konsumkultur ausgehen. Wenn es auch bei der Einschätzung von Nationalismus und Autorität, Urbanität und Gemeinschaftssinn keinerlei Übereinstimmungen gibt, treffen sich rechte Kultur- und neulinke Kulturindustriekritik doch zumeist bei der Abwertung moderner Populär- und Popkultur.

Nicht zuletzt wegen solcher Einschätzungen u.a. aus Reihen der Kritischen Theorie konnte die Kulturkritik über die unmittelbare Nachkriegszeit hinaus partiell beachtliche Verbreitung finden. Sie profitierte davon, dass die links-alternative Systemkritik allgemein (die von der zweiten Hälfte der 1960er bis hinein in die 1980er Jahre im geisteswissenschaftlichen und im künstlerischen Bereich hegemoniale Kraft besaß) stärker die ‚Entfremdung der Menschen‘ als die ‚Ausbeutung der Lohnabhängigen‘ ins Visier fasste. Wenn auch von ihr kein Weg zu Nationalismus und Volksgeist oder Elitarismus und abgehobener Bildung führte, konnten doch einige andere wichtige ältere kulturkritische Topoi – die Anklage des Verlusts der Ganzheit, nicht-instrumenteller Handlungen, authentischen Ausdrucks, unangetasteter Lebenswelt, Gemeinschaft, Natürlichkeit, unkommerzieller Kunst – in neulinken Zusammenhängen mehr oder weniger modifiziert überdauern.

Kulturkritische Auffassungen zur Musik

Nach der Inspektion der historisch feststellbaren grundsätzlichen kulturkritischen Positionen sollen nun an einem spezielleren Punkt Dimensionen und Variationen der rechten Kulturkritik aufgezeigt werden: Welche Anschauungen zeichnet jene Kulturkritik, wie sie Stern und Ringer definiert haben, bei der Einschätzung und Bestimmung musikalischer Werke und Handlungen aus?

Einiges kann man leicht prognostizieren und dann auch an vielen geschichtlichen Beispielen kulturkritischer Musikbetrachtung aufzeigen, wenn man sich nur an die bislang benannten und zitierten Attribute hält: Selbstverständlich muss für Kulturkritiker auch die Musik authentisch, gemeinschaftsinnig, unkommerziell usf. sein. Aber im Einzelnen lassen sich noch andere Lösungen und manche Abwandlungen und spezifische Varianten finden. An drei Beispielen sollen Standards und kleine Varianten bzw. zeitspezifische Stoßrichtungen kurz gezeigt werden:

Erstes Beispiel: Das „lebendige Poetische“ erkennt Herder in positivem Sinne 1773 in einem „gemeinen, populären Jägerliede“.[12] Herders „natürliches“ Volk besitzt Lieder, die – ungeachtet anderer wichtiger nationaler Unterschiede – aus einer „sinnlichen, wenn auch einfältigen, aber sichern, kurzen, starken, Rührung- und Inhaltvollen Denkart“ entspringen.[13] „Es ist wohl nicht zu zweifeln“, meint Herder, dass Poesie ursprünglich ganz „Volksartig“ gewesen sei, „d. i. leicht, einfach, aus Gegenständen und in der Sprache der Menge, so wie der reichen und für alle fühlbaren Natur“.[14]

Wie das Volk, so auch seine Lieder; wie die Beurteilung des Volks, so auch die Bewertung seiner Gesänge. Weil Herder das sinnliche, natürliche Volk hoch schätzt, preist er dessen einfache, kräftige Dichtung. Die Natur habe den „unpolicirten Nationen“ einen „Trost“ gegeben, den „schwerlich Menschliche Künsteleien dörften ersetzen können, Freiheitliebe, Liebe des Müßigganges oder des Taumels: und wohin alles gewissermaße zusammenfließt, Gesang.“ In der Hitze der Begeisterung fällt die zivilisierte Gegenwart gegenüber der eingebildeten Vergangenheit stark ab: „Natur hat den Menschen frei, lustig, singend gemacht: Kunst und Zunft machen ihn eingeschlossen, mißtrauisch, stumm.“[15]

Zweites Beispiel: Keine Hoffnungen in das singende und dichtende Volk setzt Werner Sombart 1911 mehr. Unter den Bedingungen der modernen Technik sieht er 1911 die „Wurzeln der alten aus dem Boden gewachsenen Musik verdorrt: das Volkslied ist durch den Gassenhauer verdrängt, der gleichsam mechanisch gemacht wird, wie das Volkslied organisch wuchs.“ In den „untern Sphären“ siedelt Sombart auch die „heutige Operettenerzeugung“ an, eine „klichierte Melodienfabrikation“, die mit „eigentlicher musikalischer Schöpfung wenig mehr zu tun“ habe. Es handele sich generell um eine „flache, internationalisierte und egalisierte Gassenhauermusik“. Besonders bezeichnend dafür sei der Erfolg des amerikanischen „two-step“, der den Walzer auf dem alten Kontinent verdrängt hat, auf „daß Amerika schlechthin auch den Sieg in der Musik davonträgt!“ Die „musikalische Eigenart des „two-step“: Er habe durch seinen „strengen Rhythmus und nur noch Rhythmus den Tanz gleichsam maschinell gemacht“ und verhalte sich „zu jedem Nationaltanz wie die Leitung einer Präzisionsmaschine zu der Leistung eines lebendigen Menschen.“ Entsprechend schildert Sombart jene ‚Menschen‘ in den „Großstädten“ (sind es überhaupt noch Menschen?), die diese Musik hören. Da sie „nervös und überhastet“ seien, verlangten sie „entweder Kitschmusik oder Lärmmusik, die ihre Nerven erschüttert.“[16]

