Aug 242013
 

[zwei Aufsätze, beide erschienen in: Philip Stratmann/Dennis Rebmann, „Mit Schmackes! Punk im Ruhrgebiet“, Verlag Henselowsky + Boschmann, Bottrop 2013]


Jugendgefährdende Kassierer? Ich bitte Sie!

Die Geschichte spielt in einer Zeit, als Bonn noch der Regierungssitz Deutschlands war. Es muss wohl 1995 oder 96 gewesen sein, ganz genau kann ich es gar nicht mehr sagen, da fragte mich eine Studentin, ob ich den Kassierern bei einem Verwaltungsakt behilflich sein wollte. Hm, was hatte ich damit zu tun? Gerade hatte ich mein allererstes Seminar an der Ruhr-Universität Bochum abgehalten, Titel der Veranstaltung: „Literatur und Recht“. Ein merkwürdiger Moment. Am Tag davor war man noch als unbedarfter Student durch die Betongänge der Uni gelaufen – auf einmal stand man selber vorn am Pult als Dozent. Ich fühlte mich wie eine Art Betrüger. Aber hatten nicht auch Leute, die nie einen Anatomiekurs von innen gesehen hatten, erfolgreich als Oberarzt fungiert? Wenn man nur sagt, dass man es ist und irgendeinen Zettel (damals gab es noch Vorlesungsverzeichnisse) präsentiert, glauben einem die Leute ja so ziemlich alles.

Mir ging es nicht anders, kein Protest regte sich, als ich so tat, von dem Ahnung zu haben, was ich dort im Seminarraum vor einer einschüchternden Zahl an Leuten erzählte. Dann sprach mich irgendwann nach Abschluss des Seminars diese Teilnehmerin an, sie sei die Freundin des Gitarristen der Kassierer, ob ich mit der Gruppe nach Bonn fahren könnte, zur Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften – die CD der Kassierer „Habe Brille“ sollte auf den Index gesetzt werden.

Nicht schlecht, gerade noch Student, dann Hobby-Dozent, und jetzt schon Experte vor deutschen Gremien? Andererseits, wer sind diese Kassierer? Genaues wusste ich nicht, eine Platte von ihnen hatte ich nie gehört, bloß ein paar Anekdoten. Ich ließ mir also die CD zusenden, um dann sofort zuzusagen: Da konnte man ruhigen Gewissens seinen guten Namen für hergeben.

Denn darum geht es ja: Um den Beweis, dass irgendein Uni-Mensch seine Reputation (bei mir damals nicht viel: ein Doktortitel sowie ein unbezahlter Lehrauftrag als Germanist) für irgendein widerliches Zeug aufs Spiel setzt. Wie ich später erfuhr, hatten es die Kassierer vorher sogar bei richtigen Professoren, bekannten Namen der Sozialpädagogik aus Jugendfernsehen und Reformschule versucht, die sie aus ihrem Studium oder sonstwo her kannten. Verlorene Illusionen – blieb also nur ich übrig.

Auf der Fahrt nach Bonn sah ich die vier Kassierer zum ersten Mal. Treffpunkt war eine Wohnung in Bochum-Mitte. Erinnere ich mich richtig oder spielt mir die Fantasie einen Streich?: Ein Zimmer der Wohnung war bis auf einen Haufen über den ganzen Boden verstreuter Bierflaschen leer. Ob wahr oder falsch, die Impression ist ein guter Beleg für die Unsicherheit, die ich vor dem Treffen verspürte. Mit wem sitze ich da auf der lieben langen Reise nach Bonn in einem Auto zusammen? Verachten mich die Punks nicht in Wahrheit, benutzen mich nur, weil sie nun einmal aus wirtschaftlichen Gründen nicht indiziert werden wollen (immerhin bedeutet Indizierung nicht nur ewigen subkulturellen Ruhm, sondern auch Werbeverbot, Verbannung aus öffentlichen Plattenläden), und werden mir gehörig zu spüren geben, dass sie eigentlich mit mir nichts zu tun haben wollten, nur vom Staat zu solcher Bekanntschaft gezwungen?

