Sep 062012
 

[dies ist die wesentlich erweiterte Version eines Artikels der Zeitschrift
»Pop. Kultur und Kritik«, Heft 1, Herbst 2012, S. 126-133]

»How does it feel, das ist die Frage aller Fragen.«
Günter Amendt

Als Hauptströme der aus »1968« hervorgegangenen Gegenkultur hat Rolf Schwendter  eine »rationale« und eine »emotionale Subkultur« unterschieden.[1] »Rational« waren demnach die vielen politischen Gruppen, die sich im Zerfall der SDS radikalisierten, »emotional« die aus der kulturrevolutionären Seite von »1968« entstehenden Milieus von Musikfans, Drogenaffinen und Alternativen, die ein anderes Leben hier und jetzt wollten. Die Trennung in Idealtypen mag heuristisch sinnvoll und empirisch teilweise zutreffend sein, bleibt aber dennoch zu schematisch. Sie verdeckt, dass im Alltag vieler Beteiligter radikale Politik und alternativer Lebensstil eng miteinander verknüpft waren. Nimmt man die SDS-Großen, so war Günter Amendt (1939-2011) einer der wenigen, die nach 1968 nicht in revolutionärer Parteiarbeit aufgingen, sondern in der Öffentlichkeit präsent waren und weit in die Gesellschaft hineinwirkten. Er reduzierte seinen Aktionsraum nicht auf das Politische, wie es die meisten seiner Genossinnen und Genossen taten, sondern verkörperte die Ideen von »1968« – sofern man darunter die Verknüpfung von linker Politik und individueller Emanzipation versteht – in ihrer wechselseitigen Bedingtheit. Sex, Drugs und Rock’n’Roll – Amendts Themen – waren wichtige Schauplätze des Kulturkampfes seit den 60er Jahren, Prüfsteine für die Liberalisierung der Gesellschaft und zugleich thematische Schneisen zur Etablierung neuer Gefühlsnormen, die die Grenzen einer sich selbst disziplinierenden Angestelltenkultur überwanden.[2] Amendt gehörte zu den Wegbereitern eines emotionalen Habitus, der die Trennung von Geist und Körper und damit die von Schwendter postulierte Bipolarität überwand.[3]

Amendts Ansatz fügt sich in einen Zusammenhang von Popkultur und Linksradikalismus ein, der eine längere Tradition hat. Er resultiert aus der Koexistenz von Massenbezug und Avantgardismus und ist historisch etwa an Walter Benjamin, Bertolt Brecht oder Willi Münzenberg zu exemplifizieren. Im Aufschwung von Massenkultur und Sozialismus in den 60er bis 80er Jahren kam diese Verbindung zu neuer Bedeutung, wobei Amendt einer ihrer herausragenden Protagonisten war, weil er die sinnlichen Seiten des kulturellen Wandels zugleich lebte, erforschte und in einem gesellschaftskritischen Zugang beurteilte. 1996 gefragt, was seine »Botschaft« sei, antwortete er: »Ich habe keine Botschaft. […] ›Ich glaube an die sanfte Gewalt der Vernunft‹ – dieser Satz von Brecht ist so etwas wie das Leitmotiv meiner Arbeit.«[4] Diese Selbstbeschreibung stand für die intellektuelle Seite von Amendts Zugang zu seinen Themen, die sich in einem produktiven Spannungsverhältnis zu den sensitiven Triebkräften eines »richtigen« Lebens befand.

1. Politisierung und Jugendrevolte

1939 in Frankfurt geboren und gemeinsam mit der Mutter und zwei Geschwistern aufgewachsen – der Vater war 1942 als Soldat umgekommen – fand Amendts politische Sozialisation in den 50er Jahren statt. In der evangelischen Jugend begegnete er einem Widerstandsgeist, der aus der Tradition der Bekennenden Kirche kam. Zur »prägende[n] Erfahrung«[5] und dem Beginn seiner Politisierung wurde die Kriegsdienstverweigerung. Unterstützt von seinem Anwalt, Heinrich Hannover, verschob sich seine ursprünglich religiöse Argumentation hin zu einer politischen, »die ihr Selbstverständnis nicht aus dem, was das System vorgibt, ableitet«.[6] Amendt kam über den Zweiten Bildungsweg an die Universität. Nach Abschluss der Fürstenberger Mittelschule absolvierte er ab 1957 eine Berufsausbildung zum Mineralölkaufmann bei der Esso, um anschließend kurzzeitig als Sachbearbeiter bei BP zu arbeiten. Von 1960 bis 1962 holte er als Schüler des ersten Jahrgangs des Hessenkollegs mit einem Hochbegabtenstipendium das Abitur nach – ein »deutsches Tellerwäschermärchen, nicht so hemdsärmelig, dafür aber bildungshumanistisch«.[7] Nachdem er dort die Schriften von Marx und Engels kennengelernt hatte, studierte er seit dem Wintersemester 1962/63 Soziologie in Frankfurt, u.a. bei Theodor W. Adorno. Schon als Erstsemester Mitglied des SDS, agierte Amendt innerhalb des Verbandes als »Rebell« »im Namen der jungen Genossen« gegen die Etablierten. Ein Leben lang wurde Amendts Denken von der Kritischen Theorie geformt, doch im Gegensatz zum theoriefixierten Hauptstrom im Frankfurter SDS spielte die politische Praxis für ihn von Beginn an eine zentrale Rolle. Rückblickend konstatierte er, dass »meine Praxis immer voraus war meiner theoretischen Artikulation, vor allen Dingen meinem theoretischen Artikulationsvermögen. Ich habe also Theoriebildung immer erst begreifen können, wirklich in dem Moment, wo es ein aus der Praxis resultierendes Erfordernis gab.«[8] Ausgehend von der gesellschaftlichen Praxis die Kritische Theorie in eine Form zu bringen, die einer breiten Masse zu einem freieren Leben und zugleich zu kritischem Bewusstsein gegenüber dem Bestehenden verhilft – darum ging es ihm.

In den frühen 60er Jahren nahm Amendt an Ostermärschen teil, an den Aktivitäten des Ende 1962 als Kristallisationskern der linkssozialistischen Jugend in Frankfurt gegründeten Club Voltaire, und er engagierte sich eine Zeitlang in der Gewerkschaftsjugend – also in einem Aktionsrahmen, der weit über den SDS hinausging. Im November 1963 sprach er bei einer Veranstaltung des Frankfurter DGB-Kreisjugendausschusses und des Club Voltaire zu Ehren des Emigranten Fritz von Unruh als »Vertreter der Jugend«, wo er Positionen jedenfalls eines wachsenden Teils der westdeutschen Jugend bezog: radikale Gesellschaftskritik, entschiedenes Engagement, wobei die Kritik zugleich Bereitschaft zur Mitarbeit« signalisieren sollte.[9] 1964 leitete Amendt nicht nur eine SDS-Delegation aus Frankfurt und Freiburg in die DDR, er reiste auch in die USA, wo er in Chicago in den nationalen Büros des amerikanischen SDS und des Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) Gespräche führte. Zurück in Deutschland schrieb er den Students for a Democratic Society, er hoffe auf eine Zusammenarbeit zwischen beiden SDS, denn von ihnen, den Amerikanern, könne man viel lernen. In seinem Aufsatz über die Studentenrevolte in Berkeley für die Zeitschrift des deutschen SDS, »Neue Kritik«, wurden dem Verband erstmals die dortigen Ereignisse nahegebracht – insbesondere die aus der Erfahrung des Rassismus in den Südstaaten resultierende zunehmende Militanz der Bewegung und die in den USA erprobten Methoden der direkten Aktion, die bald auch im deutschen SDS übernommen wurden.[10] Amendt im Rückblick: »Durch diese ›Spezialisierung‹ bin ich automatisch zu einem der Rädelsführer der Studentenbewegung geworden.«[11]

Als sich seit 1966 die oppositionelle Bewegung verbreiterte und vermehrt Gymnasiasten in den SDS eintraten, rief die neue Verbandsführung unter Reimut Reiche und Peter Gäng eine Jugendrevolte aus, die sich auf die vielen Nonkonformisten stützen sollten, die außerhalb der Universitäten aufgekommen waren: »Gammler« und Provos, Anhänger der Folk- und Beat-Musik, Kriegsdienstverweigerer und Vietnamkriegsgegner.[12] In der Öffnung des Verbandes gegenüber den Einflüssen aus der Jugendkultur lösten sie sich von den Altvorderen des SDS. Amendt kritisierte das Modell Reiche/Gäng rückblickend als »Jugendmythos«, vor allem, weil die Strategie nicht klassenbezogen gewesen sei, sah aber gleichzeitig vor allem Dutschke und sich selbst als »Agitatoren dieser Jugendbewegung«, denn sie fuhren im Land umher, um den Gedanken des Aufruhrs unter den Schülern zu verbreiten.[13] Vor allem war Amendt an der Gründung des Aktionszentrums Unabhängiger und Demokratischer Schüler (AUSS) vom Juni 1967 beteiligt, das das organisatorische Fundament für diese Strategie darstellte, und galt als dessen »prominenteste[r] Formulierungshelfer«.[14] Als Aktivist in Frankfurt war Amendt offen für militante Aktionen schon vor 1968, setzte aber strategisch auf »Argumente«, wie er den Frankfurter Provos (einer Gruppe von hauptsächlich Arbeiterjugendlichen) erklärte, die sich dem rationalen Diskurs grundsätzlich entzogen.[15] Amendt beteiligte sich an der Mobilisierung der Jungen, ohne deren notwendig und gewollt antiautoritären Grundzug zum revolutionären Modell zu überhöhen. Jedenfalls war er einer der Protagonisten der aktivistischen Wende innerhalb des SDS, so dass Rudi Dutschke, als er in »einer Art Vermächtnis«[16] an die 22. SDS-Delegiertenkonferenz im September 1967 den Rückzug der alten SDS-Führer forderte, neben Reiche, Gäng, Christian Semler, Hans-Jürgen Krahl und einer Handvoll anderer auch Amendt als Mitglied der künftigen SDS-Führungsgarde nannte. 1967/68 wurde der Frankfurter, inzwischen Vorstandssprecher des SDS, häufig in West-Berlin und zusammen mit Dutschke und Gaston Salvatore gesehen, was als »in-group in der in-group« misstrauisch beäugt wurde.[17] Strafrechtliche Folgen hatte Amendts Wirken als »APO-General« – so »die Rolle«, die ihm »in diversen Anklageschriften« zugewiesen wurde.[18] Erstens ging es um die Blockade der Franfurter Societäts-Druckerei am Karfreitag 1968, mit der am Tag nach dem Attentat auf Rudi Dutschke die Auslieferung der Bild-Zeitung verhindert werden sollte. Mit Hans-Jürgen Krahl wurde er 1969 als »Rädelsführer« zur Haftung für die der Druckerei entstandenen Schäden in Höhe von 72.000 DM verurteilt. 1973 kam es zum Vergleich, demzufolge Amendt (Krahl war verstorben) 30.000 DM an den Verlag zu zahlen hatte.[19] Das Geld wurde durch eine Solidaritätsaktion zusammengebracht.[20] Zweitens war er bei den Protesten gegen die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den senegalesischen Präsidenten und Schriftsteller Léopold Sédar Senghor während der Frankfurter Buchmesse im September 1968 beteiligt und wurde ebenfalls 1969 gemeinsam mit Krahl und Karl Dietrich Wolff als »Rädelsführer« angeklagt und zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Nur der von der sozialliberalen Bundesregierung unter Willy Brandt erlassenen Amnestie für Demonstrationsstraftaten von 1970 ist es zu verdanken, dass ihm ein Gefängnisaufenthalt erspart blieb.[21]