Aber auch in der höheren Sphäre macht sich für Sombart die Wirkung der technisierten Stadt und ihrer unorganischen Kultur stark bemerkbar. In der „Hast und dem Lärm unseres modernen Lebens“, ausgerüstet „mit dem ganzen Apparat“ der modernen Technik, sei ein Mozart oder Beethoven, ein Schubert oder Chopin undenkbar. Sie konnten und könnten nur in einer „klingenden und singenden Welt“, nicht aber in der Großstadt-„Wüste“ gedeihen.[17]

Immerhin stellt Sombart als „segensreiche[n] Einfluss“ der „technischen Fortschritte“ und der „Demokratisierung“ heraus, dass durch „Orchestrion, Phonola, Grammophon“ in der „kleinsten Schnapskneipe“ (nicht länger nur im Konzertsaal) für „billiges Geld die allerbeste Musik“ dargeboten und dadurch zur „Hebung und Veredelung der Massen“ beigetragen werden könne. Das kann aber, muss man als Leser wohl ergänzen, bloß alte Musik sein, wenn sie denn überhaupt darauf abgespielt wird. Denn wie Sombart im gleichen Absatz selbstwidersprüchlich ausführt, entspreche der „Form“ der „Musikmaschine“ der „Two-step“ als „Inhalt“.[18]

Drittes Beispiel: Der Chefredakteur des nationalsozialistischen „Völkischen Beobachter“, Alfred Rosenberg, löst solchen Widerspruch konsequent zur apokalyptischen Seite auf. Er schreibt 1928 in der Zeitschrift „Weltkampf“ unter dem Titel „Der Schicksalskampf der deutschen Kultur“ über die drohende Gefahr der „Vernichtung der rassischen Substanz der deutschen Nation überhaupt“ und zugleich der „Vernichtung aller künstlerischen Ideale“. „Heute“ droht die Gefahr, das hält Rosenberg im nächsten Satz fest, „aus den Tiefen der uns alle verseuchenden Weltstädte“. Aus ihnen steige der „Untermensch“ herauf. „Millionen von Bastarderscheinungen“ seien auf den „Asphalt geworfen, arm an Raum, entnationalisiert, richtungslos, preisgegeben jeglicher schillernden Demagogie“. Diese vielen atomisierten Gestalten werden unter dem Eindruck der urbanen Propaganda zu einer neuen Masse manipulativ zusammengeballt, die ständischer, ‚blutsmäßiger‘, nationaler, organischer Einheit enträt. Als demagogisches Subjekt benennt Rosenberg den „‚wunderlichen Sohn des Chaos‘, der folgerichtigerweise dem gesamten Europäertum heute in seiner Weltpresse Mulatten- und Negerkultur als die höchsten Errungenschaften der Jetztzeit aufzutischen wagt.“[19] Im Artikel „Kultur-Bolschewismus“ führt ein anderer „Weltkampf“-Autor 1931 präziser zu dieser massenhaften Bedrohung durch die sogenannte ‚Negerkultur‘ aus, dass in der Heimat Bachs, Mozarts und Wagners „Hunderttausende sich an Niggersongs begeistern und sich nach kreischenden Jazz-Rhythmen mit freudigster Hingebung zu zappelnden Marionetten machen“.[20]

Kulturkritische Züge in Pop- und Rock-Auffassungen

Vom breiten Strom der Kulturkritik als von Akademikern häufig anerkannte Kritik an der modernen Massengesellschaft und als dominantes Bildungskonzept ist in der deutschen Gegenwart bloß wenig übrig geblieben – vor allem wegen der in den Führungsschichten der Universitäten, großen Unternehmen und staatlichen Verwaltungen politisch beinahe vollständig durchgesetzten Westbindung Deutschlands und wegen der Ausrichtung beträchtlicher Teile künstlerischer und studentischer Kreise an der angloamerikanischen Popkultur seit Mitte der 1960er Jahre. Besonders im Laufe der 1980er Jahre geraten die kulturkritischen Positionen in Teilen jugendkultureller Szenen und in avantgardistischen universitären wie künstlerischen Strömungen zunehmend unter Druck, in den 1990er Jahren verlieren sie schließlich auf breiter Front an Verfechtern. Mit der Durchsetzung postmoderner Haltungen und Vorlieben im Zeichen des Stilisierten, Sekundären, Hybriden fällt nicht nur keineswegs zufällig das Ende der linksalternativen Hegemonie im kulturellen Sektor zusammen, sondern verliert ebenfalls das kulturkritische Argument enorm an Verbreitung.