Nun, die Sorgen waren umsonst, die Kassierer, ich kann es nicht anders sagen, hoffentlich nicht allzu rufschädigend: nette Leute, teilweise sogar mit respektablen Berufen, einer Jazzgitarrist, einer Diplom-Psychologe. Merkwürdig nur, dass auf der überschaubaren Strecke von Bochum über Wattenscheid nach Bonn oft an Tankstellen gehalten wurde. Es war früh am Morgen, ungewohnt für die Kassierer, wurde ständig Bier gekauft oder Tabletten eingenommen? Auch das verschwimmt im Rückblick…

Ganz sicher weiß ich aber, dass ich jetzt bester Dinge war. Insgeheim hoffte ich auf eine Indizierung der Platte, sah mich schon vor Verwaltungsgerichten als Gutachter aufgerufen, die Gründe des Verbots anzugehen – am Ende dann vorm Bundesverfassungsgericht. Deshalb war ich recht enttäuscht, als in Bonn tatsächlich noch ein professioneller Rechtsanwalt zu uns stieß. Die Kassierer und ihre Plattenfirma nahmen die Sache unerfreulich ernst. Die Sitzung war denn auch schnell vorbei, rasche Indizierung und Fahrt nach Karlsruhe zu den roten Roben erst einmal abgehakt: Angesichts der geballten Präsenz von Recht und Wissenschaft vertagte sich die Bundesprüfstelle, wollte ein eigenes (oder sagt man korrekter: ein weiteres) Gutachten einholen, nachdem ich einige Stellen aus meinem unangekündigten Kurzgutachten vorgetragen hatte.

Über ein Jahr später wieder in Bonn. So lang hat es bis zum zweiten Termin gebraucht. Endlich geht es zur Sache. Jetzt mit anderem Rechtsanwalt, nicht mehr der Musikbranchen-Anwalt mit eigentümlich buntem Versace-Sakko, sondern ein gutartiger Vertreter aus Bochum, der die Kassierer als nette Buben ausgibt. Nerven muss man haben, wenn man Platten verkaufen möchte! Aber die Kassierer erdulden alles still. Spaß macht natürlich, dass die Vertreter der Bundesprüfstelle, neben den Beamten die Repräsentanten unseres pluralen Gemeinwesens aus den Kirchen, Künstlerverbänden etc., bestimmt zehn, zwölf Leute, sich die komplette CD mit uns schweigend anhören müssen.

Danach mein Vortrag, mit einigen Pointen aus dem diesmal vorab geschickten, auf 15 Seiten aufgeblähten Gutachten. Hier die Highlights im Originalwortlaut: Zunächst zu einzelnen Stücken von „Habe Brille“:

„– bei einem drastischen Text wie etwa dem zum Song ‚Frauenarzt‘, in dem besagter Arzt als ‚Fotzenfan‘ firmiert, heißt es im abschließenden Refrain dann auf einmal deutlich, um alle phallischen Identifikationen abzuschneiden: ‚Ich bin Urologe, weil ich Pimmelfan bin‘. Die mögliche heterosexuelle, männliche Begeisterung über den allmächtigen Arzt ist dadurch jäh beendet – und als wenn das noch nicht reichen würde, spricht eine Frauenstimme den guten Rat aus: ‚Gehen sie als Frau nicht zu einem Frauenarzt, gehen sie zu einer Frauenärztin‘;

– in ‚Ich bin Jesus und kann alles‘ wird die Allmachtsphantasie durch die Parodie neutestamentlicher Berichte zugleich gebrochen und zum Ausgang einer Religionskritik genommen;

– in einer gewalttätigen Version der Allmachtsphantasie, ‚Ich töte meinen Nachbarn und verprügel seine Leiche‘, endet der Refrain mit der merkwürdigen Phrase – nachdem gerade davon die Rede gewesen ist, daß dem Opfer des grausam umgesetzten Wutausbruchs der Bauch aufgeschlitzt werde –: ‚und dann gucken wir da alle rein‘, was in seiner kindlich-naiven Sprache den Exzeß eben nicht verharmlost, sondern als grobes, vielleicht dümmliches, jedenfalls pubertäres Aufbegehren gegen den ‚spießigen‘ Nachbarn ausweist;