Ende der 60er, mit 30 Jahren, gehörte Amendt zur SDS-Prominenz – ein politisch radikaler und militanter Intellektueller, der zentrale kulturelle Erneuerungsschübe der Dekade ernst nahm, die allesamt auf ein neues Verhältnis zum Körper hinausliefen und zugleich den emotionalen Habitus der Linken bestimmten: die ›sexuelle Revolution‹, Drogenerfahrungen, Rockmusik. Nach seinen Büchern »Kinderkreuzzug« über die Schülerrevolte von 1968 und »Sexfront« von 1970 war er ein allgemein anerkannter »linker Literat«.[22] Damit war die intensivste Phase politischen Aktivismus vorbei, und es setzten Forschung und Reflexion ein – allerdings immer an der konkreten Praxis der jeweiligen Akteure orientiert und mit dem Ziel, die Gesellschaft zu verändern.

2. Aufklärung und Wissenschaft

Als Mentor des AUSS war Amendt an dessen »Sexualkampagne« beteiligt, die in zweierlei Hinsicht auf einen Kern der Kulturrevolution um 1968 zielte. Erstens ging es darum, durch eine freie Sexualität die Demokratisierung der Gesellschaft voranzubringen – gleichsam als Gegenprogramm zur Faschisierung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die, so meinte man mit Wilhelm Reich, durch Unterdrückung der Sexualität begünstigt worden sei.[23] »Zum Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse wird nur fähig sein«, so Amendt im Rückblick, »wer den Repräsentanten des Systems […] frei von Ängsten selbstbewusst gegenübertreten kann«.[24] Die Kampagne berührte ein virulentes Bedürfnis junger Leute und zugleich eine Sphäre, die nach wie vor mit Tabus belegt war. Amendt trieb die Liberalisierung auf diesem Gebiet ganz praktisch voran, indem er beispielsweise in einer Rede vor Schülern in Baden-Baden in der Silvesternacht 1968/69 dazu aufrief, »alle Kisten und Kasten, alle Kastrations- und Entjungferungswerkzeuge aus den Turnhallen zu entfernen und Matten auszubreiten, um Liebe zu machen«.[25] Von einer örtlichen Schülerzeitung veröffentlicht, führte der Abdruck zur Beschlagnahmung, zu einer Anzeige wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften und zu einem überregionalen Medienecho.[26] In seinen »Thesen zur Sexualkampagne« vom Sommer 1969 zog der AUSS-Bundesvorstand eine Bilanz mit der Absicht, diese »vorpolitische Kampagne« hinter sich zu lassen.[27] Denn anhand der »Pille« und der Vermarktung der sexuellen Revolution wurde sichtbar – zweitens –, wie sich Themen und Embleme der Revolte derart verbreitet hatten, dass sie sich von ihren emanzipatorischen Inhalten lösten: »Wenn wir uns mit den industriell verwertbaren Symbolen der ›sexuellen Revolution‹ zufriedengeben, werden wir, ob wir wollen oder nicht, zur Avantgarde des neuen kapitalistischen Kultur- und Konsumideals anstatt zur Avantgarde der sozialen Revolution.«

Daher ging es bei »Sexfront« darum, sexuelle und gesellschaftliche Emanzipation auch weiterhin zusammenzuhalten. Mit diesem »nachgereichten sexualpolitischen Manifest«[28] der Protestbewegung legte Amendt 1970 eine Aufklärungsschrift aus linker Perspektive vor, die wegen ihrer unverblümten Sprache, Fotos und Comics aus der Hand von Alfred von Meysenbug (in einer späteren Auflage auch von Felix Reidenbach) mit Verbotsanträgen überzogen wurde.[29] Der Tabubruch, pointiert auszusprechen, »was längst alle – fast alle – taten«, befriedigte einen enormen Bedarf speziell unter Jugendlichen.[30] Volkmar Sigusch hat Amendts »Sexfront« und Reiches »Sexualität und Klassenkampf« nebeneinander gestellt und gemeint, was Amendt »für die Schüler- und Lehrlingsbewegung formulierte«, habe Reiche zwei Jahre zuvor für die Studentenbewegung artikuliert.[31] Das greift zu kurz, denn weder das eine noch das andere Buch wurde für eine bestimmte Bewegung geschrieben. Eher war Reiches Text der Versuch einer theoretischen Verständigung, »Sexfront« hingegen eine politisch gerahmte Anleitung für eine emanzipatorische Sexualpraxis – eine Diskrepanz, die sich schon ästhetisch, in der Gestaltung beider Bücher markant zur Geltung brachte. Während Reiche hochgestochen theoretisch daher kommt, befleißigt sich der »linksradikale Sex-Verklarer«[32] einer schnörkellosen Sprache, die nicht nur Tugendwächter echauffierte, sondern auch den bemüht akademischen Diskurs im SDS unterlief. »Sexfront« war ein »Aufklärungsbuch« im umfassenden Sinne: Es klärte nicht nur über Sexualpraktiken auf, sondern auch über die Struktur der Gesellschaft, Geschlechterbeziehungen, politische Verhältnisse – und es propagierte eine Moral, die nicht von Normen ausging, sondern von Lüsten und Akzeptanzgrenzen der Akteure. Die sexualmoralische Botschaft von »Sexfront« war einfach: Erlaubt ist, was im gegenseitigen Einvernehmen gleichberechtigter Partner geschieht. Der »schönste, frechste und unverklemmteste Beitrag der 68er zur sexuellen Frage« unterlief so per se alle normativen Restriktionen und popularisierte die Verhandlungsmoral als Maßstab des Sexualverhaltens.[33] Damit wurden die Ergebnisse der theoretischen und praktischen Vorarbeit im Umfeld des SDS »hinaus in die deutsche Gesellschaft gewirbelt«.[34]

»Sexfront« war für den Soziologen auch ein Sprungbrett, sich auf dem Gebiet der Sexualforschung wissenschaftlich zu etablieren. Er nahm die Arbeit an einer Dissertation über die Sexualität Jugendlicher in der Drogensubkultur auf und erkundete während der Recherchen by the way verschiedene Großstädte für einen Neuanfang jenseits von Frankfurt, dem er ein »inquisitorisches Klima« attestierte.[35] Die Wahl fiel auf Hamburg, »weil ich nach einer Stadt gesucht habe, die mich in Ruhe lässt«.[36] Amendt sah die Arbeit an der Dissertation als Beitrag zur politischen Diskussion, als »materialistische Interpretation der Subkultur« – ein Ansatz, der nicht nur linken Gruppen die Möglichkeit gab, den Gebrauch von Drogen anders als nur nach moralischen Maßstäben zu beurteilen.[37] Die Dissertation, mit der er 1973 bei der Adorno-Schülerin Helge Pross in Gießen im Fach Soziologie promoviert wurde, war aber auch Teil einer Erneuerungsbewegung in der Sexualwissenschaft. Indem, wie schon in »Sexfront«, das Sexualverhalten nicht normativ bewertet, sondern vorbehaltlos betrachtet wurde, standen im Mittelpunkt empirische Arbeiten.[38] Sigusch bezeichnete Amendts Studie, die den Zusammenhang von Drogen und Sexualität nicht aus klinischer, sondern aus sozialwissenschaftlicher Sicht untersuchte, im Rückblick als »klassisch«.[39] Eberhard Schorsch, der Leiter des Instituts für Sexualforschung an der Universität Hamburg (später Abteilung für Sexualforschung der Psychiatrischen und Nervenklinik der Universität) in den 70er Jahren, sei auf »das fachliche Tun« von Günter Amendt, Martin Dannecker und Reimut Reiche »beinahe so stolz wie auf das Gedeihen seiner leiblichen Söhne« gewesen.[40] Mitte der 70er Jahre bewarb Amendt sich auf Anregung seiner Doktormutter um eine in Gießen ausgeschriebene Professur für »Soziologie der Sexualität«, scheiterte aber aus politischen Gründen. Ein regelrechtes Berufsverbot gab es nicht, aber nachdem er zwei Mal auf Platz 1 der Berufungsliste gekommen war, wurde die Stelle gestrichen. Das war, so Amendt später, »ein Bruch in meiner Biografie«, weil ihm so der Berufsweg als Wissenschaftler versperrt war.[41] Hermann L. Gremliza urteilt im Rückblick abgewogen: Damit »hat Günter lange gehadert: wegen des erzwungenen Verzichts auf akademische Reputation, auch auf materielle Sicherheit. Und hat erst peu à peu entdeckt, dass er, auch weil er sein Ansehen und Auskommen umsichtig zu organisieren verstand, außerhalb des Unibetriebs glücklicher, freier, besser leben konnte.«[42]

