Mrz 102013
 

Man mag es schon gar nicht mehr schreiben und man braucht es eigentlich auch nicht mehr: Tätowierungen sind in unserer westlichen Kultur allgegenwärtig und längst ein Massenphänomen geworden. Tattoos sind heute so verbreitet, dass man sie mit gutem Recht als selbstverständliches Modeaccessoire des jungen oder junggebliebenen, überwiegend urbanen Menschen beschreiben kann.

Als kulturelle Praxis hat sich das Tätowieren in den vergangenen zwei Dekaden längst etabliert; möglicherweise auch, weil es im Grunde nicht viel braucht, um daran teilzuhaben: etwas Geld, Mut sowie die Bereitschaft, während des Stechens den Schmerz auszuhalten. Im Zuge der allgemeingesellschaftlich beobachtbaren Tendenz zur öffentlichen Selbstinszenierung und der damit verbundenen Körpergestaltung (body styling) erwiesen sich Tätowierungen als leicht verfügbare Techniken der Identitätsproduktion und Inszenierungspraxis.

Es überrascht vor diesem Hintergrund kaum, dass Tätowierungen in jüngster Zeit vermehrt zum Gegenstand der Reflexion geworden sind. Hier sollen zwei Publikationen vorgestellt werden, die in den letzten zwei Jahren erschienen sind und einen guten Einstieg ins Thema bieten, weil beide ausgewählte Perspektiven auf das in Frage stehende Phänomen bieten und zudem in ihren Erörterungen den interessierten Leser reichlich auf weitere Literatur verweisen.

Das Heft Nr. 4 von »Querformat. Zeitschrift für Zeitgenössisches, Kunst, Populärkultur« aus dem Jahr 2011 wirft einen vorwiegend kunst- und bildwissenschaftlichen Blick auf die Praxis des Tätowierens in der Moderne, und Ulrike Landfester untersucht in ihrer 2012 erschienenen Studie »Stichworte. Tätowierung und europäische Schriftkultur« mit einem schrifttheoretischen und literaturwissenschaftlichen Interesse die »Geschichte der Deutungsoperationen dieser Praxis« (Landfester, S. 26) seit deren Anfängen, wodurch sich beide Publikationen gut ergänzen.

Zusammengenommen lassen sie das überaus bunte Wesen der Tätowierung in dia- wie synchroner Perspektive erkennen. Sie tun dies – und darauf sei ausdrücklich hingewiesen, weil es mit unterschiedlichen Anforderungen an den Leser einhergeht – mit den je eignen medialen Bedingungen: Während die Zeitschrift in leicht verständlicher Sprache und mit Hilfe vieler Bilder, die jedoch vielfach so klein geraten sind, dass sich ein Abdruck eigentlich erübrigt hätte, sowie einem aufwändigen, kaum nachvollziehbaren und chaotischen grafischen Konzept das Thema angeht, trägt Landfester ihre Überlegungen in (gelegentlich schwer verständlicher) Wissenschaftsprosa vor und druckt bloß einige wenige Abbildungen der erwähnten Tätowierungen ab, die zum Teil mehrere Jahrhundert alt sind und heutigen Betrachtern im Gegensatz zu den früheren kaum mehr fremd vorkommen, aufgrund ihrer Historizität aber faszinieren.

Landfesters Studie und die verschiedenen Zeitschriften-Beiträge spannen ein geschichtliches wie anthropologisches Koordinatennetz auf, das die kulturelle Praxis des ›Tattoos‹ (so meist in der Zeitschrift) resp. der ›Tätowierung‹ (so Landfester durchgehend in ihrer Arbeit) systematisch zu charakterisieren vermag. In der Geschichte der Tätowierung spiegelt sich auch die Geschichte des modernen Menschen, die sich um die Achsen Individualität – Sozialität, Freiheit – Zwang, Eigenes/Identität – Alterität/Alienität sowie Inklusion – Exklusion dreht.