– neben diesen Liedern stehen außerdem solche, die von einer gelassenen oder melancholischen Todesgewißheit zeugen (‚So leb dein Leben‘, ‚Mit ‘nem Zeppelin durchs Jenseits‘, ‚Überall blühen Rosen‘),

– daneben wieder wird auf eine anachronistisch anmutende Art und Weise ein derber, an die Sprache mittelalterlicher Schwänke und Fazetien angelehnter skatologischer Humor gepflegt (‚Frau Bayersdorf‘).“

Kein Problem also, die Kassierer in Kunsttraditionen zu stellen, die mit „Da“ anfangen und mit „da“ aufhören. Zusammenfassung und Schlussfolgerung des Gutachtens (zu harmlosen Schuljungen, die verwirrt-derbe Streiche begehen, wollte ich die Kassierer auf keinen Fall herabwürdigen):

„Eines soll nicht bestritten werden (sonst verlöre man sich in einer tendenziell heuchlerischen Debatte der Art, man könne gar nie Reaktionen feststellen, Kunst entfalte sich im Medium interesselosen Wohlgefallens etc.): daß ein entsprechendes Produkt Wirkungen etwelcher Art haben kann, daß ein bereits subkulturell einschlägig sozialisierter (Fun-)Punk-Anhänger sich in seiner wahlweise düsteren oder hier wohl eher hysterisch-zynisch fröhlichen (manchmal verzweifelten) Weltsicht bestätigt fühlen und darob im Sinne von Elternhaus und Schule schwerer erziehbar sein wird, zu dieser Diagnose kann man sich abseits aller Problematisierungen psychologischer Wirkungsforschung wohl zweifelsfrei leicht verständigen. Von einem Ideal leichter Erziehbarkeit ist allerdings in den einschlägigen Curricula auch keine Rede. Inwiefern sich die oben gestellte Diagnose ‚abweichende Weltsicht‘ und ‚schwere Erziehbarkeit‘ mit dem hier, vor der Bundesprüfstelle, entscheidenden Begriff der ‚sozialethischen Desorientierung‘ deckt, soll denn auch tatsächlich Aufgabe der dafür zuständigen Stelle bleiben und nicht in Form einer so oder so pointierten Empfehlung in den Sprachschatz dieses Gutachtens eingehen.“

Es reichte eh schon, die Kunsteigenschaft herausgestellt zu haben, die Bundesprüfstelle muss dann schauen, ob die vermutete Jugendgefährdung schwerer wiegt. In unserem Fall fiel die Abwägung wohl leicht – leider. Kein Gang vor Verwaltungsgerichte, keine weiteren Reden meinerseits, das blöde Ding konnte einfach weiter verhökert werden. Und noch schlimmer: Auf keinen Text von mir bin ich so oft angesprochen und angeschrieben worden wie auf dieses unpublizierte Gutachten, da konnte ich in den Jahren danach noch so viele Aufsätze und Bücher veröffentlichen. Ungerechte Welt, in der es nur Punk-, aber keine Wissenschaftsfans gibt. Nachträglich bin ich doch für ein Verbot der Kassierer.

 

Blick zurück von außen – „Scumfuck“

Habe ich alle Platten von Buzzcocks, Ramones, Black Flag, Crass, Germs gehört? Sicher. Habe ich T-Shirts mit Sicherheitsklammern befestigt oder verziert, in einem besetzten Haus gelebt, einen Irokesenschnitt getragen? Im Leben nicht. Oder waren mir – andere Subszene – T-Shirts, Biertrinken, Livekonzerte, Männerfreundschaften und ehrlicher Punkrock das Größte? Wohl kaum. Wie mir geht es – und vor allem ging es in der Zeit so ungefähr von Sex Pistols bis Nirvana und Poison Idea – vielen anderen. Punk-Hörer sind nicht immer Punks. Oft sind sie nicht einmal Punkfans im harten Sinne. Nach den Dead Kennedys können sie in der nächsten Minute ungerührt ein Stück der Pet Shop Boys oder noch schlimmerer ‚kommerzieller‘ Gruppen hören.