Man kann Grundzüge der Popaffirmation, seien sie nun lebensweltlich sichtbar oder intellektuell zu Papier gebracht, einfach erfassen, indem man die traditionellen kulturkritischen Positionen mit einem anderen Vorzeichen versieht. Was jene ablehnen, favorisieren diese, was diese mit Freude erfüllt, erschreckt jene. Was Mitte der 1950er Jahre in Reihen der englischen Independent Group und in der ersten Hälfte der 1960er Jahre im Zuge von amerikanischer Pop-Art an ästhetischen Urteilen und zeitdiagnostischen Einschätzungen formuliert und im Laufe der Jahre und Jahrzehnte auch in Deutschland aufgegriffen wurde, stellt als ‚Pop-Theorie‘ oder ‚Pop-Diskurs‘ eine weitgehende Verabschiedung kulturkritischer Topoi und Wertungsgründe dar. Das Künstliche, Internationale, Kreischende, Mechanische, Oberflächliche, Funktionale, Urbane, Überhastete, Reizvolle wird in mancher Ausprägung und Kombination hochgehalten.[21]

Um ein journalistisches, amüsant pointiertes Kurzbeispiel zu geben, das ein Kondensat dieser teils theoretisch anspruchsvollen, überwiegend aber selbstverständlich im Modus des entschiedenen ästhetischen Urteils ausgetragenen Einlassungen wider die Kulturkritik darstellt: Im speziellen Fall aus dem Jahr 1982 geht es um eine Frontstellung wider kulturkritische Anschauungen aus dem Lager der linksalternativen Szene. Die Redaktion der Musikzeitschrift „Sounds“, unter deren Mitarbeitern zu diesem Zeitpunkt Pop-Anhänger und Theoretiker gut vertreten waren, skizziert in einer Antwort auf einen Leserbrief ihr materialistisches, unverantwortliches, hedonistisches, konsumistisches, dennoch vorgeblich nicht unpolitisches Programm:

„Der Kapitalismus herrscht und hat sich all die alternativen Werte zu eigen gemacht. Hippies sitzen in der Regierung und geiler Konsum (du weißt schon: Genuß ohne Reue, z. B.: McDonalds, Haircut 100, Walkmen etc.) ist z. Z. längst von den Herrschenden verpönt worden. Der Bundespräsident trägt längst eine ‚Jute statt Plastik‘-Tüte. Wir setzen dagegen mehr auf das Kämpfen im Kleinen, auf Erschütterungen der immer gleichen Leitideen, die dir von allen Vertretern der Herrschaft vorgeleiert werden. Dazu gehört auch, daß wir all die kleinen Teenie-Obsessionen fördern und ausleben, die wir damals wie heute haben und die wir uns nicht von rigider alternativer Moral zerstören lassen wollen, aber auch unsere ernsthafteren Erwachsenen-Obsessionen kommen nicht zu kurz. Trotzdem bleiben wir aufrechte Bolschewiken, bzw. Salonmenschewiken, je nachdem, nur in modernisierter Version“.[22]

Folgerichtig werden in den Artikeln und LP-Rezensionen dieser Ausgabe (September 1982) alle Einträge genutzt, die dem Kulturkritiker Schmerzen bereiten. Gelobt wird „überdrehte Tanzmusik“ „Legoland-Elektronik“ „cleverster Pop“, die „glitzernde, ungebremste Realisierung von Kino-Träumen auf Schallplatten, ohne an Streichern und Styling zu sparen“,[23] „relaxter, hübscher Soft-Disco-Stoff“[24], „kühne, moderne Tanzmusik“,[25] „Trash-Beat“,[26] „dumpfer, narkotischer, mit Psychedelia angereicherter New-York-Heavy-Metal“,[27] „zynisch-alberne[] Kinderliedeinlage“,[28] „unterhaltsame Funk/City-Musik“,[29] „garagig, mit leichtem Blues-Touch“.[30]

Rock-Freunde, seien es nun Musiker, Kritiker, Fans, zollen ihr Lob hingegen vorzugsweise unkommerzielleren Gegenständen, den besonders intensiven Augenblicken, den großen Gemeinschaftserlebnissen, den ihrer Ansicht nach kreativen, künstlerisch wertvollen Werken. Dem Glatten, Harmlosen, Funktionalen, Tanzbaren, leicht Konsumierbaren, Narzisstischen, Künstlichen, Konventionellen – dem, was sie negativ als ‚Pop‘ einstufen – sagen sie im Umkehrschluss ab. Derart munitioniert, fällt es ihnen leicht, von den Kunstwerken und ihrem Publikum eine Brücke zu Politik und Kultur zu schlagen: Auch die soll empathisch, gemeinschaftsinnig, aufrichtig, unegoistisch, übergreifend, engagiert, visionär, kreativ, unbequem sein. Neben ‚Rock‘ stehen Begriffe wie ‚Underground‘, ‚Alternative‘, ‚Independent‘, ‚Singer-Songwriter‘ dafür ein. Pop wird darüber mitunter zum Schimpfwort.[31]