Während »Sexfront« für Jugendliche der Mittelschicht geschrieben worden war und im März Verlag erschien, zielte das 1979 publizierte, umfangreichere und weniger provokative »Sex Buch« vornehmlich auf Arbeiterjugendliche. Es entstand in Zusammenarbeit mit Aktivisten der SDAJ und wurde im verbandsnahen Weltkreis-Verlag veröffentlicht.[43] Trotz der gleichbleibenden Botschaft war Amendts Sexualmoral »nicht grenzenlos permissiv«,[44] sondern wandte sich schon 1980 gegen die in Kreisen der Alternativbewegung propagierte Pädophilie, die im Namen von Tabubruch und Emanzipation die »Befreiung der Kindheit« propagierte, aber de facto die Freiheit Erwachsener gegenüber Schwächeren bedeutete.[45] Damit nahm er, der von 1975 bis 1982 dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung angehörte, »vieles der folgenden Selbstbestimmungs- und Gewaltdebatte vorweg«.[46] Kurz vor seinem Tod, auf dem Höhepunkt der jüngst wiederbelebten Diskussion, nahm er dazu noch einmal in einem vielbeachteten Beitrag Stellung, in dem er sich zugleich vom »Kinderschänderdiskurs« (Gunter Schmidt) distanzierte, die »tragische« Situation pädophiler Menschen in Rechnung stellte und die durch den Medienhype geförderte Tendenz kritisierte, den pädagogischen Prinzipien Zucht und Distanz zur Wiederauferstehung zu verhelfen.[47] Die von Alice Schwarzer und Emma 1987 ins Leben gerufenen »PorNO!«- Kampagne zur Durchsetzung eines Anti-Pornographie-Gesetzes lehnte er trotz seiner Kritik an der Kommerzialisierung der Sexualität ab, weil die Regelung der »Geschlechterbeziehungen mit Hilfe von Gesetzen und staatlichen Vollzugsorganen« anstelle einer Emanzipation der Individuen ein Klima der moralischen Panik erzeugte und den Geist von law and order reaktivierte.[48]

Doch bevor Amendt sich als freier Autor etablierte, stieg er praktisch auf einem Gebiet ein, mit dem er sich seit 1968 nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen mit der Frankfurter Szene beschäftigt hatte, woraus noch vor der Dissertation ein weiteres, 1972 im März Verlag publiziertes Buch hervorgegangen war: der Drogenfrage.[49] In »Sucht – Profit – Sucht« untersuchte er gemeinsam mit Ulrich Stiehler die ökonomischen Mechanismen des weltweiten Drogenhandels und die staatliche Drogenpolitik, aber auch den Drogenkonsum in der Subkultur und seine Bedeutung für den revolutionären Kampf. Das Buch nahm jedoch vornehmlich nicht die Konsumenten-, sondern die Produzentenseite in den Blick mit der These, Drogenkonsum sei als Problem im Kapitalismus nicht zu bewältigen: »Nur hier gibt es ein Interesse, die Ware Droge zum Zwecke der Profitmaximierung herzustellen und zu vertreiben. Deshalb ist das Drogenproblem ›unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen‹ nicht lösbar.«[50] Amendt hatte seit Mitte der 60er Jahre eigene Drogenerfahrungen gesammelt, u.a. mit LSD, als Teil einer grundlegenden Transzendenzerfahrung mit politischer Komponente: »sich zu befreien von ansozialisierten Zwängen, einen Wechsel der Perspektive zuzulassen und in die von einer veränderten Wahrnehmung geschaffene neue Realität einzutauchen«.[51] Während er noch 1972 ambivalent war und die »Hippie-Ideologie« der Bewusstseinserweiterung ohne kollektive Lernprozesse ebenso verurteilte wie die »moralistisch[e] und ressentimentgeladen[e]« Anti-Drogen-Haltung in der linken Szene[52] und Repression als das am wenigsten geeignete Mittel zur Bekämpfung von Drogensucht betrachtete, sah er im Rückblick in Drogen auch eine »Produktivkraft«: Sie »haben meinen Blick geschärft und meine Wahrnehmung sensibilisiert, sie haben mir sinnlich erfahrbar gemacht, was mir analytisches Denken schon lange vorher bewusst gemacht hatte: Es gibt mehr als nur eine Realität und folglich auch mehr als nur eine Wahrheit.« Daher urteilte Amendt »nicht vom Standpunkt des Abstinenzlers. Das Problem liegt nicht im Alkohol, sondern im Alkoholismus, nicht in Cannabis, sondern im Cannabilismus.«[53] Auch durch Einbeziehung gesellschaftlich legitimer Sucht erzeugender Substanzen wie Alkohol oder Zucker setzte er – ebenso wie auf dem Gebiet der Sexualität – auf eine »Diskussion ohne Doppelmoral«. Eine rauschfreie Gesellschaft jedoch war für ihn eine Horrorvorstellung.

Zwischen Promotion und Freiberuflichkeit arbeitete Amendt seit 1975 in der Hamburger Drogenklinik »Therapie Zentrum Altona« – eine Modelleinrichtung, die Drogenabhängige sozialtherapeutisch behandelte, aber schon 1977 wieder geschlossen wurde – und mit Drogenabhängigen im Strafvollzug.[54] Er profitierte von dieser »wichtige(n) Erfahrung« auch in den Folgejahren, als er sich als freier Autor immer wieder mit der staatlichen Drogenpolitik nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in den USA und der Schweiz beschäftigte und bis in die Gegenwart die Rolle von Drogen in der kapitalistischen Gesellschaft und die Folgen für die Betroffenen untersuchte.[55] Als Drogenexperte nahm er häufig in den Medien Stellung und wurde zu Hearings der Grünen und des Schweizer Nationalrats eingeladen. Seine »Drogenpolitik der praktischen Vernunft«[56] lief darauf hinaus, die Realität anzuerkennen: Eine drogenfreie Gesellschaft ist nicht möglich, am wenigsten durch das Methodenarsenal von Verbot und Repression. Statt dessen: Schluss mit der Doppelmoral, die Alkohol verharmlost und Cannabis verteufelt; Entschärfung des Problems nicht durch vollständigen Verzicht, sondern durch Eindämmung des Angebots, Mäßigung des Konsums und »medizinisch-therapeutische Versorgung der Abgestürzten«.[57]

3. Soziologie und Ästhetik der Popmusik

Ein dritter Schwerpunkt seiner publizistischen Arbeit lag auf dem Gebiet der Popmusik. Amendt war nicht nur der bekannteste Bob-Dylan-Experte der Bundesrepublik, er schrieb auch über Festivals und Medienereignisse, die Rolle von Sexualität und Drogen in der Popkultur. Die meisten seiner Artikel erschienen in der Zeitschrift »Konkret«, die unter der Herausgeberschaft von Hermann L. Gremliza einen entschiedeneren politischen Kurs einschlug als noch zu Klaus Rainer Röhls Zeiten und aus dieser Perspektive auch das Kulturleben unter die Lupe nahm. Amendt schrieb für »Konkret« seit 1976 – bis zu seinem Lebensende waren es etwa 130 Artikel – nicht nur über Sex, Drugs und Rock’n’Roll, sondern auch über politische Themen wie die Befindlichkeiten in der linken Szene, Terrorismus, Karl Carstens als Bundespräsident, Protest gegen den NATO-Doppelbeschluss; über die Bundesrepublik hinaus beschäftigte er sich mit häufig mit den Verhältnissen in den USA und der Schweiz, aber auch Mittelamerikas, der DDR und der Sowjetunion. Viele seiner »Konkret«-Artikel flossen später in seine Bücher ein, von denen einige im Konkret Literatur Verlag erschienen. Er war ein beliebter Autor, wie sich bei einer Leserumfrage 1981 zeigte, nach der er auf Platz 5 derjenigen »Konkret«-Autoren rangierte, von denen die Leserinnen und Leser mehr haben wollten – nach Günter Wallraff, Bernt Engelmann, Henning Venske und dem Herausgeber.[58] Amendt war mit Gremliza und anderen Mitarbeitern der Zeitschrift wie Werner Heine befreundet, zeitweise war er Redakteur für Kultur, ein andermal für Gesellschaft.

Drei Themen waren es, die Amendts Zugang zur Rockmusik bestimmten: Erstens ihre affektive, körperliche Seite, bei der das ›feeling‹ im Mittelpunkt stand. Zweitens, unmittelbar damit verbunden, die Zuschreibung einer ›rebellischen‹ Funktion, die nur begrenzt aus ihren kognitiven Aspekten rührte. Und drittens der Live-Act als Kriterium der ästhetischen Wahrheit. Allen drei Themen war als Kern gemeinsam eine Wahrnehmung des Rock’n’Roll als umfassende Erfahrung, die Körper und Geist gleichermaßen einbezog und nicht auf den Teilbereich einer ›Kultur‹ zu begrenzen war, sondern die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft berührte. Daher auch ihre per se politische Qualität. ›

Amendt hatte, wie schon die knallgelbe »Sexfront« mit ihrer eingängigen Sprache und der offensiven Bebilderung als Gesamtkunstwerk zeigte, eine frühe Affinität zur Popkultur, die sich auch auf die Popmusik erstreckte – als Helden Bob Dylan (bezeichnenderweise erst in der elektrifizierten Phase ab »Highway 61« von 1965 – »davor ging er mir eher auf die Nerven«)[59] und Jimi Hendrix. Damit unterschied er sich von vielen der führenden SDS-Genossen, deren »Ignoranz […] gegenüber den Problemen künstlerischer Produktion« er kritisierte, weil sie bestenfalls glaubten, populäre Künste »als Ausdrucksformen des politischen Kampfes instrumentalisieren zu können«.[60] Zwar betrachtete auch er Popmusik als ein Medium der »kulturimperialistischen Expansion«, attestierte ihr aber auch in Teilen »emanzipatorische Inhalte« und nannte exemplarisch den Blues, der die Lage einer unterprivilegierten Klasse, und Bob Dylan, der die Protestbewegung der 60er Jahre repräsentierte. Damit sah er die Dinge ähnlich wie andere Deuter der Popmusik, Helmut Salzinger oder Manfred Miller, die ihr trotz ihrer offensichtlichen kommerziellen Bedeutung ein befreiendes Potenzial abgewinnen wollten.[61]