 Anfänge

Diese Konstellationen finden sich im Grunde bereits schon in den ersten Überlieferungszeugnissen, wie Landfester herausarbeitet. Die im Codex Hammurabi (ca. 1800 v. Chr.) beschriebene mesopotamische Sklavensiglierung an Händen oder im Gesicht diente dazu, Sklaven als Besitztum zu markieren. Diese Sigle hatte jedoch auch den positiven Effekt, dem Sklaven gleichzeitig ›Schutz‹ gegen Übergriffe von außen zu versprechen, da dieser durch die Tätowierung eindeutig als Eigentum eines bestimmten Menschen gekennzeichnet war.

Andere Tätowierungen aus der Frühzeit, wie etwa die Narbenzeichnungen, die man auf ägyptischen Mumien (2000 v. Chr.) oder auf dem Eismann Ötzi (3100 v. Chr.) fand, scheinen ihren Ursprung jedoch eher in religiösen oder medizinischen Kontexten zu haben, trugen damit aber auch einen Teil zur Gruppenbildung bzw. -identifikation bei.

Auch das vor Jahren noch so vielgestochene und entsprechend scharf kritisierte ›Arschgeweih‹ lässt sich ohne weiteres in die oben genannten Koordinaten einfügen. In der hämischen Ausdeutung steht es für die Gruppe von geistig eher minder bemittelten ›Modetussis‹, die zwanghaft dem letzten Schrei nachlaufen. In der positiven Bestimmung artikuliert sich mit ihm jedoch das Selbstbewusstsein junger Frauen, die Mut und Erotik zugleich ausstrahlen.

 Das Tattoo in der bildenden Kunst

Über die hier nur in vagen Umrissen skizzierte Geschichte der Tätowierung informiert die Zeitschrift in zwei Artikeln von Iris Dankemeyer und Igor Eberhard. Sie macht darüber hinaus auf Aspekte aufmerksam, die sich von der Fließbandarbeit à la ›Arschgeweih‹ deutlich unterscheiden: Tätowieren ist auch eine Kunstform. Die Maler der neuen Sachlichkeit etwa, so erläutert Burcu Dogramaci, stellten diese Kunst in ihren Bildern dar und schufen damit eine »doppelte Leinwand«, ein Bild im Bild, das zum metapoetologischen Reflexionsraum der eigenen Kunst avancierte und auf den Projektionsprozess der Imagination bzw. auf den Vorgang des Sehens aufmerksam zu machen suchte.

Spätestens seit den 1970er Jahren gingen Künstler wie Valerie Export oder Timm Ulrichs dazu über, sich selbst zu tätowieren bzw. tätowieren zu lassen und diesen Akt als künstlerische Performanz resp. als Kunstwerk anzusehen (vgl. den Beitrag von Sabine Kampmann).

Santiago Sierra tätowierte Ende der 1990er Jahre seine »tattoo lines« über mehrere Personen hinweg und wollte damit die »kapitalistischen und menschenverachtenden Mechanismen« kritisieren, denen der moderne Mensch unterworfen sei. Er selbst bediente sich freilich ebendieser Mechanismen, wenn er seine ›Freiwilligen‹ im Drogen- oder Sexmilieu suchte und ihnen nur einen äußerst kleinen Lohn dafür zahlte, sich dauerhaft tätowieren zu lassen (vgl. den Beitrag von Katrin Weleda).

Ebenfalls umstritten war die Idee von Wim Delvoye, der 2006 den Rücken eines jungen Schweizers komplett mit einer betenden Madonna tätowierte und – vertraglich mit dem Schweizer vereinbart – diesen als lebendes Kunstwerk verkaufte. Ein Interview mit dem Tätowierer Kes One 3001 über die menschliche Haut als künstlerisches Material rundet diese Perspektive ab. Hier hätte sich ebenso gut auch ein Artikel über die Tätowierer Simone Pfaff und Volker Merschky vom Würzburger Tattoostudio Buena Vista Tatto Club angeboten, die mit ihrem »Realistic Trash Polka«-Stil, der Fotorealismus, Schriften und grafische Elemente miteinander innovativ mischt, in den vergangenen Jahren einen neuen Stil kreiert haben und international für Furore sorgten.