Ohne jeden Zweifel steht darum nach 60 Jahren Rock- und Popgeschichte fest: Engagement gegen das Bequeme und Materialistische muss nicht nur unter klarem rechten Vorzeichen stattfinden. Auf Nation und Führer, Krieg und Volksgemeinschaft haben die linken und alternativen Rockfreunde nun wirklich nicht gesetzt. Das verlieh ihrer Position große Überzeugungskraft, ließ es doch weitgehend vergessen, in welch starkem Maße ihre kulturellen Ideen mit reaktionären Überzeugungen verträglich waren.

Es gibt diese teilweisen Überschneidungen aber. Erstens bestehen sie in der Kritik an Versuchen, das Privatleben als Ausgleich, Ruhezone, Schutz- und Freizeitbereich zu etablieren. Wenn Pop als angenehme, reizvolle, bunte, ablenkende, funktionale, harmlose, amüsante, modische, raffinierte oder verspielte Unterhaltung daherkommt oder aufgefasst wird, sind Rockanhänger (und auch Pop-Linke) oftmals ähnlich alarmiert wie ein Werner Sombart angesichts englischer Hobbys. Aber auch die intensiven Ereignisse der Popgeschichte können nicht auf ihre Sympathie stoßen, falls sie auf die Freizeit beschränkt bleiben und keine Auswirkungen über das Privatleben hinaus besitzen – falls sich der T-Shirt-Träger mit den satanistischen Symbolen oder dem Guevara-Emblem als gemütlicher Bierchentrinker entpuppt oder der Dauertänzer am Morgen doch zur Arbeits- oder Ausbildungsstätte zurückkehrt und sich dort funktional einpasst.

Ein einprägsamer Beweis für den Zusammenhang von althergebrachter und ‚rockiger‘ Kulturkritik: Kulturrevolutionär gesinnte rechte Ästheten können mitunter selbst Musikstilen, die sie sicher nicht gerne hören (und die ein Sombart natürlich ganz unerträglich gefunden hätte), etwas abgewinnen, wenn sie nur über die Wohnzimmer, Clubs, Diskotheken hinausdringen. Ein gutes Beispiel dafür sind Karl Heinz Bohrers Kommentare zur Punk-Bewegung: Bohrer adelt 1978 den „Haß“ der Punks als eine „Emotion“, die „mehr Lebendigkeit und Kreativität besitzt als jener emotionslose, friedfertige Stumpfsinn, den man einer Freizeitgesellschaft ohne Utopie predigt“.[32]

Die zweite, noch wichtigere, weil häufiger anzutreffende Überschneidung besteht in der vehementen Kritik an der Kommerzialisierung. Ist die Kritik am Freizeitspaß im Namen von Ekstase, allseitig revolutionierten Verhältnissen, entgrenztem Spiel das Vorrecht von avantgardistischen Künstlern, situationistischen, poststrukturalistischen oder marcusianischen Theoretikern, findet sich die Kommerzkritik auch in der Amazon-Kundenrezension breit vertreten. Nicht jede dieser Varianten kann mit der traditionellen rechten Kulturkritik kurzgeschlossen werden, wohl aber jene, die mit der Auflösung angeblich organisch gewachsener Gemeinschaften kritisch ins Gericht geht. Ohne die kapitalistische Vermarktung, ohne die Kommerzialisierung wäre die lokale oder regionale Szene intakt geblieben, ihre Musik authentischer und damit reiner, besser, weniger schematisch, glatt, beliebig, so geht der vielfach erhobene Vorwurf.

Damit keine Missverständnisse entstehen, soll aber wiederholt werden: Es gibt einen bedeutsamen Unterschied zwischen dieser Variante der Kulturkritik und ihrer rechten Tradition: Auf die Höhe von Nation, Rasse, Kulturkrieg schwingt sie sich im Pop- und Rockbereich nur selten. Dies ist kein Unterschied ums Ganze, aber ein lebenswichtiger. Dennoch bleibt festzuhalten, dass an die antikommerziellen, vitalistischen, gemeinschaftsverbundenen, ‚männlich-natürlich unzivilisierten‘ Positionen von Rock-Auffassungen selbst neofaschistische Szenen anschließen konnten, von den englischen Skinheads bis zum deutschen Rechtsrock gibt es bereits in den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts einige Beispiele dafür.