Dabei hatte sich Amendts musikalische Sozialisation über die Adaption eben jenes ›Kulturimperialismus‹ vollzogen, der seine befreiende Wirkung als Antipode des deutschen Schlagers entfaltete. »Wie oft musste ich mich von Verwandten und Bekannten nach einer langen Nacht im Jazzkeller oder nach der Rückkehr vom Folk- und Bluesfestival in Offenbach fragen lassen, was es eigentlich mit diesem Amikram oder – wahlweise – dieser Niggermusik auf sich habe.«[62] Auch deutsche Jugendliche waren fasziniert von den Texten – nicht zuletzt ihretwegen arbeiteten sie an ihren Englischkenntnissen. Aber im Grunde rührte ihre Affinität aus dem Sound, der am stärksten die sinnliche Seite der Musik repräsentierte und den Körper zum Vibrieren brachte. Die »Scheu vor der Körperlichkeit des Rock’n’Roll« hingegen bestimmte die Wahrnehmung der älteren Generationen.[63] In einem zentralen Text zu diesem Thema von 1979 verknüpfte Amendt Rock’n’Roll, Sexualität und Rebellion.[64] »Rock’n’Roll, das ist, wenn Musik vom Kopf in den Körper rutscht. Rock’n’Roll, das ist, wenn du deinen Körper spürst.« Der Rock’n’Roll »wird nicht unterzukriegen sein, weil er immer neuen Generationen lustvoll beibringt, ihren Körper zu fühlen. Anders zu fühlen als in der Tretmühle am Arbeitsplatz, auf den Kasernenhöfen der Bundeswehr und in den Knochenmehlfabriken des Leistungssports.« Gleichzeitig wurde Rockmusik zum politisch-kulturellen Wandel in Beziehung gesetzt, war »verbunden mit den kleinen und großen Alltagserfahrungen ihrer Produzenten und ihrer Hörer«: »Wer euch die Geschichte des Rock’n’Roll erzählen will und es unterläßt, das Leben und die Revolten der Jugend zu beschreiben, die den Rock’n’Roll erst zu ihrer Musik machten, der verfälscht die Geschichte.« Dieser emphatische Begriff der ›Rockmusik‹ stand im Gegensatz zum Begriff des ›Pop‹, der die kommerzielle Seite repräsentierte, aber in seiner Authentizitätssuggestion auch im Gegensatz zu ostentativ anti-authentischen Ausformungen wie Glam-Rock, die die Pose in den Vordergrund rückten.

In den 70er Jahren hatte die von Amendt gegen alle Kommerzialisierung verteidigte Verbindung von Rockmusik und Rebellion noch erheblichen Widerhall und wurde im deutschsprachigen Raum am prominentesten adaptiert von Udo Lindenberg, der sich dabei direkt auf Amendt bezog.[65] Dass dieser auch für Lindenberg, mit dem er befreundet war, Texte geschrieben hat, ist zumindest für den Song »Straßen-Fieber« verbürgt, in dem die militante Stimmung der frühen 80er Jahre beschrieben und die Reaktion des Staates verurteilt wird: »Fieber, und was verordnen sie?/Schwere Knüppeltherapie/gegen leichte Krawallerie«.[66] In eine Reihe mit Lindenberg stellte Amendt Wolfgang Ambros, BAP und »allen voran Rio Reiser«, denen es gelungen sei, »den angelsächsischen Sound so zu verarbeiten, dass ein eigenständiges Produkt entstand – weder bloße Kopie der anglo-amerikanischen Tradition noch ein Anknüpfen an die vom Faschismus missbrauchte und vom Stalinismus verdorbene deutsche Liedtradition.«[67] Ein neuer rebellischer Sound nach der Rockmusik war für ihn vorerst nicht zu erkennen. Punk als ein »trauriger Versuch, Protest und Rebellion, wie die Schwestern und Brüder vor ihnen, mit der Musik zu verbinden«, kam in der Bundesrepublik nur noch als »zarte Brise«, »als schlaffe Welle ohne Schaumkronen« an. Während Punk immerhin von unten kam, war Disco in »den Chefbüros großer Musik- und Freizeitkonzerne« geboren worden, die nicht nur einen Sound verkaufen wollen, sondern »Weltanschauung«. Das Disco-Tanzen hatte nichts mit Körpergefühl zu tun: »Das ist Tanzen als Marschbefehl, als allgemeine Mobilmachung: Stumpfsinnige Kommandos, wo du deine Füße hinzusetzen hast, wo deine Hände zu bleiben haben, wie du führst, oder, wenn du das Pech hast, ein Mädchen zu sein, wie du dich führen lässt.«[68]

Ein paradigmatisches Beispiel für die Einpassung ursprünglich »rebellischer« Elemente der Popkultur in einen konservativen Mainstream Anfang der 80er Jahre sah Amendt in dem kurzlebigen Versuch, die in den 60er Jahren erfolgreiche Zeitschrift für die ältere Jugend, »Twen«, zu reanimieren: Den »geschickten Händen des ›Twen‹-art-directors ist es gelungen, zwei Ausdrucksformen der Jugendkultur – Punker und Popper – in der Realität nur in unversöhnbarer Gegnerschaft bekannt, zu verschmelzen, wobei das Popperhafte schließlich dominiert. […] Für das neue ›Twen‹ sehe ich ein Publikum im Umkreis der Jungen Union, wo man einem seelenruhig ins Gesicht sagen kann, er sei ein Reaktionär oder gar ein Faschist, wo man sich aber hüten sollte, jemanden unmodern zu nennen. Dieser flotte Typ, extravagant, brillant und stockreaktionär, wird sich ›Twen‹ auf den Rauchtisch legen.« Diese zeitdiagnostische Beobachtung sollte sich auch im Vorgriff auf nachfolgende Popliteraten à la Christian Kracht und Benjamin Stuckrad-Barre als zutreffend erweisen.

4. »Bobby ist mein Hobby«…

… und, anders als Sex und Drogen, nicht Gegenstand einer semiakademischen Betrachtungsweise. Dass Amendt sich nie als Musikkritiker gerierte, war »seine große Qualität«, wie Martin Schäfer, Redakteur bei Radio Basel und ein Freund, urteilt.[69] Drei Ansätze bestimmten Amendts Dylan-Wahrnehmung. Erstens verortete er den Künstler immer im Kontext der globalen politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse, ohne ihn auf die Rolle des ›Protestsängers« zu reduzieren. Zweitens nahm er Dylan nicht literaturwissenschaftlich wahr, aus der Textperspektive, sondern als multistimulantes Phänomen, bei dem die Musik – der Blues – die entscheidende Rolle spielt. Drittens wird das Werk nicht auf die Platten begrenzt, sondern manifestiert sich vor allem in der Live-Performance.

Weil das Verhältnis zwischen einer antiautoritären Bewegung und den aus dieser Bewegung hervorgehenden oder von ihr erwählten Leitfiguren strukturell problematisch war, hatte es schon in den 60er Jahren harte Auseinandersetzungen über die Rolle des ›Stars‹ gegeben – herausgehobenen Einzelnen, denen immer wieder Verrat an der gemeinsamen Sache vorgeworfen wurde, insbesondere dann, wenn Geld ins Spiel kam.[70] Amendt, der selbst ein »Star der Studentenbewegung« (Werner Heine) war, hat sich früh an dieser Debatte beteiligt und auch das eigene Tun reflektiert. Im Gegensatz zum »charismatischen Führer«, wie er von Max Weber beschrieben wurde, war der »antiautoritäre Führer« ein »Star«: »Man erwartet von ihm keine Wunder, sondern man will von ihm unterhalten werden. Er soll etwas verkaufen, soll ankommen. Im Unterschied zum Star der Freizeitindustrie will er etwas und nicht sich verkaufen. […] Wo er auftritt, findet er zwar nicht aktuell politisches Bewusstsein vor, wohl aber potentiell. Er wird zum Handlungsreisenden in politischer Potentialität, zum Auslöser kraft Aufklärung und nicht kraft Wunder.«[71] Zwischen »antiautoritären Führern« und Popidolen der 60er Jahre sah er Ähnlichkeiten: »Deren ›Führungseigenschaften‹ und Vorbildfunktion erkenne ich in vielen Handlungen und Äußerungen der Studentenführer. Dutschkes Bild passt mehr neben das eines Mick Jagger als das eines bürgerlichen Politikers.«[72] Was er dem »antiautoritären Führer« (Anführungszeichen im Original) attestierte – »etwas und nicht sich« zu verkaufen – übertrug er später auf jene Rockstars, die eine gewisse Distanz zu Medien und Fans hielten und sich Zudringlichkeiten aller Art zu erwehren hatten: »Distanzlosigkeit und in ihrer Gefolgschaft Respektlosigkeit sind Merkmale dieser Popkultur und ihrem von den Massenmedien angeheizten Starkult. Dylan bekam das als einer der ersten zu spüren.«[73] Amendt hielt es für eine Zumutung, von Bob Dylan mehr zu erwarten als seinen Job zu tun: gute Songs zu schreiben und auf der Bühne zu präsentieren. Interviews, Ansprachen an das Publikum, Details aus dem Privatleben: überflüssig und immer redundant im Verhältnis zu seiner Kunst. Wenn der Performer die professionelle Distanz aufgab, reagierte Amendt verständnislos, so etwa, als Dylan 1984 bei einem Konzert in Rom das Publikum zum Mitklatschen animierte: »Ein Novum […], über das ich nicht viel Worte verlieren will, weil ich diesen peinlichen Stilbruch bis heute nicht ganz verkraftet habe.«[74]

Professionelle Distanz wahrte er selbst, obwohl er sich Dylan engstens verbunden fühlte, seine eigene Sozialisationsgeschichte mit dessen künstlerischer Entwicklung synchronisierte und sogar von »Liebe« sprach.[75] Die Verehrung Dylans beruhte auf den Texten ebenso wie auf dem Sound, wobei sie nicht in einer Bipolarität von Vernunft und Gefühl aufgingen. Auch die Lyrics transportierten Gefühle: »Dylans Texte führten weg von den Trivialitäten gängiger Rocksongs hin zur Alltagserfahrung von Jugendlichen. Musik wurde zu einer Erlebniswelt, in der Liebe, Sehnsucht, Hass, Trennungsschmerz, Angst, Wut, Verzweiflung, Trauer, Paranoia und Einsamkeit – alle Stimmungslagen und alle Gefühlszustände ihren Platz hatten.«[76] Gleichzeitig lehnte Amendt jene Akademisierung der Dylan-Rezeption ab, die sich ausschließlich auf den Text stützte und »mitten im Ereignisstrom« ernsthaft und ironiefrei Dylans Werk analysierte.[77] Die immer wieder vorgebrachte Forderung, Dylan mit dem Nobelpreis für Literatur zu ehren, war eine Kapitulation vor den herrschenden Verhältnissen: »Mancher Dylan-Liebhaber scheint nun die beabsichtigte Heimholung seines Idols in den Olymp der bürgerlichen Hochkultur als Auszeichnung des eigenen Beharrungsvermögens und Bestätigung seiner jahrelangen Gefolgschaft zu begreifen. Quasi als Kompensation für erlittene Demütigungen: Wird der Meister kanonisiert, sind auch seine Jünger gesalbt. Danach kann sich nur sehnen, wer in dieser Welt zu Hause ist oder ihr zuzugehören trachtet. […] Wie kann jemand, der gerade Dylans Performance in Zürich, Stuttgart, Oberhausen, Köln, Hannover, Berlin, Dresden und Regensburg gesehen oder den Mittschnitt gehört hat, auf die Idee kommen, diese Show ausgerechnet mit einem Literaturpreis auszeichnen zu wollen? Das war keine Dichterlesung. Das war eine furiose Rockandrollshow.«[78] Die einseitige literarische Lesart vernachlässigte den wichtigsten Teil des Werkes – die Musik, die »ihm nicht nur Medium [ist], um seine ›lyrics‹ zu transportieren, wie der textlastige Flügel der Dylan-Forschung oft suggerieren will.«[79]