Dass der Grafik- und Designbereich die heutige Tätowierpraxis nachhaltig beeinflusst, zeigt auch der Beitrag von Ina Salz über die in jüngster Zeit vermehrt in Mode gekommenen »typographischen oder Text-Tattos«. Die Verzahnung von Design und Tattoo hätte man auch – damit sei die Benennung von Leerstellen beendet – anhand von Ed Harris studieren können, der freilich als Tätowierer durch seine mit Tattoomotiven bedruckten T-Shirts die Kleidermode um einiges bunter gemacht hat.

 Die Tätowierung als Schrift-Metapher

Die uns heute so selbstverständliche Gleichsetzung von Tätowierung als Schrift et vice versa nimmt Ulrike Landfester in den Blick, deren Studie sich gerade an dieser Denkfigur entzündet, die, so Landfester, bislang jedoch kaum detaillierte »Aufmerksamkeit gefunden« habe (Landfester, S. 10). Wenn in der heutigen Reflexion über die Schrift, etwa bei Jacques Derrida, Michel Serres oder Christoph Türcke, die Tätowierung als deren Metapher aufgefasst wird und damit die Schrift und das Schreiben als »gewaltsame Zurichtung des menschlichen Körpers« (Landfester, S. 14), als eine dem Individuum feindliche Kulturmacht, beschrieben werden, werde nicht nur die Tätowierung lediglich auf ihre Schriftförmigkeit reduziert und somit deren Bildlichkeit ausgeblendet, sondern auch bloß der Prozess des Tätowierens, nicht aber die Tätowierung selbst in den Blick genommen.

Die mit der Gleichsetzung von Tattoo und Schrift einhergehende Annahme, dass die Praxis des Tätowierens eine Vorstufe unserer Schrift darstelle, identifiziert Landfester als »Effekt einer schriftzentrischen Projektionsleistung« (S. 18). Diese beginne bereits in der Antike, indem die Tätowierung in der schriftlichen Überlieferung stets als schriftförmig charakterisiert werde. Dieses »zunehmend schriftgeleitete[ ] Selbstverständnis der gräkoromanischen Hochkulturen« (S. 21) artikuliert sich darüber hinaus auch darin, dass schriftförmige Tätowierungen akzeptiert, ornamentale oder figürlich-ikonische Tattoos hingegen als barbarisch abgelehnt wurden (ebd., S. 23f).

Auch als mit der Entdeckung der Neuen Welt im 15. und 16. Jahrhundert die bildförmigen Tätowierungen der Eingeborenen, die heute als »Tribals« bezeichnet werden, die allgemeine (europäische) Wahrnehmung dominierte, führte das nicht dazu, die Relation von Schrift/Schreiben und Tätowierung zu revidieren. Vielmehr wurde sie ideologisch gestärkt, indem die schriftferne Tätowierung als Ausdruck von Alterität und Rückständigkeit oder Primitivität diffamiert wurde. Landfester entwirft nun aber nicht, wie man vielleicht meinen könnte, eine (neue) Geschichte der europäischen Wahrnehmung von Tattos, die sich dem weitgehend verdrängten bildlichen Aspekt widmen würde, sondern verfolgt in 14 Einzelnarrativen die verschiedenen historischen Ausformungen der »poetologischen Rückkoppelung zwischen Schrift und Tätowierung« (S. 27).

Oberflächenveränderung

Auch wenn die einzelnen Kapitel chronologisch angeordnet sind und sich somit eine geschichtliche Perspektive einstellt, betont Landfester zu Recht, dass sie keine zusammenhängende Entwicklungsgeschichte vorlegen möchte. Das verbiete schon die »Brüchigkeit der Überlieferung« (S. 26). Denn in der Tat hat sich erst seit Ende des 18. Jahrhundert die Rede vom ›Tattoo‹ durchgesetzt; den Begriff brachte James Cook 1774 von seiner Entdeckungsreise aus Polynesien mit und etablierte damit eine Bezeichnung, die sich rasch und dauerhaft ausbreitete.