Kulturkritik und aktuelle rechte Strömungen

Wie steht es jedoch mit neurechten Bewegungen und Organisationen, deren Reichweite seit einigen Jahren die der Jugendszenen und der mit ihnen mehr oder minder lose verbundenen Kleingruppen und -parteien beachtlich übersteigt? Spielt die Aversion gegen die angloamerikanische Popkultur und andere (post)moderne Erscheinungsformen der ‚westlichen Zivilisation‘ bei ihnen eine wichtige Rolle? Und grundsätzlich gefragt: In welchem Maße und in welchen Teilen übernehmen sie die Anschauungen der Kulturkritik?

Auf die letzte Frage fällt die Antwort leicht: für Gemeinschaft, Nationalkultur, männliche Stärke, ‚natürliches‘, ‚unverbildetes‘ Gebaren und Reden treten sie alle nach wie vor ein, insofern sind die neuen auch die alten Rechten, in Deutschland wie international. Auch die scharfe Kritik an ‚Fernstenliebe‘ und ‚Gutmenschentum‘ steht in der Linie der Kritik an der (sozial)demokratischen Zivilisation. Diese kulturkritische Auffassung richtet sich traditionell gegen großangelegte staatlich-politische Plansteuerungen und pädagogische Reformmaßnahmen, die auf der Überzeugung von der Erziehbarkeit und der wandelbaren ‚(Un)Natur‘ der Menschen beruhen (und nicht annehmen, eine feste kulturelle Prägung oder das Sündhafte, Böse des Menschen machten solch einen ‚Humanitarismus‘ unmöglich bzw. führten zu ganz misslichen Ergebnissen).

‚Neu‘ sind die neuen Rechten darum nur im Hinblick auf ihre Haltung zur ‚westlichen Zivilisation‘ und speziell zur Popkultur zu nennen. Hier treten tatsächlich Unterschiede zur älteren rechten Kulturkritik hervor. Bei den neuen Rechten spielt die Kritik an US-amerikanischem Materialismus und Kommerzialismus, an den ‚entseelten‘ Produkten der Massengesellschaft, an bloßer Unterhaltung, an bequemen Hobbys, an den nicht ‚organisch gewachsenen‘, sondern hochgradig künstlichen, moralisch verderblichen, die Familie ‚zersetzenden‘ Erzeugnissen der Popkultur momentan keine tragende Rolle.

Diese Antwort auf die vorhergehende Frage muss allerdings sehr differenziert erfolgen, besonders was die Gründe für diese Haltung erfolgreicher neuer Rechter anbelangt. Erstens haben diese Unterschiede etwas mit den verschiedenen Orten zu tun, an denen die Parteien und einflussreichen Organisationen der neuen Rechten heutzutage ihre Erfolge feiern, so unterschiedlichen Orten wie Dover, Texas, Sachsen, Berlin, Elsass, Nizza:

Auch die französischen Anhänger des Front National berufen sich selbstverständlich auf ihre Nation, hier auf eine „l’identité nationale“, die nun einmal üblicherweise durch nicht-national eingehegte Prinzipien (Freiheit, Gleichheit, Rationalität, Meritokratie, Laizismus) definiert wird. Es ist also für den Front National schwer bis unmöglich, so wie etwa deutsche Rechte der Zivilisation weitgehend abzusagen (zur Präsidentschaftswahl 2017 erklärt Marine Le Pen ihre Wahl ganz im Gegenteil programmatisch zur „choix de civilisation“; in den 144 Punkten ihres Wahlaufrufs [„Les 144 engagements présidentiels“] wird über das allgemeine Bekenntnis zu „les valeurs et les traditions de la civilisation française“ [Punkt 91] kein spezifisches Kulturprogramm sichtbar, vielsagend bloß: „Renforcer l’unité de la nation par la promotion du roman national et le refus des repentances d’État qui divisent“ [Punkt 97]).

Gegenwärtig sind in Frankreich kaum bedeutende Versuche erkennbar, den neurechten ‚Mangel‘ an Zivilisationskritik durch eine scharfe Absage an die angloamerikanische Popkultur zu kompensieren (Jean-Marie Le Pen spricht sich im September 2014 noch für den „chanson populaire française“ und gegen „les attaques barbares que sont le rap et autres manifestations délirantes“ aus, Marion Maréchal-Le Pen hingegen bekennt im Juni 2015 „Je vais peut-être vous surprendre mais j’écoute du rap aussi“, vor Wahlkampfauftritten der Parteichefin Marine Le Pen wird 2017 freilich Ravels „Bolero“ eingespielt); schwerer wiegt für die Partei insgesamt die Abneigung gegen die ‚hochsubventionierte‘ linksliberale Künstlerschaft.