Amendt maß der Musik, dem Sound, generell einen hohen Stellenwert bei der Beurteilung künstlerischer Qualität bei. Vor allem aber war sie entscheidend beim Live-Auftritt, der die Probe aufs Exempel darstellte, die Bewährungssituation, in der sich zeigte, ob ein neues Stück wirklich ausgereift war. Schon 1986 entschied sich für ihn an der Bühnenperformance die Qualität eines Songs – Jahre bevor Sony Music mit der Veröffentlichung aussortierter Songvarianten deutlich machte, welcher Reichtum jenseits des veröffentlichten Albummaterials vorhanden war. »Man sollte sich wohl abgewöhnen die oft zufälligen Plattenveröffentlichungen in einem Atemzug zu nennen, mit dem, was Dylan auf der Bühne tut, denn eigentlich sind alle Dylanplatten nur Rohfassungen seiner Lieder, so sorgfältig sie studiotechnisch arrangiert und bearbeitet sein mögen. Es sind veröffentlichte Songideen, die sich erst auf der Bühne voll entfalten. Oder auch nicht.«[80] Im Konzert spielte der Text eine vollkommen untergeordnete Rolle, nicht zuletzt, weil er oftmals kaum zu verstehen war – nicht nur vom größten Teil der Besucher, deren Muttersprache nicht Englisch war. »Dylans Songs sind als Lieder entstanden und nicht als Gedichte. In der Show sind sie Stimm-Material. And nothing more…«[81] In seinem Vorwort zur deutschen Übersetzung von Paul Williams’ Buch über Dylan als »Performing Artist« von 1992 erläuterte Amendt nochmals die Bedeutung der (oft  minimalistischen) Show, der Stimme, die auch erklärt, was den Künstler auf seiner »never ending tour« antrieb. In seinem großen Bericht über die Europatournee 1984 hielt Amendt als Motiv für seine Mitwirkung als Fellow Traveller fest: »Gestern, das war ein Konzert, die Teilnahme an einem einzigartigen Ereignis, heute und morgen und übermorgen, das ist die Fortsetzung einer Tournee und Beginn der Entwicklung zu einem Gesamtkunstwerk, das einmal ›Bob Dylans Europa-Tour ‘84’‹ genannt werden wird.«[82]

Seit Mitte der 80er Jahre, mit dem Wandel des Künstlers selbst, relativierte Amendt peu a peu das von ihm bis dahin stets hochgehaltene Authentizitätsideal der Rockmusik und gewichtete auch in seinen rückblickenden Urteilen das Moment der Konstruktion stärker. Ihre andauernde Anziehungskraft konnte Dylans »never ending tour« nur gewinnen, weil der »Song-and-Dance-Man« sich permanent wandelte und seinem Material immer neue Facetten abgewann. Gerade in der Wandlungsfähigkeit, im flüchtigen Charakter seiner Kunst bestand aus Amendts Sicht das Faszinosum Bob Dylan seit den 60er Jahren, wo er »das Bedürfnis vieler Jugendlicher sich selbst zu erfinden und neu zu definieren, um sich zu unterscheiden von einer Elterngeneration, die moralisch versagt hatte«, verkörpert hatte.[83] »It ain’t me, babe« – das in dieser knappen Formel verdichtete Selbstverständnis des Künstlers unterlief alle Authentizitätserwartungen des Publikums und musste zu Enttäuschungen führen. Darin sah Amendt eine von vielen Parallelen mit Bertolt Brecht, auf die er lange vor der Veröffentlichung des ersten Teils der Dylan-Autobiografie und der Erinnerungen Suze Rotolos, in denen Dylans Brecht-Adaption der frühen 60er Jahre beschrieben wird, verwiesen hatte.[84] Später hob er besonders die Gemeinsamkeit des Sich-Entziehens hervor: »Wie Brecht fühlt sich auch Dylan als einer, der ›aus den schwarzen Wäldern‹ kommt und sein Publikum wissen läßt: ›In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen.‹ Wer so vor das Publikum tritt, muß mit Liebesentzug rechnen.«[85] Die von Martin Schäfer an seinen Freund gerichtete Anregung, einmal systematisch »die vielen Parallelen zwischen Dylan und Brecht auf den Punkt zu bringen«, konnte er (»Dieses Thema behalte ich mir für mein Alter vor!«) nicht mehr verwirklichen.[86]

So sehr Amendt Dylan verehrte, so wenig unkritisch war er – wie überhaupt der kulturpessimistische Topos, Fans seien hörige Adepten ihrer Stars, in die Irre führt. Verständnislos reagierte er um 1980 auf Dylans barocke Bühnenshow und besonders auf seinen religiösen Fundamentalismus. Am Live-Album »At Budokan« (1978) kritisierte er die »Ladung Pomade«, forderte eine »Abmagerungskur« und hielt trotz einiger guter Stücke fest: »Es geht hier ums Ganze, das das Unwahre ist.«[87] Einige Songs auf der ersten Platte der religiösen Phase, »Slow Train Coming« (1979), hielt er für »offen reaktionär«, prophezeite aber, diese werde bald wieder beendet sein, um dann angesichts von »Saved« (1980) zur »bissigen Persiflage« (Martin Schäfer) überzugehen. In seiner »Konkret«-Besprechung – wie stets in diesen Jahren zusammen mit Uwe Heidorn verfasst – erklärte er die Platte zur Fälschung, auf der »ein (nicht unbegabter) Dylan-Imitator religiöse Liedchen darbietet«, und erfand ein Album namens »Raved« (die auf dem Originalcover dem göttlichen Finger entgegengereckten offenen Hände hatte Alfred von Meysenbug in Fäuste verwandelt) und besprach es, als habe der Künstler zu seinen Wurzeln zurückgefunden: »Dylan ist wieder runter vom ›slow train‹, der aufs Abstellgleis keucht, und wieder da, wo er hingehört: on the road again, back in the rain.«[88] Nach diesen »Vinyl-Oblaten«[89] wurde Amendt angesichts des Dylan-Konzerts von 1981 in Bad Segeberg versöhnlicher, weil der Künstler das dort veröffentlichte Material »ausgesprochen schwungvoll« präsentierte und durch ältere Songs ergänzte, also die Phase »der hysterischen Ausschließlichkeit und fundamentalistischen Agitation« überwand. Obwohl auf »Shot of Love« (1981) nach wie vor christliche Töne zu vernehmen waren, war auf beiden Seiten Ernüchterung eingetreten. »Wir glauben, dass Dylan glaubt, was er glaubt, das ist die Geschäftsgrundlage unserer Beschäftigung mit ihm. Deshalb geht es nicht darum, sich nach irgendeinem ›alten‹ Dylan zurückzusehnen und zu beklagen, dass er nicht mehr ist, wer er einmal war. (Was war er eigentlich? It ain’t me, babe, das war er, Babe!) Wir wollen von Dylan auch keine Ratschläge, weil wir uns selber beraten, wir wollen keine Protestsongs, weil wir selber protestieren.« Jedenfalls markierte »Shot of Love« »Dylans Wendepunkt, die langsame Abkehr von allzu rascher Bekehrung«.[90] Schon der spielerische Umgang mit »Saved« zeigt, dass Amendt seinem Helden mit Ironie entgegentreten konnte. Allerdings war sie, anders als der um 1980 in der Popkritik sich durchsetzende Gestus der demonstrativen Distanz, mit Bitternis durchsetzt, die aus enttäuschter Identifikation rührte.[91]

4. 1990. Radicalism Revisited

Als Reinhard Mohr 1999 im Spiegel klagte, die zur Selbstreflexion unfähige, von einer »Denkstarre« befallene deutsche Linke liefe »der Zeit hoffnungslos hinterher«, reihte er auch Amendt unter diejenigen »Verschwörungstheoretiker und Teufelsaustreiber mit dem eingebauten Moral-Navigator« ein, die zu ihren früheren Irrtümern schwiegen.[92] Daran ist so viel richtig, dass Amendt auch nach 1989 seine grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber dem Kapitalismus und seiner konkreten Gestalt in der Bundesrepublik nicht revidierte, die schnelle Anpassung mancher »68er« registrierte – exemplifiziert besonders an der Person Joschka Fischers und seiner Vereinnahmung der »68er-Generation« »für eine verbrecherische Politik« – und pessimistisch in die Zukunft blickte.[93] Weil seine Themen kaum in einem festen ideologischen Rahmen verzurrt, sondern nur durch eigene intellektuelle Anstrengungen und mit Blick auf das Konkrete zu bearbeiten waren, trug Amendt gleichzeitig zu einer demokratischen Praxis im Alltag bei, indem er weiterhin auf seinen Themenfeldern aktiv blieb. Was die Arbeit an den Irrtümern angeht, so war er 1988 von einem Mitglied des DKP-Präsidiums wegen seiner ablehnenden Haltung zu Alice Schwarzers »PorNO!«-Kampgane kritisiert worden – ausgerechnet in der Parteizeitung »Unsere Zeit«, nicht gerade eine Vorkämpferin des Feminismus.[94] Dieses Statement kam einer offiziellen Rüge gleich – auf dem Höhepunkt einer massiven innerparteilichen Auseinandersetzung, in der er sich auf der Seite der »Erneuerer« befand, die in Opposition zur traditionalistischen Mehrheit der Parteiführung stand. Amendt war Mitte der 70er Jahre in die DKP eingetreten – weil er in der seinerzeit noch jungen und aufsteigenden Partei die effektivste Kraft links von der Sozialdemokratie sah (allerdings schon damals »mit allerlei Reserven gegenüber ihrer Politik«), und weil im relativ liberalen Klima der Hamburger DKP ein breites intellektuelles und künstlerisches Umfeld entstanden war, das ihn interessierte.[95] Sein dortiger Freundeskreis war pluralistisch links, keineswegs nur aus dem DKP-Spektrum, und eher »flippig-kifferig«[96] als parteidogmatisch. Den zeitgleich entstehenden »Spontis« und dem Spontaneismus als politischem Konzept stand er trotz bohemistischer Neigungen mehr als skeptisch gegenüber. In seinem zu diesem Thema zentralen Text »Sie wollen nichts. Und das nie« kritisiert er die »Auflösung aller Kategorien – es gibt nicht richtig oder falsch, oben oder unten, hinten oder vorne« – die »adäquate Philosophie einer bürgerlichen Intelligenz, die nicht handeln will (und kann) und deshalb den praxisfordernden Marxismus flieht.«[97] Amendt, der nicht nur im Politischen viel von Verbindlichkeit hielt, kritisierte die Ideologie der Spontis, aber nicht die Spontaneität. Vielmehr reklamierte er die Lust, das Sinnliche und das Konkrete für die Kommunisten. Dies war teils Wunschdenken, teils entsprach es der Wirklichkeit etwa in Gruppen der SDAJ, wo, wie sich auch am »Sex Buch« zeigte, Amendts Themen als Alltagspraktiken eine wichtige Rolle spielten.[98] Gleichzeitig war dieses Buch Ergebnis und Medium seines Vorsatzes, die Haltung der DKP zur Homosexualität zu liberalisieren – was er später (mit gemischten Ergebnissen) auch auf die DDR und die Sowjetunion ausdehnte.[99]