Erst mit diesem Begriff wurde das damit bezeichnete Phänomen zu einem »allgemein verfügbaren Bestandteil kulturellen Wissens« (S. 11), davor herrschte jedoch nicht nur in semasiologischer, sondern auch in onomasiologischer Hinsicht Unsicherheit. In den alten Quellen resp. deren Übersetzungen lassen sich verschiedene Formulierungen finden wie etwa ›Einschnitte anbringen‹, ›wundritzen‹, ›Zeichen einritzen‹ (S. 38) oder ›Zeichen einstechen‹ (S. 53) bzw. ›in die Haut eingestochene Bilder‹ (S.119), womit verschiedene Formen wie Brandmarkung, Narben- oder Farbtätowierungen gemeint sein können.

Theodor de Bry sprach in den 1600 veröffentlichten Reiseberichten aus Amerika, der »Wunderbarliche/ doch Warhafftige Erklärung von der Gelegenheit und Sitten der Wilden in Virgina«, die wohl als erstes Druckwerk überhaupt Abbildungen von Tätowierungen präsentierten, vom ›Stipffen‹ (S. 166) und meinte damit das punktuelle Durchstechen der Haut. Verbindendes Moment dieser verschiedenen Redeweisen ist der Aspekt der Oberflächenveränderung, die durch das ›Tätowieren‹ herbeigeführt wird. Dieser Sachverhalt ist es auch, der die reziproke Übertragung von Tätowierung und Schrift entscheidend befördert hat, denn auch die Schrift modifizierte in ihren Anfängen als Einritzungen auf Steinen, Ton oder Holz sowie als Eindrucke in Wachstafeln die Oberfläche des beschriebenen Objektes (S. 405ff.).

So erklärt es sich leicht, weshalb das Verfahren der Tätowierung als Praxis des Schriftgebrauchs verstanden werden konnte und als deren Spiegelung angesehen wurde. Am Ende ihrer den gesamte Zeitraum der abendländischen Schrifttradition umfassenden Studie weist Landfester dann jedoch auch darauf hin, dass diese wechselseitige Überblendung von Schrift und Tattoo wohl nicht mehr lange Geltung haben dürfte. Im Zeitalter der Digitalisierung werde Schrift und Schreiben nicht mehr länger vom »Prinzip der nachhaltigen Oberflächenzurichtung« her definiert, sondern von demjenigen der »Flüchtigkeit und Variabiliät«, in der Postmoderne brauche die »abendländische Schriftkultur die Tätowierung nicht mehr, um sich denken zu können« (S. 417).

Dieses Fazit zieht Landfester aus der Beobachtung, dass seit den 1980er Jahren geradezu ›explosionsartig‹ die Tätowierung in Romanen nicht mehr in Relation zur Schrift verhandelt werde, sondern als »Metapher für intra- wie intermediale Schnittstellen« Verwendung finde. Die postmodernen Romane, die von Landfester jedoch nicht eingehender analysiert werden, setzten damit im Grunde fort, was Ray Bradbury mit seiner 1951 veröffentlichten Erzählsammlung »The Illustrated Man« begonnen hatte, in der er die Tätowierung resp. die »Schriftform von den Bildschöpfungsverfahren des Films« (S. 384) her reflektierte.

Hier geht es nicht mehr wie in den von Landfester zuvor analysierten Beispielen nur um eine Schriftkritik, sondern um eine allgemeine Medienkritik, die sich an der erst in den 1940er Jahren entwickelten Farbfilmtechnologie als neue Möglichkeit der Wirklichkeitssimulation entzündet. Die Tätowierungen des Illustrated Man, die nachts zu bewegten Bildern – Filmen – werden, nehmen dem Menschen, weil sie alles zeigen, die Imaginationsfreiheit; erzählende Literatur hingegen – auch wenn sie Bilder benutzt – bietet hingegen diesen Freiraum, weil sie stets nur schriftlich als Zeichen auftritt.