Die gemeinsame Begeisterung für einen Musikstil muss nicht zu weiterer Gemeinschaft führen. Meist gibt es einige Übereinstimmungen bei Abgrenzungen – Punkhörer, die sich für Schubert oder das ZDF begeistern, trifft man selten –, das war es aber auch schon. Der Punk-Lebensstil mag den gelegentlichen Slime-Hörer vielleicht nicht abstoßen, er übernimmt ihn jedoch keinesfalls für sich.

Zu Begegnungen zwischen Punks und den anderen Punk-Hörern kommt es deshalb zumeist bloß bei Konzerten. Der Unterschied ist an der Kleidung oft sofort sichtbar, er zeigt sich auch häufig an unterschiedlichen Verhaltensweisen. Der Sinn rabiateren, körperbetonteren Auftretens – symbolisiert, dokumentiert, vorbereitet durch abgerissene Kleidung – liegt auch darin, jene Musikhörer, die nicht ihr ganzes Leben nach Punk-Prinzipien ausrichten wollen, an den Rand zu drängen oder sie ganz aus der Szene zu vertreiben. Dann läuft man zwar keine Gefahr mehr, wie ein Exot begafft zu werden, trägt jedoch durch den Ausschluss der unreinen Formen zuverlässig zur Selbstbeschränkung im mehrfachen Sinne des Wortes bei.

Aber immerhin: So bleibt man unter sich. Oftmals reicht es ja schon aus, nur ein irgendwie gefährliches, abweisendes Image zu kultivieren, um andere fernzuhalten, die wiederum ihre Beklemmungen bereitwillig auf den vermuteten und untergründig bewunderten Aggressor projizieren, selbst wenn es sich vielleicht tatsächlich nur um grundsolide Bierchentrinker handelt.

Eine Sache kommt aber selbst den stärksten Puristen fast immer in die Quere: das eigene Selbstdarstellungsbedürfnis. Selbst wenn man es durch verschiedene direkte oder indirekte Maßnahmen unterbinden kann, von Außenstehenden angestarrt, fotografiert, gefilmt, befragt zu werden, gibt es doch häufig szeneinterne Fotos und Antworten. Deren Wahrnehmung kann man aber nicht so gut kontrollieren, wie man durch handfeste oder symbolische Gesten andere von sich weghalten kann.

Gerade der Mitteilungsdrang der Punks ist erstaunlich. Ich weiß nicht, ob es heute entsprechend viele Blogseiten gibt, früher konnte man aber den Eindruck gewinnen, dass jeder Punk ein eigenes Fanzine herausgab oder zumindest an einem mitschrieb. Das hat es kontaktscheuen Musikhörern wie mir dann doch ermöglicht, der jeweiligen Miniszene nahe zu kommen, ohne mit ihr wirklich etwas zu tun zu haben oder mit ihr in nähere Berührung zu kommen.

Wie sah das aus? Ein Blick in die Geschichte lohnt hier. Nehmen wir das Zine „Scumfuck“ aus Duisburg. Hier konnte sich auch der Außenstehende über viele Jahre ein Bild eines wichtigen Teils der Ruhrgebietspunkszene machen. Ein Exemplar habe ich sogar über all die Jahre aufbewahrt: Nr. 17 (aus dem Jahr 1991). Unter dem widerwärtigen Abschaum-Titel starrt einen auf dem Cover eine rätselhafte Totengräbervisage an. Anders als auf der Straße und im Lokal schreckt das auf dem Papier aber nicht wesentlich ab. Auch zwei Sätze im Bericht über einen Auftritt der Bullocks und der Beck’s Pistols in der Geto Bar (Düsseldorf-Rath) – „Ein Langhaariger fiel derbst auf die Bühne. Etwas Blut, um ihn besorgt, wurde der Song unterbrochen“ – wecken zwar keinerlei Verlangen, dabei gewesen zu sein, ängstigen den Leser zu Hause auf der Couch jedoch nicht.