Christoph Drösser, der 1985 mit Amendt an den Weltfestspielen der Jugend in Moskau teilnahm, lernte ihn dort als »undogmatischen Kommunisten« kennen, und als es im darauf folgenden Jahr zum innerparteilichen Konflikt um die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl kam, kritisierte er die Haltung der Parteiführung und forderte das sofortige Abschalten aller Atomkraftwerke.[100] In der von Gorbatschow ausgelösten Wende der sowjetischen Politik in Richtung Glasnost und Perestroika sah er eine »Rückgewinnung der Dialektik«: »Die Bedürfnisse, die dort formuliert werden und auch die Frustrationen, die ich dort höre über die Entwicklung des Sozialismus – das ist erstaunlich nahe dran an dem, was bei uns fortschrittliche Jugendliche denken oder fortschrittliche Frauen.«[101]

Ähnlich begriff Amendt auch die Protestbewegung in der DDR, wie er im Frühjahr 1990 erläuterte, als »eine antiautoritäre Revolte«, etwas, »worauf ich gewartet und gehofft hatte. Wie konnte einer jemals Hoffnung auf die DDR setzen? Die Antwort ist einfach. Etwas anderes gab es nicht. […] Ich muss gestehen, dass ich heute kaum noch Fragen an die Entwicklung in der DDR habe. Was sich dort unaufhaltsam durchsetzt, kenne ich bereits. Es ist das, was ich seit meinem 16. Lebensjahr, als ich mich dazu durchrang, den Kriegsdienst zu verweigern, mit wachsender Entschlossenheit bekämpft habe. Ich will diese Wiedervereinigung nicht. Auf keinen Fall und unter keinem Umstand, auch nicht dem europäischen, der ein Vorwand ist und auf der Annahme beruht, das Nationalstaatliche werde absterben in Europa. Daran glaube ich nicht.«[102] Mitte der 90er Jahre resümierte Amendt, das Ende der DDR sei ein »lebensgeschichtlichen Bruch« gewesen: »Ich bedauere den Untergang der DDR. Ich habe dieses Land gut gekannt. Einiges habe ich falsch eingeschätzt, überschätzt, auch unterschätzt. Ich hatte beispielsweise keine Vorstellung davon, wie stark die autoritären Strukturen von den Menschen in der DDR verinnerlicht worden sind. Trotzdem: Mit der Veränderung der Eigentumsverhältnisse war für mich ein erster Schritt zur sozialistischen Gesellschaft getan. Ich habe auf ein Veränderungspotenzial gebaut, das zweifellos vorhanden war und meiner Vorstellung von einem demokratischen Sozialismus entsprach.«[103] Diese Hoffnung war mit der Vereinigung von 1990 gestorben. Damit, so Werner Heine, »verabschiedeten wir uns von dem Traum, die Menschheit könnte doch noch die Kurve kriegen und ihre Angelegenheiten rational zu regeln versuchen, statt weiter mit Vollgas in die Barbarei zu steuern.«[104]

Obwohl skeptisch gegenüber dem Erinnerungsboom zu diversen Jubiläen von »1968«, nahm Amendt gelegentlich an Diskussionsveranstaltungen zu diesem Thema teil. Er verteidigte den Aufbruch, sah aber auch selbstkritisch zurück. So stimmte er Adornos später Aussage zur Studentenbewegung zu, ihrem fruchtbaren Tun sei »ein Quentchen Wahn beigemischt, dem das Totalitäre teleologisch beiwohnt«. Das hätte sich, so Amendt, in den »schäbigen und beschämenden Aktionen« gezeigt, die die Auseinandersetzung der Aktivisten mit dem remigrierten jüdischen Philosophen begleiteten: »Schäbig und beschämend deshalb, weil wir, mehr als uns bewusst war, an den Verdrängungsmechanismen unserer Eltern teilhatten.«[105]

Amendt hielt nicht viel von vergangenheitsseligen Reminiszenzen, empfahl aber als Sonde in die 60er Jahre: »Wer verstehen will, was emotional gelaufen ist in diesen Jahren, sollte sich mit der Musik von damals beschäftigen.«[106] Die politischen Flugschriften widerspiegelten nur einen Ausschnitt und verzerrten das Bild, wenn nicht auch der Sound der Revolte einbezogen werde. Schon 1968 hatte er »das kulturrevolutionäre Element«[107] als entscheidenden Aspekt der Rebellion gesehen und auch in der Rückschau darauf verwiesen: »Wer jung war in den 60er Jahren und wach, der lebte nicht einfach mit Musik. Er lebte in der Musik, in der plötzlich Dinge geschahen, die niemand für möglich gehalten hätte. Die Texte der Populärmusik führten weg von den Trivialitäten gängiger Schlager hin zu den Alltagserfahrungen von Jugendlichen. Musik wurde zu einer Erlebniswelt, in der Liebe, Sehnsucht, Hass, Trennungsschmerz, Angst, Wut, Verzweiflung, Trauer, Paranoia und Einsamkeit – alle Stimmungslagen und alle Gefühlszustände ihren Platz hatten.«[108]

5. Fazit

Günter Amendt war ein theoretisch reflektierter und zugleich empirisch an konkretem Material arbeitender, praktischer Intellektueller, der seine Gegenstände grundsätzlich in einen politischen Kontext stellte und politisch bewertete, ohne sie auf diese Dimension zu reduzieren. Er setzte auf das rationale Argument in der Auseinandersetzung um Themen, die zu weiten Teilen emotional und affektiv bestimmt waren. Gerade weil sie die unterschiedlichsten Gefühle zuließen, reflektierten und erzeugten, waren sie für den Alltag Jugendlicher so wichtig geworden. Auch weil im Gestrüpp überwuchernder moralischer Wertungen von rechts wie links die Fakten schwer zu erkennen und ein eigenständiges Urteil nicht leicht zu gewinnen waren, gab es nur wenige, die sich mit derart fluiden Gegenständen ernsthaft auseinandersetzten. Hinzu kam, dass eine »hedonistische Linke« in den Jahren der Trennung von »rationalen« und »emotionalen« Subkulturen nicht viele Fürsprecher hatte.[109] Amendt attackierte die kulturkritischen Werturteile, mit denen seine hoch umstrittenen Themen in der Regel bedacht wurden. Bei der Untersuchung ihres empirischen Gehalts bediente er sich der Sprache der ›Sachlichkeit‹, allerdings nicht in der Rhetorik des Antiemotionalen, wie es in den 50er Jahren insbesondere durch Helmut Schelsky als antitotalitäres Programm propagiert und zum generationellen Stil einer »skeptischen Generation« überhöht worden war.[110] Im Gegenteil: Der positive Bezug auf Massenbewegungen und ihre emotionalen Triebkräfte verband Amendts Ansatz mit der linken Sachlichkeit Brechts, ohne dessen »Kälte«-Duktus zu übernehmen.[111] Ideale des Kampfes, der Militanz und des Dezisionismus waren Amendt nicht fremd, aber sie verbanden sich mit Offenheit und Empathie, die auch ideologische Grenzen überschritten. Der vorurteilsfreie Zugang bedeutete nicht, dass Amendt keine Moral gehabt hätte: Sie radikalisierte den nach Emanzipation des Individuums, nach Befreiung des Körpers und der Emotionen strebenden Zeitgeist und setzte ihn in Politik um. Fehlurteile kamen vor, Amendt hat sie gelegentlich revidiert, manchmal auch nicht. Im Hinblick auf die Popkultur sind etwa antikommerzielle Affekte nicht zu übersehen, wie sie weit verbreitet waren und eine nüchterne Sicht verstellten; dass die »kids« »immer alright« waren, wie er 1985 meinte, war eine der vielen schönen Fortschrittsideen, die man verabschieden konnte spätestens als Neonazis auf Rechtsrock setzten.[112]

Im 20. Jahrhundert korrespondierten revolutionäre politische Ideen oft mit neuen Trends in Musik, Mode und Habitus. Ihre Protagonisten nach 1945 bezogen sich immer wieder auf die in dieser Hinsicht tonangebenden Akteure der ersten Jahrhunderthälfte und betteten ihre eigenen Präferenzen in einen solchen Bezugsrahmen ein. Amendts Zugang zu seiner Gegenwart wurde theoretisch von der Kritischen Theorie und praktisch von der Kulturrevolution der 60er Jahre bestimmt. Gleichzeitig war er maßgeblich daran beteiligt, eine bestimmte Generationserfahrung der »68er« zu erzeugen, indem er die durch Drogen, Sexualität und Musik bestimmten neuen Körperwahrnehmungen registrierte, interpretierte und in der Öffentlichkeit legitimierte. Bei allen Meinungsverschiedenheiten im Politischen formulierte er damit zeitspezifische Wir-Gefühle der westdeutschen Linken seit den 60er Jahren.[113] Allerdings handelte es sich um mehr als den emotionalen Kitt der »68er-Generation«, gerade weil diese Themen weit über sie hinaus in die Gesellschaft hineinwirkten und einen wichtigen Teil der sich wandelnden Alltagskultur darstellten. Immer ging es um das große Ganze, das im Detail sich manifestierte und von hier aus zu verändern war.