Bei den englischen Brexit-Anhängern wiederum bleibt die Last oder Zierde jenes Traditionsverständnisses bestehen, das Materialismus und Free Trade durchaus nicht in Bausch und Bogen als ‚unenglisch‘ abzuqualifizieren erlaubt. In offiziellen Dokumenten der Brexit-Partei Ukip bleibt unterbestimmt, was genau „British culture“ bzw. „majority culture“ positiv ausmache, genau erklärt wird nur, was sie nicht ist: der mangelnde „patriotism“ der „liberal metropolitan elite“ und vor allem die „cultures“ der „different ethnic and religious groups“ („Ukip 2015 Manifesto“, S. 61).

Speziell die Popkultur drängt sich für sie als Gegner wohl deshalb nicht auf, weil Großbritannien eines der Mutterländer des Pop ist, und es auch keine größeren (schon gar nicht erfolgreiche) Bestrebungen ‚Brüsseler Bürokraten‘ gibt, daran etwas zu ändern. Auch im Zuge der mannigfachen Bestrebungen, gegen „multiculturalism“ vorzugehen, tritt die mögliche Auffassung, Popkultur sei doch Ausdruck und Motor solch einer Absage an die „British culture“ (gerade an den „way of life“ der „forefathers“), zumindest bei offiziellen Reden nicht in den Vordergrund (Ukip-Parteichef Henry Bolton, 30.9.2017).

Für Vertreter der Tea Party und neuere Anhänger Trumps gilt das in ähnlicher Weise. Western, Gangsterfilm, Billboards, TV-Serien, Rock ʼnʼ Roll etc. zählen auch für sie zur amerikanischen Kultur, nicht nur Country Music. Hollywood wird nicht grundsätzlich wegen der Machart der Genrefilme abgelehnt, sondern bloß wegen spezifischer, liberaler Inhalte, die einige dieser Filme mitunter momentan ‚transportieren‘.

Dies erklärt wohl auch, weshalb es unter wichtigen, viel rezipierten Sprechern der neuen Rechten Amerikas zwar zumindest einige Versuche gibt, die neuere Popkultur in größerem Rahmen zu diskreditieren (und nicht nur, weil ihre Stars überwiegend für Hillary Clinton eintraten), sie sich letztlich aber doch nicht zu einer kulturkritischen Generalabrechnung aufschwingen. Paul Joseph Watson z.B. schmäht die zeitgenössische „popular culture“ als „plastic, empty, meaningless, grotesque“ – kommt also der alten Kulturkritik auffallend nahe –, am Ende bleibt er aber doch als ‚Rockist‘, der auf ‚Authentizität‘ und eine ‚echte Gegenkultur‘ schwört, der modernen „popular culture“ stark verbunden (dazu ausführlich der Beitrag von Annekathrin Kohout auf dieser Seite).

Für Deutschland gelten freilich all diese Gründe bekanntlich nicht. Hier läge es darum sehr nahe, die Aversion gegen die liberale, kosmopolitisch ausgerichtete Zivilisation mit einem Lob deutscher Kultur zu bekräftigen, die sich wieder viel stärker auf ihre ‚volksmäßigen Wurzeln‘ besinnen und der Popkultur der ‚Mainstream-Medien‘ absagen müsse. Dennoch findet man das im Programm der AfD nicht. Im Wahlprogramm der AfD zur Bundestagswahl 2017 steht zwar das Bekenntnis zur „deutschen Leitkultur“ (S. 47): „Diese fußt auf den Werten des Christentums, der Antike, des Humanismus und der Aufklärung. Sie umfasst neben der deutschen Sprache auch unsere Bräuche und Traditionen, Geistes- und Kulturgeschichte. Unser liberaler Rechtsstaat, unsere Wertschätzung von Bildung, Kunst und Wissenschaft und der sozialen Marktwirtschaft als Ausdruck menschlicher Kreativität und Schaffenskraft sind damit engstens verbunden.“ (Ebd.)

Die damit verbundene Gegnerschaft zur „Ideologie des ‚Multikulturalismus‘“ schließt aber z.B. nicht ausdrücklich die Gegnerschaft zur afroamerikanisch geprägten Jazz- und Popmusik oder zu anderen US-amerikanischen Showformaten ein. Zum Schutz der deutschen Kultur und der „deutsche[n] kulturelle[n] Identität“ wird aus einem anderen Grund aufgerufen: „Der in Europa bereits stattfindende Kulturkampf zwischen Abendland und dem Islam als Heilslehre und Träger von nicht integrierbaren kulturellen Traditionen und Rechtsgeboten kann nur abgewendet werden durch ein Bündel von defensiven und restriktiven Maßnahmen, die eine weitere Zerstörung der europäischen Werte des Zusammenlebens aufgeklärter Bürger verhindern“ (ebd.; zur Stellung des AfD-Programms unter den anderen Wahlprogrammen der populären deutschen Parteien siehe den Artikel auf dieser Seite).