Also weiter reingeblättert in das wie bei so vielen Punk-Zines äußerst gelungene Schere/Pritt-Klebestift-Layout im alten Schülerzeitungsformat (Din A4, gefaltet), zum charmanten „Der abgeschlossene Roman (Teil I)“: „[I]ch kaufte noch ein paar Dosen Bier und eine Flasche Brombeerwein und machte mich auf den Heimweg. So ging ich durch die Straßen verfluchte den zusammengefallenen Iro, mein warmes Bier, den Papst und die letzte Nacht, die sich anfing in meinem Kopf bemerkbar zu machen. Da fiel mir wieder dieser Spruch ein, den sich zwei Studenten am gegenübertisch zutuschelten und zwar so, das ich ihn hören sollte. ‚SIE MÖGEN TRINKER SEIN, ABER SIE SIND DOCH MENSCHLICHE WESEN.‘ Herrgott, dachte ich, es gab mal eine Zeit, da hatten nur Eremiten einen Bart! Jetzt wo ich an diesem großen Altglascontainer lehne, über diesen Spruch nachdenke fällt mir dieses Plakat auf. Ein Blechmarienkäfer der sagt: ‚Ich war früher mal eine Blechdose.‘ Möchte mal wissen was an diesem Vieh besser sein soll als eine Blechdose.“

Ausgezeichnet auch die deutsche Übersetzung eines Artikels von Dee Dee Ramone: „Als wir anfingen wussten wir überhaupt nicht was wir spieln sollten. Wir versuchten ein paar BAY CITY ROLLERS Songs aber es war völlig daneben.“ – „Am Anfang unserer Freundschaft kauften wir uns oft ein paar Flaschen Wein, saßen herum und sauften das Zeug den ganzen Tag. Joey konnte keine Drogen nehmen. Er versuchte es, aber es klappte nicht. Er flippte immer aus. Einmal sah ich ihn Pot rauchen, plötzlich stand er im Flur in einer seltsamen Position und sagte immer wieder: ‚I’m freaking out! I’m freaking out!‘“

Dazwischen und drumherum viele Kurzberichte zu Fanzines, Tapes, Liveauftritten, Platten und CDs. Ohne viel Federlesen legen sie alle die beiden wichtigsten Pop-Maßstäbe an: Gefällt es mir? Wozu taugt es? „Kein Mega-Hammer-Sound, der alle Leute begeistert; allerdings nette Musik, die man (ich) während des Beantworten von Briefen an die Staatsanwaltschaft laufen lassen kann“ (Willi Wucher zu Strawberry Spring). „Alle Tangos pogten besoffen vor der Bühne und auch der restliche Mob im Saal tobte. Selten so ‘ne geile Punkrock-Party erlebt. Alle Hits wurden zum besten gegeben.“ (Abel Gebhardt über ein Konzert der Lokalmatadore in der Düsseldorfer Geto Bar).

Ahja, die Geto Bar, Düsseldorf-Rath, kenne ich zwar nicht, ich war natürlich nur mal bei den Künstlern im Ratinger Hof nahe der Akademie, aber in der Geto Bar befanden wir uns doch zumindest mit der Lektüre schon zu Beginn des Heftes… Buttocks, Beck’s Pistols, „Langhaarige“ schlugen blutig auf der Bühne auf, Konzert unterbrochen… Wie ging das da weiter, mal das Ende lesen… „Nach dem Gig versammelten sich die Rechten und verließen friedlich den Veranstaltungsort. Einige Linke fingen an ihnen hinterherzujagen. Flaschen fliegen, rein in eine Kneipe, ein gezielter Messerstich gegen einen Verfolger besiegelt fast dessen Ende. Gewalt ausleben, tolle Filmszenen ausprobieren. Bullizei kommt“, heißt es unangemessen lakonisch.

Was fällt der „Scumfuck“-Redaktion noch dazu ein? Die letzten drei Sätze des Artikels: „Da gibt es dann auch rein gar nichts mehr zu tolerieren! Da möchten wir nichts mit zu tun haben! Leute mit solchen Einstellungen passen halt nicht auf ein Punkrock-Gig.“ Fragt sich allerdings, weshalb diese „Leute mit solchen Einstellungen“ geglaubt haben, sie passten zu diesem Punkkonzert. Doch sehr gut, nie dabei gewesen zu sein und nur mal zu Hause die Ramones aufgelegt und in einem „Scumfuck“-Heft geblättert zu haben.

 

[weitere Informationen zum Buch, in dem die beiden Beiträge erschienen sind, hier]


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