Detlef Siegfried
Professor für Neuere Deutsche und Europäische Geschichte an der Universität Kopenhagen.


[1] Rolf Schwendter, Theorie der Subkultur, Hamburg 41993 (erstmals Köln 1973).

[2] Andreas Reckwitz, Das hybride Subjekt. Eine Theorie der Subjektkulturen von der bürgerlichen Moderne zur Postmoderne, Weilerswist 2006.

[3] Sabine Flach/Jan Söffner, Emotionaler Habitus. Verkörperte Sinnlichkeit zwischen Subjektivität und Umweltrelation, Paderborn 2011.

[4] Sabine Hering/Hans-Georg Lützenkirchen, Wohin führt der lange Marsch? Die politische Erwachsenenbildung der 68er. Gespräche, Frankfurt am Main 1996, S. 80.

[5] Günter Amendt, Eine Absage als Nachwort, in: Werner Pieper (Hrsg.), Alles schien möglich… 60 Sechziger über die 60er Jahre und was aus ihnen wurde, Löhrbach [2007] S. 246-247, 246.

[6] Hering/Lützenkirchen, Marsch, S. 68. Zitat: Günter Amendt, Kriegsdienstverweigerung oder Das verweigerte Gewissen, in: Heinz Liepmann (Hrsg.), Kriegsdienstverweigerung oder Gilt noch das Grundgesetz?, Reinbek 1966, S. 77-92, 90.

[7] Amendt zit. nach Karin Storch, Der zweite Bildungsweg – Chance oder Illusion?, Frankfurt am Main 1974, S. 207.

[8] Dies und das Folgende im Interview mit Günter Amendt von Tilman Fichter und Siegwart Lönnendonker, 24.9.1973, Archiv »APO und soziale Bewegungen«, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin (ehem. ZI 6).

[9] Fritz von Unruh, Rede an die Frankfurter Jugend. Mit Beiträgen von Oberbürgermeister Werner Bockelmann und Günter Amendt, Frankfurt am Main 1964, S. 9-14.

[10] Martin Klimke, The Other Alliance. Student Protest in West Germany and the United States in the Global Sixties, Princeton 2010, S. 52; Günter Amendt, Die Studentenrevolte in Berkeley, in: Neue Kritik, Nr. 28, 1965, S. 5-7.

[11] Hering/Lützenkirchen, Marsch, S. 72.

[12] Reimut Reiche/Peter Gäng, Vom antikapitalistischen Protest zur sozialistischen Politik, in: Neue Kritik, Nr. 41, 1967, S. 17-35, 22 u. 24.

[13] Interview Amendt, S. 17ff. u. 22.

[14] Underground v. Januar 1969, S. 1.

[15] Frankfurter Neue Presse v. 4.3.1967.

[16] Gretchen Dutschke, Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie, München 1998, S. 209.

[17] Interview Amendt, S. 20f.

[18] Günter Amendt, Väter und Erben. Ein Interview, in: Frank Deppe (Hrsg.), 2. Juni 1967 und die Studentenbewegung heute, Dortmund 1977, S. 19-32, 20f.

[19] Der Spiegel, 3.12.1973, S. 218.

[20] Aufruf u.a. in Langer Marsch v. Januar 1973, S. 18.

[21] Details in Wolfgang Kraushaar (Hrsg.), Frankfurter Schule und Studentenbewegung. Von der Flaschenpost zum Molotowcocktail 1946-1995, Bd. 1, Frankfurt am Main 1998, passim; Niels Seibert, Vergessene Proteste. Internationalismus und Antirassismus 1964-1983, Münster 2008, S. 59ff.

[22] Der Spiegel, 21.8.1970, S. 71.

[23] Dagmar Herzog, Die Politisierung der Lust. Sexualität in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, München 2005.

[24] Günter Amendt, »Sexfront«. Revisited, in: Zeitschrift für Sexualforschung, Jg. 19, 2006, S. 159-172, 161.

[25] Konkret, 2/2004, S. 48; Der Spiegel, 15.4.1968, S. 78.

[26] Torsten Gass-Bolm, Revolution im Klassenzimmer? Die Schülerbewegung 1967-1970 und der Wandel der deutschen Schule, in: Christina von Hodenberg/Detlef Siegfried (Hrsg.), Wo »1968« liegt. Reform und Revolte in der Geschichte der Bundesrepublik, Göttingen 2006, S. 113-138, 122.

[27] AUSS-Bundesvorstand, Thesen zur Sexualkampagne, abgedruckt in Rote Presse-Korrespondenz, Nr. 21 v. 11.7.1969, 8ff.

[28] Konkret, 2/2004, S. 48.

[29] Günter Amendt, Sexfront, Frankfurt am Main 1970. Erw. Neuausgabe: Reinbek 1994 (48.-50. Tausend). Zur Resonanz vgl. Protest! Literatur um 1968. Eine Ausstellung d. Deutschen Literaturarchivs in Verbindung m. d. Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg u. d. Deutschen Rundfunkarchiv im Schiller-Nationalmuseum Marbach a. Neckar, Marbach 1998, S. 586ff.; Der Spiegel, 21.8.1970, S. 71.

[30] Amendt, »Sexfront« Revisited, S. 164.

[31] Sigusch, Geschichte, 403.

[32] Der Spiegel, 21.8.1970, S. 71.

[33] Zitat: Gunter Schmidt (Hrsg.), Kinder der sexuellen Revolution. Kontinuität und Wandel studentischer Sexualität 1966-1996, Gießen 2000, S. 11.

[34] Mona Steffen, SDS, Weiberräte, Feminismus?, in: Kraushaar, Flaschenpost, Bd. 3, S. 126-140, 135.

[35] Die Zeit, 17.6.1977.

[36] Hering/Lützenkirchen, Marsch, S. 75.

[37] Zitat: Interview Amendt, S. 26f.

[38] Volkmar Sigusch, Geschichte der Sexualwissenschaft, Frankfurt/New York 2008, S. 430.

[39] Volkmar Sigusch, Sexuelle Störungen und ihre Behandlung, 4., überarb. u. erw. Aufl., Stuttgart u.a. 2006, S. 139.

[40] Sigusch, Geschichte, S. 485.

[41] Hering/Lützenkirchen, Marsch, S. 76.

[42] Konkret, 5/2011, S. 41.

[43] Günter Amendt, Das Sex Buch, Dortmund 1979. Das Buch erschien seit 1985 bei Zweitausendeins und als erweiterte Neuausgabe mit dem Untertitel »Aufklärung für Jugendliche und junge Erwachsene« 1993 bei Elefanten Press, seit 1996 bei Rowohlt). Zur Zielgruppe: Amendt, »Sexfront« Revisited, S. 167.

[44] So Ulrike Baureithel im Freitag v. 17.3.2011.

[45] Konkret, 5/1980, S. 26; Der Spiegel, 21.6.2010, S. 45; Sebastian Haunss, Identität in Bewegung: Prozesse kollektiver Identität bei den Autonomen und in der Schwulenbewegung, Wiesbaden 2004, S. 223.

[46] So Gunther Schmidt in seinem Beitrag zur Trauerfeier für Günter Amendt im Hamburger »Polittbüro« am 5.4.2011: http://guenteramendt.de/nachrufe/schmidt.html (gel. 8.11.2011)

[47] Günter Amendt, Sexueller Missbrauch von Kindern. Zur Pädophiliediskussion von 1980 bis heute, in: Merkur, 64, 12, 2010, S. 1161-1172.

[48] So in seinem Beitrag zu einem Hearing der SPD-Bundestagsfraktion, dokumentiert in Konkret, 10/1988, S. 14. »Begleiterscheinung«: Konkret-Sexualität 1986, S. 22. Zu dieser Kampagne vgl. Elizabeth Heineman, Before Porn was Legal. The Erotica Empire of Beate Uhse, Chicago/London 2011, S. 167 u. 177.

[49] Günter Amendt/Ulrich Stiehler, Sucht – Profit – Sucht, Politische Ökonomie des Drogenhandels, Frankfurt am Main 1972; eine stark überarbeitete und erweiterte Neuausgabe mit Amendt als alleinigem Verfasser erschien 1984 bei Zweitausendeins, 1990 bei Rowohlt.

[50] Amendt, Sucht – Profit – Sucht (1984), S. 377. Das Folgende S. 376.

[51] Dies und das Folgende in Konkret, 3/2006, S. 62.

[52] Amendt, Sucht – Profit – Sucht (1972), S. 67 u. 178.

[53] Dies und das Folgende in Amendt, Sucht – Profit – Sucht (1984), S. 376 u. 378. »Produktivkraft« in Hering/Lützenkirchen, Marsch, S. 74.

[54] Zum TZA Amendts Bericht in Konkret, 7/1977, S. 14.

[55] Günter Amendt, Der große weiße Bluff. Die Drogenpolitik der USA, Hamburg 1987; ders., Die Droge. Der Staat. Der Tod. Auf dem Weg in die Drogengesellschaft, Hamburg 1992; ders./Patrick Walder, Ecstasy & Co. Alles über Partydrogen, Reinbek 1997; Günter Amendt, No drugs – no Future. Drogen im Zeitalter der Globalisierung, 2003; ders., Die Legende vom LSD, Frankfurt am Main 2008. Zitat Hering/Lützenkirchen, Marsch, S. 75.

[56] So Wolfgang Neskovic in seinem Beitrag zur Trauerfeier für Günter Amendt im Hamburger »Polittbüro« am 5.4.2011: http://guenteramendt.de/nachrufe/neskovic.html

[57] Amendt, Droge, S. 14.

[58] Konkret, 5/1981, S. 4.

[59] Günter Amendt, Reunion Sundown. Bob Dylan in Europa, Frankfurt am Main 1985, 21.

[60] Dies und das Folgende in Günter Amendt, Künstler in der antiautoritären Bewegung, in: A. v. Meysenbug, Supermädchen und andere Comics aus den letzten Tagen des großen Boom, Frankfurt am Main 1975, o.Pag.