Das ist also der zweite wichtige Grund für das Zurücktreten der Kritik an Kommerzialismus, ‚unheldischer‘ Freizeit und ‚seelenloser‘ Massenkultur: die neurechte Konzentration auf den ‚bedrohlichen Islam‘ und seine Lebensformen. Und da bekanntermaßen die Erzeugnisse der britischen und US-amerikanischen Kulturindustrie von vielen Koran-Schulen nicht hoch in ihren Kanon-Rängen platziert werden, lässt sich implizit aus der vehementen Gegnerschaft der neuen Rechten zu Formen und Strömungen des Islams sogar eine gewisse Nähe zu jenen Praktiken und Werken theoretisch ableiten, die von den älteren Rechten kulturkritisch geschmäht worden sind.

Tatsächlich führt das Prinzip ‚Der Feind meines Feindes ist mein Freund‘ aber bei der AfD nicht zu einer durchgehenden, prinzipiellen Revision der Kulturkritik. Zu „unsere[n] Bräuchen und Traditionen“ zählt die angloamerikanische Popkultur offenbar immer noch nicht, zumindest liest man nichts Entsprechendes im Wahlprogramm; auch folgt aus der Absage an ‚Multikulti‘ keineswegs ein Lob eines (anzustrebenden) unifizierenden, totalen ‚US-Kulturimperialismus‘.

Hier waltet auch kein Realitätsprinzip mehr, die vorgetragene Sorge vor einem angeblich bereits „stattfindenden“, offenbar sogar schon sehr verlustreichen „Kulturkampf“ mit „dem Islam als Heilslehre“ lässt den längst weitgehend verlorenen ‚Kulturkampf‘ gegen die amerikanischen und britischen Massen- und Pop-Produkte bei den neuen Rechten in den Hintergrund treten. Es gibt zwar immer wieder Versuche, die alte Kulturkritik im Sinne der Massen- und Popkulturkritik ins Zentrum zu rücken (im Wahlprogramm der sächsischen AfD vom 2.3.2014 wird z.B. eindringlich davor gewarnt, „den formatierten und hochmanipulativen Produkten von Privatradio, Musikindustrie oder serieller Seichtbelletristik auf den Leim zu gehen“ [S. 23]), diese Ansätze haben aber innerhalb der Partei noch keine große Kraft entfalten können. Selbst die für viele in der Partei wichtigen Hinwendungen zum russischen Autoritarismus, selbst die Versuche, gegen die Sichtbarkeit queerer Szenen erneut stark anzugehen, haben noch nicht zu einem Wiedererstarken solcher Anti-Pop-Kulturkritik geführt.

Die neue Fassung rechter Kulturkritik besteht demnach darin, sich zwar weiterhin gegen ‚westlich-zivilisatorischen‘ Liberalismus und Kosmopolitismus zu richten, sich aber trotz der Begeisterung für ‚nationale Gemeinschaft und Kultur‘ nicht länger frontal gegen eine ‚mechanische‘, ‚künstliche‘, ‚unmoralische‘, ‚heimatlose‘ Massen- oder Popkultur zu wenden, die vor allem US-amerikanischen und international-jüdischen Akteuren zugeschrieben würde.

Diese neue Fassung rechter Kulturkritik hat mit für etwas Paradoxes gesorgt: für eine Internationale der rechten Nationalisten. Die auch unter vielen Rechten lange gewohnte Frontstellung Deutschland vs. USA, England vs. Deutschland, etc. verliert durch diese Neufassung beträchtlich an Schärfe. Zur Trennung führen unterschiedliche Kulturauffassungen, die bei den Rechten zwangsläufig national bestimmt sind (abgesehen von jenen Konservativen, die sich stärker regional als national ausrichten), momentan also ungewöhnlicherweise nicht; geeint ist man durch die Gegnerschaft zum Islam und zu den verbleibenden liberalen Führungsschichten, vereint vor allem durch die imaginierte Größe der ‚islamischen Gefahr‘.

Bei weiteren Erfolgen der neuen Rechten in unterschiedlichen Ländern dürfte die jeweilige nationalkulturelle Ausrichtung aber höchstwahrscheinlich wieder stärker betont werden, womit die alten Frontstellungen ebenfalls wieder an Wucht gewinnen würden – und damit auch die Tradition der Kulturkritik in Deutschland wieder zur Gänze Bedeutung. Diese Prognose erscheint nach den geschichtlichen Erfahrungen plausibler als die Vorstellung von einer zukünftigen transnationalen Rechten, die sich auf eine von afroamerikanischen, jamaikanischen u.a. Traditionen gereinigte, internationale Pop- oder Massenkultur einigen könnte.

 

Anmerkungen

[1] Bollenbeck 2007, 7.

[2] Eagleton 2000, 11.

[3] Stern 1963, 1, 2, 3, 8.

[4] Ringer 1983, 172f., 231, 236.

[5] Langbehn [1890] 1922, 376, 365.

[6] Sombart 1915, 15, 19f., 108, 100, 50, 67.

[7] Mann 1990, 587.

[8] Ebd., 267.

[9] Ebd., 248f.

[10] Ebd., 13.