 Gewalt/Erkennungszeichen

Ähnlich negativ konnotiert sind die Tätowierungen auch in den anderen von Landfester analysierten literarischen Texten der Neuzeit. Besonders in Heimito von Doderers Erzählung »Eine Tätowierte« von 1924 und in Franz Kafkas »In der Strafkolonie« (1914) wird anhand der Tätowierung die tödliche oder gewalttätige Macht der Schrift demonstriert, von der auch die KZ-Häftlingstätowierungen durch die Nazis Zeugnis geben, wie Landfester in einem weiteren Kapitel darlegt. Obwohl sämtliche Opfer davon berichten, dass die erzwungenen Nummerntätowierungen, die an die Sklavensiglierungen der Antike erinnern, ein traumatisches Erlebnis darstellten, wurden sie lediglich in den autobiografischen Schriften von Primo Levi (»Ist das ein Mensch?«) und Ruth Klüger (»weiter leben. Eine Jugend« und »Unterwegs verloren«) semantisch aufgeladen und erzählerisch instrumentalisiert, um den Lesern das erlebte Grauen vermitteln zu können.

In den zwei Kapiteln über Reiseberichte aus dem 16. Jahrhundert und dem 18./19. Jahrhundert wird der Umgang der Europäer mit den Tätowierungen der Wilden analysiert, wobei es kaum überrascht, dass die europäische (Schrift-)Kultur dem Primitivismus der Wilden meist als überlegen angesehen wird. Hier, wie auch in den sechs Kapiteln zur Tätowierung in biblischen und antiken Texten und zur christlichen Tätowierung in der Tradition der imitatio Christi, gerät der Bezug zur Schriftreflexion bisweilen etwas aus dem Fokus, was aber, wenn man diese Passagen eher als kulturgeschichtliche Bausteine begreift, nicht negativ ins Gewicht fällt.

Vielmehr werden hierbei – freilich eher unter der Hand – zwei Traditionslinien sichtbar, von denen sich jedoch nur eine in den besprochenen literarischen Texten wiederfindet: die negativ konnotierte der Straf- oder Zwangstätowierung. Daneben gab es jedoch – trotz des Tattoo-Verbots im Alten Testament (3. Mose 19,28 und 21,5) – die Tradition der christlichen Tätowierung, die schon in den Urgemeinden, dann aber auch von den (mittelalterlichen) Mystikern wie etwa Heinrich Seuse (1295/97-1366) selbst an sich vollzogen wurden. Damit gab man sich nicht nur ein Erkennungszeichen, sondern ahmte auch, so die Intention seit dem Mittelalter, den Leidensweg Christi nach.

Auch die Pilgertätowierungen, die sich die Kreuzfahrer in Palästina stechen ließen, standen in diesem Heilskontext und wurden von ihren Trägern positiv aufgefasst. Nach ihrer Rückkehr haben sie sich sogar bewusst darum bemüht, ihre Tätowierungen öffentlich zur Schau zu stellen und damit ihre besondere Frömmigkeit und Verbundenheit mit Christi zu demonstrieren. Diese positive Beurteilung der Tätowierung durch eine Minderheit lässt sich mit der, so ist zu vermuten, wohl ebenfalls weitgehend affirmativen Auffassung der Tätowierung bei den Wilden vergleichen.

Leider, das zeigt Landfesters Studie nur allzu deutlich, hat sich diese Ansicht über die Jahrhunderte nicht durchgesetzt; es scheint jedoch, als würde sich heute eine solch affirmative Sichtweise fest etablieren, wenn auch weitgehend ohne den früheren religiösen Hintergrund, womit die Geschichte der Tätowierung und ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung zu Beginn des 21. Jahrhunderts gleich in zweifacher Hinsicht demonstriert, wie wenig ›schriftgläubig‹ wir heute sind.

 

Bibliografischer Nachweis:
Ulrike Landfester
Stichworte. Tätowierung und europäische Schriftkultur
Berlin 2012
Matthes & Seitz Verlag
ISBN 978-3-88221-561-8
492 Seiten

Sabine Kampmann, Anja Herrmann, Jörg Petri, Ralf de Jong (Hg.)
Querformat. Zeitschrift für Zeitgenössisches, Kunst, Populärkultur
Nr. 4: Tattoo
Bielefeld 2011
transcript Verlag
ISBN 978-3-8376-1867-9
92 Seiten

 

Dr. Jesko Reiling ist Stipendiat des Schweizerischen Nationalfonds (Einzelprojektförderung: Das ›Volk‹ in Literatur und Literaturtheorie zwischen 1840 und 1860).

 

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