[61] Helmut Salzinger, Rock Power oder Wie musikalisch ist die Revolution? Ein Essay über Pop-Musik und Gegenkultur, Frankfurt am Main 1972; Manfred Miller, Und Blues ritt das Karnickel. Vom überraschenden Erscheinen und mählichen Schwinden einer amerikanischen Musik im Land, aus dem der Käfer kam, in: Rauhut/Lorenz (Hrsg.), Blues, S. 18-39. Vgl. Detlef Siegfried, Time Is on My Side. Konsum und Politik in der westdeutschen Jugendkultur der 60er Jahre, Göttingen 22008, S. 662ff.

[62] Günter Amendt, Zeitenwende, in: Michael Rauhut/Reinhard Lorenz (Hrsg.), Ich hab den Blues schon etwas länger. Spuren einer Musik in Deutschland, Berlin 2008, S. 228-229.

[63] So Amendt bei einer Podiumsdiskussion, in: Axel Honneth/Peter Kemper/Richard Klein (Hrsg.), Bob Dylan. Ein Kongress. Ergebnisse des internationalen Bob Dylan-Kongresses 2006 in Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 2007, S. 317.

[64] Zuerst gedruckt in Konkret-Sexualität 1979, S. 83, dann als Kapitel im »Sex Buch« (1979), S. 152ff. Zitate nach dem »Konkret«-Text.

[65] Er zitierte Amendts eben zitierten Satz zu diesem Thema als Motto seines Buches: Udo Lindenberg, Rock’n’Roll und Rebellion. Ein panisches Panorama, 1981, S. 5.

[66] Udo Lindenberg, Das Textbuch, Frankfurt am Main 1981, S. 166f.; vgl. Klaus Dörre/Paul Schäfer, In den Straßen steigt das Fieber. Jugend in der Bundesrepublik, Köln 1981, S. 7. Vgl. auch die Erinnerungen Peter Zadeks, Die heißen Jahre 1970-1980, Köln 2006, 284.

[67] Günter Amendt, Back to the Sixties. Bob Dylan zum Sechzigsten, Hamburg 2001, S. 45.

[68] Konkret-Sexualität 1979, S. 83.

[69] In seinem Beitrag zur Trauerfeier für Günter Amendt http://guenteramendt.de/nachrufe/schaefer.html (gel. 6.11.2011).

[70] Detlef Siegfried, Stars der Revolte. Die Kommune 1, in: Daniela Münkel/Lu Seegers (Hrsg.), Medien und Imagepolitik im 20. Jahrhundert. Deutschland, Europa, USA, Frankfurt/New York 2008, S. 229-246.

[71] Günter Amendt, Über die trostlose Generation, in: ders. (Hrsg.), Kinderkreuzzug oder Beginnt die Revolution in den Schulen?, Reinbek 1968, S. 13-36, 23f.

[72] Amendt, Väter, S. 23.

[73] Konkret, 1/2005, S. 62.

[74] Amendt, Reunion Sundown, S. 48.

[75] Amendt, Back to the Sixties, S. 46; Videoclip von 2001 auf http://www.youtube.com/watch?v=NI6E89LN_uE, ges. 16.1.2012. Vgl. den Artikel von Martin Schäfer in der Wochenzeitung v. 14.4.2011.

[76] Amendt, Back to the Sixties, S. 47.

[77] Günter Amendt, Vorwort, in: Paul Williams, Forever Young. Die Musik von Bob Dylan 1974-1986, Heidelberg 1995, S. 10-19, S. 15

[78] Konkret, 9/2000, S. 60.

[79] Amendt, Reunion Sundown, S. 47.

[80] Konkret, 10/1986, S. 96. Zu Recht sind Zweifel geäußert worden, dass sehr viele andere zu diesem Zeitpunkt die zentrale Rolle des Bühnenauftritts erkannt hätten. So Manfred Helfert auf http://bobdylanroots.blogspot.com/2011/03/renowned-dylan-author-gunter-amendt.html (gel. 10.12.2011)

[81] Amendt, Vorwort, in: Williams, Forever Young, S. 13.

[82] Amendt, Reunion Sundown, S. 9.

[83] Amendt, Back to the Sixties, S. 49.

[84] So 1985 in Anspielung auf das epische Theater: »Brecht hätte seine Freude an Dylan. Und in der Tat, kein Künstler seines Genres hat wie Dylan die Fähigkeit entwickelt, voll da zu sein und zugleich neben sich zu stehen. Emotionen, die er auslöst, scheint er zu misstrauen.« (Amendt, Reunion Sundown, S. 39.). Zu der von Patrick Rampone herausgearbeiteten Gemeinsamkeit einer »Poetik des Sich-Entziehens« vgl. Die Augsburger Zeitung v. 9.2.2011. Bob Dylan, Chronicles, vol. 1, New York 2004, S. 272; Suze Rotolo, A Freewheelin’ Time. A Memoir of Greenwich Village in the Sixties, New York 2008, S. 233ff. Vgl. New York Times, 8.10.2006; Amendts Besprechung von »Chronicles« in Konkret, 12/2004, S. 62.

[85] Konkret, 1/2005, S. 62.

[86] So Martin Schäfer in seinem Beitrag zur Trauerfeier für Günter Amendt http://guenteramendt.de/nachrufe/schaefer.html (gel. 6.11.2011)

[87] Amendt, Never Ending Tour, 26f. Das Folgende 31ff.

[88] Ebd., S. 34. Zu Meysenbug: Amendt in Honneth/Kemper/Klein (Hrsg.), Bob Dylan, S. 324f. Der Spiegel v. 28.7.1980 war begeistert: »Wo es den wahren Dylan nicht mehr gibt, muss man ihn erfinden. Und das machen die beiden ›Raved‹-Rezensenten fabelhaft. Dylan auf ›Raved‹: ›Let the man on the cross / not be your boss / There is no hope / with that pope.‹«

[89] Dies und das Folgende: Amendt, Never Ending Tour, S. 39f.

[90] Ebd., S. 45.

[91] Christoph Rauen, Pop und Ironie. Popdiskurs und Popliteratur um 1980, Berlin u.a. 2010.

[92] Der Spiegel, 29.11.1999, S. 168 u. 174.

[93] Günter Amendt, Psychogramm einer neuen Kriegsgeneration, in: Klaus Bittermann/Thomas Deichmann (Hrsg.), Wie Dr. Joseph Fischer lernte, die Bombe zu lieben. Die Grünen, die SPD, die Nato und der Krieg auf dem Balkan, Berlin 1999, S. S. 155-159, Zitat 155.

[94] UZ-Artikel und Amendts Reaktion in Konkret, 11/1988, S. 50.

[95] Amendt, Väter, S. 24; Hering/Lützenkirchen, Marsch, S. 71f. »Reserven«: Die Zeit, 17.6.1977. Mehrfach wurde in den Nachrufen nach seinem Tode Unverständnis gegenüber seiner Entscheidung für die DKP geäußert, die so gar nicht mit seinem Habitus vereinbar zu sein schien (so Jan Feddersen in der taz v. 14.3.2011 und Reinhard Kahl in der Zeit: www.reinhardkahl.de/pdfs/Amendt.pdf, gel. 12.1.2012.).

[96] So Felix Reidenbach im Gespräch.

[97] Konkret, 3/1978, S. 16.

[98] Amendt, Väter, S. 28f.

[99] Hering/Lützenkirchen, Marsch, S. 78f. Zum Erfolg in der DKP und – verzögert – in der DDR vgl. Konkret, 1/1982, S. 44, 9/1986, S. 30 u. 2/1989, S. 22. »Die DDR schafft die Homosexualitätsgesetzgebung ab. Endgültig. Wer hätte das gedacht? Ich.« (Konkret, 9/1987, S. 62).

[100] Konkret, 7/1986, S. 20. Zitat aus Drössers Eintrag im Kondolenzbuch zum Tode Amendts: http://guenteramendt.de/kondolenzbuch/kondolenz_01.html, gel. 12.1.2012.

[101] Konkret, 7/1988, S. 35ff.

[102] Konkret, 3/1990, S. 42.

[103] Hering/Lützenkirchen, Marsch, S. 79.

[104] So Werner Heine in seinem Beitrag zur Trauerfeier für Günter Amendt im Hamburger »Polittbüro« am 5.4.2011: http://guenteramendt.de/nachrufe/heine.html, gel. 12.1.2012.

[105] Konkret, 7/1998, S. 54.

[106] Dies und das Folgende: Günter Amendt, Eine Absage als Nachwort, in: Werner Pieper (Hrsg.), Alles schien möglich… 60 Sechziger über die 60er Jahre und was aus ihnen wurde, Löhrbach [2007] S. 246-247.

[107] Amendt, Generation, S. 16.

[108] Konkret, 2/2004, S. 48. Vgl. auch Konkret 7/1998, S. 54.

[109] Diethart Kerbs (Hrsg.), Die hedonistische Linke. Beiträge zur Subkultur-Debatte, Neuwied/Berlin 1971.

[110] Franz-Werner Kersting, Helmut Schelskys »Skeptische Generation« von 1957. Zur Publikations- und Wirkungsgeschichte eines Standardwerkes, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 50 (2002), 465-495.

[111] Helmut Lethen, Verhaltenslehren der Kälte. Lebensversuche zwischen den Kriegen, Frankfurt am Main 1994.

[112] Konkret, 5/1985, S. 68; Diedrich Diederichsen, The Kids are not alright, Vol. IV – Oder doch? Identität, Nation, Differenz, Gefühle, Kritik und der ganze andere Scheiß, in: ders., Freiheit macht arm. Das Leben nach Rock’n’Roll 1990-1993, Köln 1993, S. 253-283; Max Annas/Ralph Christoph (Hrsg.), Neue Soundtracks für den Volksempfänger. Nazirock, Jugendkultur und rechter Mainstream. Berlin/Amsterdam 1993.

[113] Vgl. Jochen Voit, Linker Marsch. Überlegungen zu einer popkulturellen Generationengeschichte der deutschen Linken. In: Vorgänge 171/172, 44. Jg., 2005, S. 199-207.

 

Ich danke Felix Reidenbach für Auskunft und Joachim Lietzke für Feedback. Dieser erste Zugriff auf Günter Amendts Werk beruht im Wesentlichen auf gedrucktem Material. Sein Nachlass wird zur Zeit geordnet und verzeichnet. Sobald er zugänglich ist, steht ein sehr viel größerer Fundus zur Verfügung. Vgl. auch die von Freunden Amendts betreute Homepage www.guenteramendt.de

 

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