[11] Vgl. Schildt 1995.

[12] Herder 1993, S. 478.

[13] Herder 1990a, S. 24.

[14] Herder 1990b, S. 230.

[15] Herder 1990a, S. 60.

[16] Sombart 1911, 343f.

[17] Ebd., 343.

[18] Ebd., 347.

[19] Alfred Rosenberg, Der Schicksalskampf der deutschen Kultur, in: Der Weltkampf V, 1928, zit. n. John 1994, 203.

[20] Hans Hauptmann, Kultur-Bolschewismus, in: Der Weltkampf VIII, 1931, zit. n. John 1994, 284.

[21] Vgl. Hecken 2009.

[22] Red. 1982, S. 4.

[23] Anonymus 1982, S. 9.

[24] Diederichsen 1982a, S. 10.

[25] Kid P. 1982, S. 37.

[26] H. in Hülsen 1982, S. 56.

[27] Diederichsen 1982b, S. 57.

[28] Keller 1982, S. 60.

[29] D.D. 1982, S. 66.

[30] Weiss 1982, S. 62.

[31] Vgl. Hecken 2009.

[32] Bohrer 1978, S. 25.

 

Literatur

Anonymus: Compact Organisation. In: Sounds. H. 9 (1982), S. 9.

Bohrer, Karl Heinz: Haß als Zeitbombe in einer Gesellschaft ohne Liebe. In: FAZ (13.04.1978), S. 25.

Bollenbeck, Georg: Eine Geschichte der Kulturkritik. Von J.J. Rousseau bis G. Anders. München 2007.

D.D. [= Diedrich Diederichsen]: [Rez. zu:] Unknown Gender: „Live in Oldenburg“. In: Sounds. H. 9 (1982), S. 66.

Diederichsen, Diedrich: Singles. In: Sounds. H. 9 (1982a), S. 10.

Diederichsen, Diedrich: [Rez. zu:] The Lords Of The New Church: Dto. In: Sounds. H. 9 (1982b), S. 57.

H. in Hülsen: [Rez. zu:] 39 Clocks: „Subnarcotic“.In: Sounds. H. 9 (1982), S. 56.

Hecken, Thomas: Pop. Geschichte eines Konzepts 1955-2009. Bielefeld 2009.

Herder, Johann Gottfried: Alte Volkslieder. [1773/74] In: Ders.: Werke. Bd. 3. Hg. von Ulrich Gaier. Frankfurt/M. 1990a, S. 9-68.

Herder, Johann Gottfried: Auszug aus einem Briefwechsel über Ossian und die Lieder alter Völker. [1773] In: Werke. Bd. 2. Hg. von Gunter E. Grimm. Frankfurt am Main 1993, S. 447-497.

Herder, Johann Gottfried: Volkslieder. Nebst untermischten andern Stücken. Zweiter Teil. [1779] In: Ders.: Werke. Bd. 3. Hg. von Ulrich Gaier. Frankfurt am Main 1990b, S. 229-430.

John, Eckhard: Musikbolschewismus. Die Politisierung der Musik in Deutschland 1918-1938. Stuttgart und Weimar 1994.

Keller, Hans: [LP-Sammelbesprechung]. In: Sounds. H. 9 (1982), S. 60.

Kid P.: Das kleine ABC des Lebens, Teil 1. In: Sounds. H. 9 (1982), S. 36-39.

Langbehn, Julius [als Vf. wird auf dem Titelblatt angegeben: „Von einem Deutschen“]: Rembrandt als Erzieher. [1890] autorisierte Neuausgabe, Leipzig 1922.

Mann, Thomas: Betrachtungen eines Unpolitischen. [1918] In: Ders.: Gesammelte Werke in dreizehn Bänden. Bd. 12. Frankfurt am Main 1990, S. 7-589.

Red.: [Antwort auf einen Leserbrief]. In: Sounds. H. 9 (1982), S. 4.

Ringer, Fritz K.: Die Gelehrten. Der Niedergang der deutschen Mandarine 1890-1933. Stuttgart 1983.

Schildt, Axel: Moderne Zeiten. Freizeit, Massenmedien und „Zeitgeist“ in der Bundesrepublik der 50er Jahre. Hamburg 1995.

Sombart, Werner: Händler und Helden. Patriotische Besinnungen. München und Leipzig 1915.

Sombart, Werner: Technik und Kultur. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 23 (1911), S. 305-347.

Stern, Fritz: Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland. Bern u.a. 1963.

Weiss, Betty: [LP-Sammelbesprechung]. In: Sounds. H. 9 (1982), S. 62.

 

[Teile dieses Beitrags gehen zurück auf folgende Buchpublikation: Thomas Hecken, Kulturkritik und Pop-Auffassungen. Definitionen und historische Ausprägungen der Kulturkritik, in: Fernand Hörner (Hg.): »Kulturkritik und das Populäre in der Musik«, Münster und New York 2016, S. 17-32.]

 

 

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